Bau-Boom in Shanghai
Seit Jahren verzeichnet die Volkswirtschaft Chinas ein kontinuierliches und kräftiges Wachstum. Neben den vier Freihandelszonen (Shenzen, Shantou, Xiamen, Zhuhai sowie die Insel Hainan) und den Ballungszentren an der Ostküste konnte vor allem die Metropole Shanghai von dem Boom profitieren. Getragen wird der Aufschwung nicht zuletzt von einer starken Baukonjunktur. Ohne die rasante Entwicklung voraussehen zu können, hatte Putzmeister bereits Ende der 70er Jahre erste Geschäftskontakte zu chinesischen Partnern geknüpft. Der nachstehende Beitrag gibt einen Eindruck von der boomenden Bauwirtschaft, von Betonpumpen mit rekordverdächtiger Förderleistung, von Preisrelationen, die an europäische Verhältnisse erinnern und auch von den Schattenseiten der wirtschaftlichen Entwicklung.Shanghai, Chinas größte Stadt, war nie reich an Kultur-Denkmälern. In jüngster Zeit zieht jedoch zunehmend Glanz ein und führende Architekten entwerfen die Zukunft der Stadt. Dabei sind Wolkenkratzer für Shanghai nichts Neues. Errichtet im Art-déco-Stil während der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, überragen seit Jahrzehnten bereits zahlreiche imposante Gebäude Shanghais altes Finanzviertel Puxi auf der rechten Seite des Huangpu-Flusses.
Über 20.000 Baustellen in der Stadt
Für die Regierenden in Beijing ist Shanghai inzwischen zum Aushängeschild ihrer Reformpolitik geworden. Beispielsweise wurde die größte Börse des Landes -von der Ausnahme Hongkong einmal abgesehen- hier eröffnet. Seit 1992 entstanden in Shanghai über 1.100 Hochhausbauten mit mehr als neun Stockwerken. In einem Tempo ohnegleichen entsteht diese Megastadt überall neu. Heute zählt die Metropole mehr als 20.000 Baustellen - 1,5 Millionen Arbeiter und Handwerker haben hier alle Hände voll zu tun.
Shanghais Kaufhaus- und Ladenflächen wachsen derzeit einhundert Mal schneller als noch vor zehn Jahren. Und nicht nur die junge Generation kleidet sich gern modisch. Grau und trüb waren in Shanghai die Fassaden noch Anfang der 90er Jahre. Heute funkelt, glitzert und leuchtet es überall. Shanghai by night fasziniert jeden Besucher.
Infrastruktur muß Schritt halten
Im Zentrum Shanghais leben bis zu 60.000 Menschen pro Quadratkilometer. Sie mit einer ausreichenden Infrastruktur zu versorgen, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen-Flügel. Aber es wird jeden Tag neu versucht. 7 Millionen Radfahrer sind pro Tag in der Stadt unterwegs, noch einmal so viele Menschen werden in Bussen, U-Bahnen und Zügen transportiert. Dazu fahren eine weitere Million Einwohner mit dem Auto in der Rush Hour gibt es in Shanghai kaum noch ein Durchkommen. Das U-Bahn-Netz der Stadt wird deshalb kontinuierlich ausgebaut. Zur Zeit sind zwei moderne Linien in Betrieb, bis 2020 sollen es insgesamt 13 werden...
17 Millionen Einwohner benötigen bezahlbaren Wohnraum
Im Vergleich zu den Preisen in der Hauptstadt Beijing sind die Mieten in Shanghai noch relativ günstig. Doch die Nachfrage wächst täglich. Ehrgeizige Siedlungsprojekte werden in Rekordzeit fertiggestellt. Die meisten Appartments sind zu mieten, andere werden als Eigentumswohnungen verkauft. Die aus dem Nichts gestampften Siedlungen benötigen jedoch auch eine Anbindung an Straßen, Kanalisation und Stromversorgung neue Kraftwerke müssen ans Netz . Die Dynamik, die von dieser Megacity ausgeht, ist atemberaubend.
Die chinesische Binnenkonjunktur gilt als stabil. Mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen ist China der größte Absatzmarkt der Welt. In zehn bis 15 Jahren werden wir in China eine konsumfreudige Mittelschicht haben mit eigenen Autos, Aktien und Häusern, sagt Fred Hu, Chefvolkswirt der US-amerikanischen Investment-Bank Goldman Sachs Hongkong. Hu ist als Berater der Bank of China auch an der Reform des chinesischen Wirtschaftssystem beteiligt.
Kräftige Baunachfrage hält Gesamtkonjunktur in Schwung
Gerade auf der starken Baukonjunktur ruhen die Hoffnungen der Konjunkturexperten. An der Ostküste werden Hochhäuser, Wohnblocks, Autobahnen und Fabriken aus dem Boden gestampft finanziert durch die Einlagen sparfreudiger Chinesen bei den staatlichen Banken.
Dass bei einem so gewaltigen Bauvolumen auch der Bedarf an Beton, Betonpumpen und Betonverteilermasten enorm ist, liegt auf der Hand. Aufgrund der Vielzahl an Baustellen in Shanghai
Ohne Betonpumpen und Verteilermaste wäre das rasante Wachstum der chinesischen Bauwirtschaft undenkbar.
-man spricht wie eingangs erwähnt von über 20.000- sind die Anfahrtswege für die Betonpumpen in der Regel nur kurz. Für europäische Verhältnisse sind jedoch die Pumpmengen beachtlich: Förderderleistungen von 1.000 m³ pro Tag, verteilt auf drei Baustellen, gelten als völlig unspektakulär. Nicht wegen der Entfernungen, wohl aber aufgrund des dichten und teilweise chaotischen Straßenverkehrs, rechnen Shanghais Pumpendienste mit etwa 40 Minuten Anfahrzeit vom Betonwerk am Standrand zur Baustelle in der City. Insgesamt beliefern etwa 120 Frischbetonwerke rund um Shanghai die Millionen-Metropole.
Über 200 Betonpumpen in Shanghai
In China werden etwa 70 % der Betonpumpen von Betonwerken betrieben, nur 30 % der Maschinen werden von reinen Pumpendiensten eingesetzt. Landesweit schätzen Insider die Betonpumpen- Population auf ca. 5.000 Stück, - bei etwa 80 % der Maschinen handelt es sich um Stationärpumpen. Allein im Großraum Shanghai arbeiten Tag und Nacht über 200 Betonpumpen.
Der neue M 36-Z zählt zu den Verkaufs-Rennern bei der PM-Tochtergesellschaft in Shanghai.
Bescheidener Komfort in der Fahrerkabine
In China werden Autobetonpumpen in aller Regel auf Chassis des japanischen Herstellers ISUZU aufgebaut. Aufgrund der hohen Auslastung -die Betonpumpen arbeiten Woche für Woche rund um die Uhr- sind die Maschinen in der Regel mit zwei oder drei Pumpenfahrern besetzt. Viel Zeit zur Fahrzeug-Pflege bleibt da nicht.... Das Führerhaus mit Klimaanlage und Schlafpritsche bietet einen bescheidenen Komfort, eine Kochstelle ist ebenfalls meistens mit an Bord. Mit einem monatlichem Einkommen von etwa 2.000 Yuan (ca. 240 ) zählen Chinas Betonpumpen-Maschinisten schon zur besser verdienenden Bevölkerungsgruppe. Zum Vergleich: Der Durchschnittsverdienst eines chinesischen Arbeiters liegt bei etwa 1.200 Yuan (ca. 144 ). Dieser Umrechnungen- liegt ein Kurs von 8,35 Yuan zu einem zugrunde.
Maschinist Huang Wei Ming hält seine Putzmeister vorbildlich in Schuss.
Maschinist Guo Xin Li mit seinem Kollegen.
Nur mit Wirtschaftswachstum lassen sich die Probleme lösen
China braucht nach Expertenschätzungen zwischen fünf und acht Prozent Wachstum pro Jahr, um seine vielfältigen sozialen und ökonomischen Probleme zu lösen, z.B. die Schaffung von genügend Arbeitsplätzen für die junge Generation. Denn pro Jahr suchen über 15 Millionen junger Menschen eine Stelle auf dem Arbeitsmarkt. Im Zuge des Beitritts zur Welthandelsorganisation werden rund 80 Millionen Chinesen durch die Privatisierung von Staatsbetriebe ihren Job verlieren. Gleichzeitig verlassen Millionen von Bauern die ländlichen Regionen, um als Wanderarbeiter in der reichen Küstenregion ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Arbeitslosenquote ist nach offiziellen Angaben. von drei Prozent im Jahre 1999 auf elf Prozent in 2001 geklettert.
Chinesischer Lieferschein.
Aber nicht nur das Bekämpfen der Arbeitslosigkeit stellt eine gewaltige Herausforderung dar, auch das Problem der Umweltbelastung hat sich in den letzten Jahren verschärft. Die erschreckende Luft- und Wasserverschmutzung kostet China -so chinesische Quellen- schon heute bis zu 14 % seines jährlichen Wirtschaftswachtums. Auch können die möglichen Engpässe bei zahlreichen Ressourcen (Energie, Wasser, Nahrungsmittel etc.) auf Grund des hohen Bevölkerungswachstums die wirtschaftliche Entwicklung des Landes spürbar bremsen.
Verschärfend hinzu kommt, dass ausgerechnet kurz vor dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) der Exportmotor zu stottern begonnen hat. Die geringeren Einnahmen beim Export haben jedoch unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaftsdynamik. Sowohl westliche Banken als auch staatliche chinesische Stellen haben ihre Prognosen in Hinblick auf das chinesische Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr daher drastisch nach unten korrigiert.
Putzmeister in China
Die chinesische PM-Tochtergesellschaft vertreibt ihre Produkte über ein relativ enges Händlernetz. Allein in Shanghai stehen fünf Verkaufs- und Servicestationen zur Verfügung. Die Vertretungen übernehmen auch die Einweisung der Maschinisten auf neue Betonpumpen und führen mit Unterstützung von Putzmeister Shanghai (PMS) regelmäßige Schulungen durch. Der starken Putzmeister-Präsenz vorausgegangen waren in den 80er Jahren mehrere Lizenz- und Kooperations-Verträge mit einheimischen Partnern, der Aufbau einer Händlerstruktur mit engagiertem Vertriebs- und Service-Personal sowie die Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft (1996).
Der Beton enthält in der Regel gebrochene Zuschläge.
Die Putzmeister Shanghai steuert heute praktisch den Vertrieb des kompletten PM-Produktprogramms in China, angefangen bei Verputzmaschinen, über Betonpumpen, Verteilermaste und Anlagen-Technik bis hin zum Teleskopförderer TELEBELT. In der Regel werden die Bauteile der Maschinen aus den deutschen PM-Werken angeliefert und vor Ort zum fertigen Produkt montiert. Die meisten Stahlbau-Komponenten stammen jedoch aus lokaler Fertigung.
Erreichte die chinesische PM-Tochtergesellschaft im Gründungsjahr 1996 mit 28 Mitarbeitern noch einen Umsatz von 18 Millionen Yuan (2,47 Mio ), so erwirtschafteten die 133 Firmenangehörigen der Putzmeister Machinery (Shanghai) Co. Ltd. -so die offizielle Bezeichnung- im Jahre 2001 bereits einen Umsatz von 174 Mio. Yuan (23,8 Mio. )
Kleine Frau schweißt großartig
Kennen Sie den Unterschied zwischen einer sehr guten und einer perfekten Schweißnaht? Wenn nicht dann sollten Sie sich einmal die Werkstück-Verbindungen ansehen, die von Frau Li Ya Xian gezogen werden. Denn beim Schweißen großer Stahlteile ist die zierliche Frau ganz in ihrem Element.
Zu ihrem heutigen Beruf kam sie eigentlich schon vor 16 Jahren, als ein Verwandter ihr das Schweißen in einem kleinen chinesischen Betrieb zeigte. Dort konnte sie erste praktische Erfahrungen sammeln. Seit Juli 1996 arbeitet Frau Li (39) als Schweißerin bei Putzmeister Shanghai. Damit zählt sie zu den Pionieren der chinesischen PM-Tochtergesellschaft. Von Beginn an hat ihr die Arbeit bei PMS gefallen, unter anderm wegen der hohen Qualitätsanforderung, aber auch aufgrund der Möglichkeit, sich ständig weiterbilden zu können. So kam sie beispielsweise 1999 für vier Wochen ins PM-Werk nach Althengstett, um die Schweisserprüfung nach europäischem Standard abzulegen. Im Werk Althengstett werden u.a. die Verteilermast-Unterbauten für Autobetonpumpen der PM-Gruppe hergestellt, in der Regel mit hoch modernen Schweißrobotern, an schlecht zugänglichen Stellen jedoch immer noch von geübter Hand.
Beim Schweißen macht Frau Li Ya Xian keiner etwas vor.
Schon die ersten Schweißproben von Frau Li zeigten, dass unsere chinesische Kollegin ein echter Profi war, erinnert sich Lutz Staiger, heute Werksleiter und Schweißfachingenieur im Werk Althengstett, und so haben wir sie auch gleich bei uns in die Fertigung eingespannt.
Auch Albrecht Reinstein, Sachverständiger und TÜV-Prüfer, war beeindruckt vom handwerklichen Geschick der Frau Li. Denn sie zeigte ihm und so manch anderem langjährigen Schweißer, dass in diesem Beruf, der heute noch zum Großteil von Männern ausgeübt wird, auch zierliche Frauen mit ruhiger Hand den Schweißbrenner führen können.
Heute arbeitet Li Ya Xian als Gruppenleiterin bei PMS. Auf die Frage, wie sie als Frau in der mehrheitlich von männlichen Kollegen geprägten Umgebung zurechtkommt, antwortet sie lächelnd: Ich glaube, ich mache die Arbeit so gut wie meine Männer. Und ich bin überzeugt, dass Frauen ihre Aufgaben besonders sorgfältig erledigen. Gerade bei anspruchsvollen Schweißarbeiten ist dies eine Vorbedingung für höchste Qualität.
Zur Maschinenpflege bleibt vielen chinesischen Pumpenfahrern kaum Zeit.
Nur in der Pause zwischen zwei Fahrmischern bleibt Zeit zum Abschmieren der Betonpumpe ...
Rauher Baustellen-Alltag für Betonpumpen
Am Beispiel von drei Baustellen aus dem Raum Shanghai möchten wir Ihnen einen Einblick geben vom rauhen Alltag mehrerer M-36-Autobetonpumpen und von ihren abgeklärten Maschinisten.
Vier Pumpenfahrerer bedienen diese Autobetonpumpe des Typs BSF 36.09 abwechselnd Tag und Nacht.
Baustelle im Hangpu-Bezirk (Shanghai-Zentrum) (zu Abb. 1140-2): Hier werden die Wand- und Deckenschalungen einer größereren Wohnanlage betoniert. Bei der Autobetonpumpe handelt es sich um eine BSF 36.09 aus dem Jahr 2001, die pro Halbjahr durchschnittlich 32.000 bis 40.000 m³ fördert. In der Regel ist die Betonpumpe mit 36-Meter-Mast (noch ein Rollfalter) rund um die Uhr im Einsatz und wird von vier Maschinisten abwechselnd bedient. Die Maschine verfügt nur über eine Kabel-Fernsteuerung (Kabellänge 40 m) und gehört zusammen mit sieben anderen Autobetonpumpen und mehreren Fahrmischern dem Betreiber eines Betonwerks.
Baustelle in Shanghais östlichem Stadtteil Pudong (zu Abb. 1140-1 und 1140-5): Diese BSF 36.09 hat innerhalb von nur sechs Monaten insgesamt 50.000 m³ Beton gepumpt.Gewechselt wurde nach dieser Förderleistung lediglich der Verschleißring, nicht die Brillenplatte. Ist schon die Pumpmenge beeindruckend, so liegt die Bestmarke dieses Arbeitstiers in Hinblick auf die Fördermenge bei 19.000 m³ in einem Monat! Damit hält sie und ihre Maschinisten unangefochten den Rekord bei ihrem Arbeitgeber, der SHANGHAI CONSTRUCTION MATERIAL COMPANY. Maschinist Huang Wei Ming, einer der Pumpenfahrer, hält seine Putzmeister sorgfältig in Schuss. Auch der After Sales & Parts Service von PMS untersucht die Maschine einmal pro Monat, um die Autobetonpumpe Tag und Nacht verfügbar zu halten. Die SHANGHAI CONSTRUCTION MATERIAL COMPANY unterhält allein eine Flotte von 30 Betonpumpen, die sich ständig im Einsatz befinden. Unser Foto zeigt die BSF 36.09 bei Betonierarbeiten an einem Fabrikgebäude in Pudong. Am Tage unseres Besuchs wurden 500 m³ eingebaut.
Diese Putzmeister BSF 36.09 hält mit einer Förderleistung von19.000 m³ im Monat einen inoffiziellen Pumprekord.
Baustelle an der Nangpu-Brücke (zu Abb. 1140-3 und 1140-4): Unsere Aufnahme zeigt eine Großbaustelle, auf der Appartment-Gebäude und ein Einkaufszentrum errichtet werden. Zwei Autobetonpumpen, davon eine BRF 32.09, pumpten an diesem Tag 900 m³ in die Deckenschalung. Die Maschinen gehören dem privaten Pumpendienst Hao Guan, dessen Baustellen im Umkreis von durchschnittlich nur 10 km um seinen Standort herum entfernt liegen. Bei den häufigen Nachteinsätzen hat sich übrigens ein Zusatzstrahler bestens bewährt, der den Trichterbereich ausleuchtet. Auch dieser M 32 ist ständig mit zwei Fahrern besetzt, die den Motor praktisch nie abstellen ein Auftrag nach dem andern muß eben erledigt werden. Pumpenfahrer Guo Xin Ai: Uns bleiben zum Reinigen der Maschine am Tage nur fünf Minuten Zeit ...
Eine Putzmeister BRF 32.09 im Großeinsatz: Mitunter wird Beton auch noch auf der Baustelle gemischt.