Feuer der Zukunft
Holz Vom ältesten Brennstoff der Welt zum innovativen Heizsystem
Es ist eines der erstaunlichsten Comebacks der letzten Jahre: die Rückkehr des Holzes als Energieträger in der modernen Heiztechnik. Bis vor 200 Jahren war es der wichtigste Brennstoff überhaupt. Darauf begann die Ära der Kohle, später folgten Öl und Gas. Und heutzutage erlebt Holz eine Renaissance: Der älteste Brennstoff der Menschheit ist heute der Energieträger für innovative Heiz- und Wärmenutzungssysteme. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik und nennt aktuelle Fördermöglichkeiten für Hausbesitzer, die ihr Eigenheim mit Holz befeuern wollen.Als nachwachsender Rohstoff stellt Holz eine umweltfreundliche Alternative zu den fossilen Brennstoffen dar. Weil Holz bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid freisetzt, wie es beim Wachsen aufgenommen hat es verbrennt also CO2-neutral , wird damit der Treibhauseffekt nicht weiter angeheizt. Das belohnt der Gesetzgeber: Bauherren und Modernisierer, die eine Holz-Zentralheizung mit einem automatisch beschickten Pelletkessel installieren, bekamen 2006 einen Zuschuss von mindestens 1.088 Euro, für einen manuell betriebenen Scheitholzkessel von 780 Euro. Voraussetzung: ein Kesselwirkungsgrad von 90 Prozent, den moderne Anlagen aber problemlos erreichen. Dieses Marktanreizprogramm erfreute sich allerdings so großer Beliebtheit (die Zahl der Förderanträge stieg 2006 gegenüber dem Vorjahr um 230 Prozent), dass die Fördermittel für dieses Jahr bereits restlos verteilt sind. Für 2007 soll aber ein neues Förderprogramm aufgelegt werden. Die Anträge sind zu richten an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Frankfurter Straße 29, 65760 Eschborn. Nähere Informationen dazu gibts im Internet unter www.bafa.de.
Klassisches Scheitholz oder moderne Pellets
Es gibt zwei Varianten, in denen Holz heute als Brennstoff auftritt:
als klassisches Scheitholz, das ausreichend getrocknet sein muss, damit es einen hohen Heizwert hat und schadstoffarm verbrennen kann
in Form der immer beliebter werdenden Pellets. Das sind kleine, bleistiftdicke Röllchen von bis zu 4 cm Länge, die nur aus Sägemehl gepresst werden und bequem gelagert und verfeuert werden können. Ein Kilo davon entspricht im Brennwert etwa einem halben Liter Heizöl.
Mit einem Lagerfeuer oder einem offenen Kamin, der nur etwa 20 Prozent des Heizwertes tatsächlich in Raumwärme umwandelt, haben moderne Holzheizungen nur noch die Flammen gemeinsam. Man unterscheidet zwischen Zusatz- und Zentralheizungen. Erstere sorgen nur in einzelnen Räumen für behagliche Wärme. Zu diesem Typus zählen
Kaminöfen, die Strahlungswärme abgeben (die je nach Speicherfähigkeit des Materials kürzer oder länger anhält)
geschlossene Kamine, die dank eines Heizeinsatzes mit Glasscheibe die Wärme in Schamottsteinen speichern. Daran streicht sich erwärmende Luft vorbei, die über Lüftungsklappen gezielt in einen oder mehrere Räume geführt werden kann.
Warmluftkachelöfen Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Je nach Qualität und Masse der Kacheln können sie Wärme lange speichern.
Pelleteinzelöfen Sie arbeiten im Prinzip wie Kaminöfen, auch die Optik ist identisch - anstelle von Holzscheiten werden jedoch Pellets verwendet.
High-Tech-Geräte statt Lagerfeuerromantik
Wie intensiv die Verbrennungstechnik weiterentwickelt wurde, zeigt das Beispiel Kachelöfen. Die Öfen der neuen Generation sind High-Tech-Geräte, die mit ihren Vorgängern nur mehr die gemütliche Ausstrahlung gemeinsam haben. Eine optimierte Brennraumkonstruktion, die ausgefeilte Führung des Luftstroms sowie elektronische Regelungen ermöglichen niedrige Emissionswerte, hohes Speichervermögen und exzellente Wirkungsgrade. Die Öfen können sogar vollautomatisch gestartet werden.
Auch die neuen Pelletöfen beweisen die Innovationskraft der Branche und machen das Heizen im Vergleich zu klassischen Kaminöfen deutlich komfortabler. Dafür sorgt ein Brennstoffbehälter, dessen Größe dem Tagesbedarf des Ofens angemessen ist. Neu bei exklusiven Modellen ist auch das Anfeuern per Fernbedienung durch Anschlussmöglichkeit an die Steckdose: Ob die Entzündung der Pellets mit Heißluft oder die Einstellung der Flammengröße, alles bequem per Knopfdruck vom Sofa aus möglich. Weil ein Kaminofen nicht jeden Tag auf dieselbe Weise genutzt wird, bietet die Funkfernbedienung zudem die Möglichkeit, verschiedene Heizprogramme einzustellen: ein Tages-, ein Wochen- und ein Wochenendprogramm.
Mit einer so ausgefeilten elektronischen Steuerung kann der Ofen leicht in das Heizsystem integriert werden. Es ist auch möglich, Einzelöfen durch den Einbau einer Wassertasche und den Anschluss an ein Heizsystem sogar zu Zentralheizungsanlagen zu erweitern. Das in der Wassertasche erwärmte Wasser fließt in das Heizsystem und kann so weitere Räume beheizen oder das Brauchwasser erwärmen.
Dasselbe gilt für Zusatzheizungen, in denen Scheitholz verbrannt wird. Auch über Kamin- und Kachelöfen oder Heizkamine lassen sich Warmwasser-Zentralheizungssysteme betreiben sowie Küche und Bad mit warmem Wasser versorgen. Eine schöne Kombination: Das im Wohnzimmer prasselnde Kaminfeuer erhitzt zugleich das Badewasser. Benötigt wird dafür ein wasserführender Heizeinsatz aus Gusseisen oder Stahl mit einem Wärmetauscher. Das Prinzip ist einfach: Sobald der Kamin beheizt ist, wird das von den Flammen erwärmte Wasser ins Heizungsnetz eingespeist. Auf diese Weise werden dann über den Kaminofen im Wohnzimmer die Heizkörper der angrenzenden Räume zentral beheizt, während die Ölheizung oder Gastherme sich automatisch abschaltet. Wird das Feuer zu schwach, übernimmt ein Pufferspeicher diesen Job. Das ist ein mit Wasser gefüllter Behälter, der überschüssige Energie speichert, wenn sie nicht benötigt wird, um sie später wieder fürs Heizen und die Warmwasserbereitung abzugeben. Damit erzielt man gute Verbrennungs- und Abgaswerte sowie einen hohen Wirkungsgrad. Die in verschiedenen Varianten erhältlichen Pufferspeicher können auch mit einem Wärmetauscher für eine Solaranlage kombiniert werden.
Ideale Kombination
Die Solaranlage und der Holzheizkessel bilden überhaupt ein ideales Doppel: Erstere spielt im Sommer ihre Stärken aus, indem sie das Trinkwasser erwärmt, im Winter sorgt der Heizkessel für die richtigen Heizungs- und Wassertemperaturen, und in den Übergangszeiten unterstützen sich die Wärmeerzeuger gegenseitig. Eine witterungsgeführte Steuerung und der Pufferspeicher bilden dabei die Schnittstelle zwischen Solaranlage und Pelletheizung. Die Systemregelung entscheidet anhand der Speichertemperatur, ob das Strahlungsangebot ausreichend ist oder der Einzelofen zugeschaltet werden muss. Im Durchschnitt kann durch die Solaranlage etwa ein Drittel des Wärmebedarfs abgedeckt werden.
Mit Holz lassen sich freilich auch Zentralheizungen befeuern. Die Variante für fleißige Heizer mit Zugriff auf günstiges Brennholz ist der per Hand bestückte Scheitholzkessel. Damit das nicht allzu unkomfortabel gerät, benötigt man einen ausreichend großen Pufferspeicher optimal sind 100 Liter pro Kilowatt Heizleistung , der auch mehrere Stunden ohne Heizen überbrückt. Normalerweise wird ein Kessel ein- bis zweimal täglich befüllt. Auch hier eigentlich unverzichtbar: die Kombination mit einer Solaranlage.
Sehr viel bequemer, allerdings auch teurer ist eine Pellet-Zentralheizung. Im Betrieb ist sie mit Gas- oder Ölheizungen zu vergleichen: Wird Wärme benötigt, springt der Kessel an, in den Pellets aus einem Lagerraum oder -tank transportiert werden. Dieser ist im Idealfall so groß, dass der Tankwagen nur einmal im Jahr anrücken muss. Obwohl damit geworben wird, dass auch der Aschenbehälter nur einmal jährlich geleert werden muss: Realistischer ist es ihn alle ein bis zwei Monate zu leeren auf den Kompost.
Ökologisch und ökonomisch sinnvoll
Ob sich Heizen mit Holz rechnet, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Bei Einzelöfen ist es für viele Hausbesitzer ohnehin keine Frage des Geldes, sondern der Behaglichkeit. Nichts macht einen düsteren Wintertag gemütlicher als ein prasselndes Feuer. Anders bei Zentralheizungen: Rechnet man hoch, wie sich Investitions- und Betriebskosten im Verlauf von 15 Jahren summieren, dann ist die Scheitholz-Zentralheizung eine der billigsten Varianten, die Pelletheizung dagegen die teuerste. Dabei sind die wahrscheinlichen Preissteigerungen bei Öl und Gas in den kommenden Jahren noch nicht berücksichtigt. Insofern könnte es sein, dass dem Heizen mit Holz bald schon nicht nur in ökologischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht die Zukunft gehört.