Neue Studie: 2010 kostet Solarstrom soviel wie Strom aus Braunkohle
-Solarkonzerne werden sinkende Kosten auch weiterhin nicht automatisch an
Kunden weitergeben
München/Aachen (iwr-pressedienst) - Solarstrom wird ab 2010 in Spanien
für 10 Cent, in Süddeutschland für 15 Cent und in Kalifornien für 11 Cent
pro Kilowattstunde (kWh) zu produzieren sein. Die Branchenführer werden
Solarstrom in Spanien sogar für 8 Cent/kWh herstellen können, was den
Stromgestehungskosten aus neuen Braunkohlekraftwerken entspricht. Dadurch
könnten sich schon bald sehr große Märkte für Solarenergie ergeben. Dies
sind die Ergebnisse einer internationalen Studie von PHOTON Consulting,
welche heute in München vorgestellt und deren Stichhaltigkeit von
Vorständen großer Solarunternehmen bestätigt wurde. Die Solarbranche wird
die sinkenden Kosten voraussichtlich allerdings auch weiterhin nicht
automatisch an ihre Kunden weitergeben. Solarkonzerne haben daher auch in
den nächsten Jahren sehr gute Möglichkeiten, ihren Gewinn zu maximieren.Im Jahr 2006 kostete die Produktion von Solarstrom aus einer üblichen
4-Kilowatt-Dachanlage in Süddeutschland 24 Cent/kWh, in Spanien 15 Cent
und in Kalifornien 18 Cent. Die Herstellungskosten einschließlich der
Installation der Anlage lagen bei 2.880 Euro je Kilowatt, bei besonders
effizienten Produzenten betrugen sie 2.400 Euro. Bis zum Jahr 2010 werden
sie auf 2.083 Euro fallen. Die Analysten der Studie The True Cost of
Solar Power sind dabei von Solarkonzernen ausgegangen, welche die
komplette Wertschöpfungskette in sich vereinen (Silizium-, Zell- und
Modulproduktion bis zum Betrieb des Solarkraftwerks in Eigenregie). Als
Beispiele für Konzerne, welche sich in diese Richtung entwickeln, nennt
die Studie 13 Unternehmen, darunter die amerikanische Sunpower Corp., die
deutsche Solarworld AG und die chinesische Suntech Power Co. Ltd.
Solarstrom stand bisher in dem Ruf, eine besonders teure Energiequelle
zu sein. Hierbei wurden allerdings nur die Preise der Anlagen und die im
Vergleich mit anderen erneuerbaren Energien sehr hohen Förderbeträge pro
Kilowatt installierter Leistung bzw. die Einspeisevergütungen betrachtet.
So beträgt der Einspeisetarif für Solarstrom z.B. im Jahr 2007 in
Deutschland für eine neue 4-KW-Dachanlage 49,21 Cent/kWh, Anlagen kosten
aktuell in Deutschland rund 4.600 Euro/kW. Für die Wettbewerbsfähigkeit
entscheidend sind allerdings nicht die Verkaufspreise der Anlagen oder die
Einspeisevergütung, sondern deren Kosten für Herstellung und Installation.
Sobald die Herstellungskosten für Solarstrom unter die von Kohlestrom
fallen, wird es für Stromproduzenten lukrativer, in die Produktion und den
Betrieb von Solaranlagen einzusteigen, statt z.B. neue Kohlekraftwerke zu
bauen. Bei Betrachtung allein der Kostenseite könnte Solarstrom bereits im
Jahr 2010 in 50 Prozent der OECD-Länder unter dem dortigen Strompreis
liegen und damit einen Markt von rund 1.500 Gigawatt erreichen.
Für Hauseigentümer, welche eine Solaranlage kaufen möchten, ergeben
sich durch Kostensenkungen in der Produktion aber nicht zwingend Vorteile.
Michael Rogol, Autor der Studie: Die Preise für Solarstrom haben sich im
Jahr 2004 von den Kosten abgekoppelt. Weil die Nachfrage weitaus größer
ist als das Angebot, werden Kostensenkungen nicht mehr automatisch an die
Kunden weitergegeben. Diese Situation dürfte noch mehrere Jahre so
bleiben. So hat eine Anfang 2007 durchgeführte Markterhebung der
Fachzeitschrift PHOTON ergeben, dass die Preise für Solarstromanlagen in
Deutschland heute so hoch sind wie im Jahr 2004. Sie seien zwar in den
letzen Monaten deutlich zurückgegangen, doch insgesamt betrachtet von 2004
bis 2007 nicht gesunken.
Im Jahr 2006 wurden gemäß einer Marktanalyse von PHOTON International
weltweit Solarzellen mit einer Leistung von 2.536 Megawatt (MW)
hergestellt. 36 Prozent davon stammten aus japanischer, 20 Prozent aus
deutscher und 15 Prozent aus chinesischer Produktion. Nach einer ersten
Erhebung wurden mit rund 1.150 MW knapp die Hälfte aller weltweit
hergestellten Solarstromanlagen auf deutschen Dächern und Freiflächen
installiert.
Für die Medien: Einen Hintergrundbericht zu der Studie finden Sie unter
www.photon.de/presse/mitteilungen.htm
München/Aachen, den 4. April 2007