Moderne Fliesen bieten viele Gestaltungsmöglichkeiten
Fliesen können vieles problemlos wegstecken: Rote-Bete-Saft oder Rotweinspritzer, überlaufendes Badewasser oder verschütteter Nagellack hinterlassen keine bleibenden Spuren. Auch Brandflecken oder Druckstellen sind auf dem farb- und lichtechten Belag nicht zu befürchten. Trotzdem sind nicht alle Fliesen gleichermaßen unempfindlich und demzufolge sind bestimmte Sorten auch nur für bestimmte Einsatzbereiche geeignet. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall stellt die Bandbreite moderner Fliesen von mediterranen Cotto-Böden über schimmernde Glasmosaike bis zu Feinsteinzeug in Natursteinoptik vor und gibt Tipps, welches Raumkleid für welche Gelegenheit die passende Ausstattung bietet.Gemeinsam ist allen Keramikplatten, dass sie aus Naturstoffen bestehen: Verschiedene Tonsorten werden mit Quarzsand und Feldspat gemischt. Je nach Materialzusammensetzung und -dichte, Brennzeit und -temperatur sowie der Beschaffenheit der Oberfläche (glasiert oder unglasiert) erhält man unterschiedliche Fliesenarten mit speziellen Eigenschaften (siehe auch Kasten Fliesensorten im Kurzporträt). So zeigt etwa die Höhe der Wasseraufnahme an, wie porös die Fliese ist. Davon hängen Frostbeständigkeit und Bruchsicherheit ab: Dichtere, länger gebrannte Platten sind frostsicherer und härter. Und auch die Widerstandsfähigkeit gegen Kratzer kann stark variieren und hängt nicht zuletzt davon ab, ob eine Fliese glasiert ist oder nicht.
Klassen für jeden Bedarf
Die Glasur wird entweder direkt mit der Tonplatte gebrannt oder separat in einem zweiten Durchgang (Doppelbrand). Der schützende Glasfilm kann einer Fliese Farbe, Dekor und Glanz verleihen, zudem macht er sie wasserundurchlässig und resistent gegen Chemikalien. Die Glasurhärte und -dichte bestimmt den Anwendungsbereich mit, der Härtegrad und die Abriebgruppe zeigen, wie widerstandsfähig eine Fliese ist. Die Klassen reichen dabei von 1 für die empfindlichsten bis 5 für die robustesten Oberflächen. Fliesen der Klasse 1 sollte man daher wenig belasten und eher barfuß betreten perfekt fürs Schlafzimmer oder für Wandbeläge. Etwas mehr beansprucht wird die Keramik im Bad oder an Küchenwänden: ein Fall für Klasse 2. Fliesen für den Wohnbereich, den Flur und den Küchenboden sollten der Klasse 3 angehören Sand, Steinchen oder anderer Schmutz können hier die Glasur strapazieren. Für noch stärker beanspruchte Flächen etwa in der Garage, am Eingang oder auf der Terrasse sollte man robustere Produkte der Klassen 4 oder 5 wählen.
Auf Terrassen ist hierzulande ein frostsicherer Belag erforderlich: Steinzeug- oder Feinsteinzeugfliesen vertragen auch Minusgrade. Im Bad ist besonders die Trittsicherheit wichtig. Denn während es für öffentliche Nassbereiche Vorschriften zur Rutschhemmung gibt, ist man im privaten Bad selbst dafür verantwortlich, wie glatt oder standsicher die Oberflächen sind. Besonders Ältere und Eltern mit Kindern sollten hier auf Nummer sicher gehen. Praktisch ist dafür ein Mosaik, da es wegen des hohen Fugenanteils einen guten Schutz vor dem Ausrutschen bietet.
Qualität und Ästhetik
Fliesen gibt es in drei Qualitätsstufen. Bei Modellen erster Wahl müssen alle Fliesen einer Lieferung Normbedingungen erfüllen: Sie müssen beispielsweise gleich groß sein, und die Glasur muss der Abriebgruppe der Fliese entsprechen und darf weder Risse noch Farbvariationen aufweisen. Die Qualität der billigeren niedrigeren Stufen, bei denen mehr Abweichungen möglich sind, fällt je nach Hersteller unterschiedlich aus. In Nebenräumen fallen Unregelmäßigkeiten oft weniger ins Auge und damit ins Gewicht hier lässt sich unter Umständen Geld sparen. Beim Einkauf ist außerdem zu beachten, dass manchmal Fliesen beim Verlegen zerschnitten werden, besonders bei diagonalen Mustern. Es empfiehlt sich deshalb, 10 bis 15 Prozent mehr mitzunehmen als für die errechnete Fläche nötig wäre. Die überschüssigen Exemplare dienen als Reserve für Reparaturen oder als Muster für Nachbestellungen.
Neben den praktischen Eigenschaften spielt natürlich die Optik eine große Rolle - und dem Geschmack sind kaum Grenzen gesetzt. Inzwischen gibt es Produkte, die Naturstein oder sogar Holz täuschend ähnlich sind. Mutigere greifen zum aktuellen Metallic- oder zum Retro-Look. Eines aber sollte man bei der ästhetischen Entscheidung bedenken: Bei richtiger Pflege regelmäßiges Kehren, Saugen oder feuchtes Wischen ist in der Regel völlig ausreichend sind viele Fliesen ausgesprochen langlebig. Daher sollte man Muster und Farben auswählen, die man auch nach Jahren noch gerne sieht.
Fliesensorten im Kurzporträt
Steingutfliesen werden bei Temperaturen zwischen 850 °C und 1.000 °C gebrannt. Sie haben eine vergleichsweise geringe Festigkeit, nehmen relativ viel Wasser auf und sind daher auch nicht frostsicher. Da nur glasiert erhältlich, sind sie dafür unempfindlich gegen Flecken und Kratzer. Steinzeugfliesen, die es sowohl glasiert als auch unglasiert gibt, bestehen aus einer feinkörnigen Masse, die unter hohem Druck gepresst und bei 1.200 °C gebrannt wird, was sie frostsicher, dichter und stabiler als Steingut macht. Noch kompakter sind Feinsteinzeugfliesen. Sie nehmen kaum noch Wasser auf und sind besonders rieb-, bruch- und frostfest. Ihre Oberfläche widersteht auch ohne Glasur problemlos Chemikalien und ist leicht zu reinigen. Die Fliesen sind glänzend oder matt erhältlich und können Naturstein sehr ähnlich sehen. Cotto- oder Terrakottafliesen werden nass geformt und gepresst und bei rund 900 °C gebrannt. Diese nicht frostsicheren Fliesen behalten eine poröse Oberfläche, die unglasiert und damit aufnahmefähig für Flüssigkeiten bleibt und regelmäßige Pflege braucht, um ihre Schönheit zu erhalten. Als Schutz wird eine Schicht Wachs oder Öl aufgetragen. Ein Sonderfall sind Mosaike, die aus weniger als 10 cm großen Teilen usammengesetzt werden und aus Keramik, Glas, Naturstein oder Metall bestehen können.
Natursteinfliesen aus Marmor ergeben eine besonders elegante Note - Keramikfliesen sind weitaus belastbarer und daher für Wohn- und Eingangsbereiche besser geeignet.
Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall AG