Ein Balkon schafft Lebensqualität unter freiem Himmel
Der berühmteste seiner Art befindet sich in Verona und ist alljährlich Ziel von Hunderttausenden von Touristen. Was freilich die wenigsten wissen: Den legendären Balkon, über den William Shakespeare den verliebten Romeo zu seiner Angebeteten Julia schickte, hat es in Wirklichkeit nie gegeben. Diesen Umstand Heerscharen enttäuschter Touristen zu erklären, waren die Offiziellen von Verona leid: 1935 entschloss man sich, an Julias angeblichem Elternhaus einen Balkon anzubauen und diesen zum Schauplatz einer der berühmtesten Szenen der Weltliteratur zu erklären. Auch ohne Liebesschwüre trägt ein Balkon freilich zur Lebensqualität bei. Und was die Stadtväter von Verona können, das können viele Hausbesitzer auch: sich nachträglich einen Platz an der Sonne zulegen. Welche Möglichkeiten es für einen Balkonanbau gibt und worauf man achten sollte, hat die Bausparkasse Schwäbisch Hall aufgelistet.Größere Hersteller, aber auch kleinere örtliche Metallbauer, bieten häufig Systemlösungen an, bei denen vorgefertigte Elemente nach dem Baukastenprinzip zum Wunschbalkon zusammengestellt werden. Das spart Zeit und Geld und erlaubt aufgrund der Fülle der angebotenen Materialien durchaus individuelle Gestaltungen. Der Individualität könnten eher andere Grenzen setzen. Balkone sind nämlich genehmigungspflichtig, weshalb man sich beim Bauamt nach den örtlichen Vorschriften erkundigen sollte. Bei Eigentumswohnungen muss die Eigentümergemeinschaft den geplanten baulichen Veränderungen zustimmen.
Aluminium oder Stahlbeton
Grundsätzlich gibt es bei Anbaubalkonen zwei Varianten: Aluminium oder Stahlbeton. Welches Material, muss hinsichtlich des Bodens zuerst beantwortet werden. Bei der Aluminiumkonstruktion werden vier Profile zu einem Rahmen verbunden. Der weitere Aufbau besteht üblicherweise aus dem Bodenblech, mehreren Trägern, auf denen eine Trittschalldämmung aufliegt, und der abschließenden Trittfläche. Die Alternative ist eine Bodenplatte aus einem kompletten Stahlbeton-Fertigteil, wobei die Tiefe meist zwischen 1,50 m und 1,80 m, die Breite zwischen 3 m und 3,50 m liegt. Modelle aus Aluminium lassen größere Dimensionen zu und erlauben in der Regel Maße von bis zu 2,30 m (Tiefe) mal 4 m (Breite). Bei beiden Varianten sollte man auf eine integrierte Entwässerungsmöglichkeit achten und auch der Anschluss an die Regenfallrohre des Hauses darf natürlich nicht vergessen werden.
Damit der neue Balkon auch hält, steht er auf Stützen. Ob es deren zwei oder vier sind, hängt vor allem von der Art der Befestigung ab. Bei zwei Stützen wird die Hälfte der Last auf die beiden Pfeiler verteilt. Die andere Hälfte wird mithilfe von Wandankern, die per Kernbohrung tief in die Fassade eingelassen sind, vom Gebäude getragen. Diese Methode empfiehlt sich vor allem bei Nachrüstungen zuvor balkonfreier Gebäude. Soll dagegen ein alter Balkon abgetrennt und durch einen neuen ersetzt werden, raten Experten zur Vier-Stützen-Variante. Die Befestigung am Gebäude erfolgt hier durch einen so genannten Gleitwandanker, der auf der Fassade angebracht wird und verschiebbar ist. Das Schöne an beiden Möglichkeiten ist jeweils die einzeln einstellbare Höhenanpassung. Unebenheiten im Boden, zum Beispiel bei einer Toreinfahrt oder der Terrasse, werden durch die mit einem Gewinde versehenen Stützfüße recht einfach ausgeglichen.
Wenn Garagen oder Wege keinen Platz für Stützen lassen, bleiben noch Kragarmbalkone als Ausweg. Hier hängt die Konstruktion quasi an Randstützen, die direkt auf der Hauswand liegen und über zusätzliche Streben mit der Bodenplatte verbunden sind. Da das Gewicht völlig auf den Fassadenträgern ruht, ist der Anbau verhältnismäßig aufwendig, zudem können auf diese Weise auch nur Aluminiumbalkone nachgerüstet werden. Einfach ist dagegen bei Bedarf die weitere Nachrüstung. Viele Hersteller bieten Zubehör wie Dächer, Geländer oder sogar passende Balkonkästen an. Nur Aufstiegshilfen für Verliebte die gibts nicht.
Ein Balkon schafft zusätzliche "Wohnfläche" - und dank moderner Materialien und Fertigungsmethoden ist es relativ einfach, sich den Frischluftplatz auch nachträglich zu sichern. Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall AG / imago