Rekonstruktion eines denkmalgeschütztes Hauses
in die Jahre gekommen
Das Fachwerkhaus am Hopfenmarkt 14 in Aschersleben wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet und hatte eine wechselvolle Geschichte hinter sich: zunächst als Schenke, dann als Wohn- und Gewerbehaus. Vom Abrissbagger verschont, entschloss sich die Stadt Aschersleben vor einigen Jahren zu dessen Sanierung. Aus bauphysika-lischen und wärmeschutztechnischen Gründen empfahlen die Architekten, eine vertikale Liafix-Schüttung zu verwenden: Liafix besteht aus Liapor-Perlen und Zement- bzw. Kalziumsulfatcompound als Bindemittel.Aschersleben ist die älteste Stadt Sachsen-Anhalts und hat seit ihrem Bestehen zahlreiche Brände, Hochwasser und sogar Erdbeben überstanden. Die Bombardierungen am Ende des Zweiten Weltkrieges jedoch zerstörten einen Großteil der Gebäude der Stadt und ihre gewachsene Struktur. Angesichts der Trümmerlandschaft stand in Aschersleben, wie überall in Deutschland, ein schneller und umfassender Neubeginn im Vordergrund. Die eigene Geschichte und ihre gebauten Zeugnisse waren, weil im Nationalsozialismus endend, zur Identifikation untauglich geworden und fanden keine Fürsprecher. Für den Erhalt und die Pflege wertvoller Altbausubstanz hatten die Verantwortlichen in Stadt und Land in der Regel weder Geld noch Interesse übrig. So fielen auch Gebäude, die den Bombenhagel unbeschadet überstanden hatten, nach und nach dem Wiederaufbau zum Opfer. Zum Glück blieben die Abrissbagger mit der Wende 1989 vor dem Fachwerkhaus am Hopfenmarkt stehen. Es war jedoch nur mehr eine Ruine, als sich die Stadt Aschersleben vor einigen Jahren zur Sanierung entschloss. Sie erwarb das Gebäude, das als städtebauliche Dominante des einzigen komplett erhaltenen Altstadt-Ensembles eine wichtige Funktion erfüllt.
Desolater Zustand
Kurz nach Beginn der Baumaßnahmen zeigte sich das wahre Ausmaß der Schäden: Der Zustand war derart desolat, dass vom ursprünglichen Bestand nur der Gewölbekeller und ein Teil der Bruchsteinaußenwand gerettet werden konnten. Das mit der Rohbauplanung und Bauleitung beauftragte Architekturbüro Sperling empfahl die Rekonstruktion des Fachwerkbaus. So wurde die gesamte Holzkonstruktion abgetragen und originalgetreu nachgebaut. Das Holztragwerk erhielt eine Ausfachung, auf die außen ein Leichtputz aufgebracht wurde. Innen wurde die Fachwerkwand mit einer Lage diffusionsoffener Bitumenpappe überspannt, die die Konstruktion vollständig abdeckt. Darauf folgte eine Vorsatzschale aus HWL-Platten mit einer Unterkonstruktion aus Leichtmetallständern, die gleichzeitig als Schalung für die Ausgleichsschüttung fungiert.
Nachdem der Rohbau erstellt war, veräußerte die Stadt Aschersleben das Gebäude an die "Ascherslebener Gebäude- u. Wohnungsgesellschaft mbH". Die technische Abteilung der stadteigenen Firma, die Wohnungen und Häuser saniert, verwaltet und vermietet, übernahm die weitere Planung und Koordination der Ausbauarbeiten. Die Empfehlung der Architekten, zur Wärmedämmung aus bauphysikalischen und wärmeschutztechnischen Gründen eine Schüttung mit Liafix zu verwenden, wurde aufgegriffen, denn die hohe Wärmedämm- und Speicherfähigkeit sowie die schalldämmenden Eigenschaften überzeugten die Verantwortlichen.
Liafix: saubere und problemlose Verarbeitung
Die Liafix-Schüttung besteht aus den Komponenten Liapor-Perlen und Zement- bzw. Kalziumsulfatcompound als Bindemittel. Die rein mineralische und ökologische Zusammensetzung zeichnet sich außerdem durch ihre Diffusionsfähigkeit und ihr geringes Gewicht aus. Liafix füllt aufgrund seiner Konsistenz zuverlässig und fugenlos sämtliche Hohlräume aus. In diesem Fall wurden zuvor zwischen Tragwerk und Ständerwänden Heizungsrohre und Elektrokabel verlegt, die anschließend durch die Liafix-Schüttung eingebunden und fixiert wurden. Begeistert von der sauberen und problemlosen Verarbeitung zeigte sich nicht nur die Projektleitung, sondern auch die verarbeitende Firma Kösto-Estriche. Die Anlieferung erfolgte durch die Fa. Blank-Siloestrich in einem Zwei-Kammer-Silo, um das korrekte Mischungsverhältnis von Liapor und Bindemittel zu garantieren. Das Anmischen und Fördern des gebrauchsfertigen Materials übernahm eine Estrichpumpe mit automatischer Dosierungssteuerung. Zusätzlich baute die Firma Kösto für dieses Projekt ein spezielles Ausflussrohr, das ein noch genaueres Verfüllen der Vorsatzschalung ermöglichte. Die Verfüllung selber erfolgte in Etappen: Die HWL-Platten wurden streifenweise angebracht und aufgefüllt. Da die Liafix-Mischung wenig Wasser benötigt, nur eben so viel, dass der Zement reagiert, entsteht an den Wänden und im Rohbau selber wenig Feuchtigkeit. Seine Endfestigkeit erhält Liafix nach 28 Tagen, jedoch waren schon nach zwei Wochen die Flächen soweit getrocknet, dass innen der Kalkputz aufgebracht werden konnte. Dieses rein mineralische System eignet sich ganz besonders auch für die Altbausanierung. Seine Diffusionsoffenheit, aber auch die Möglichkeit, durch fluchtgerechtes Ausrichten der Vorsatzschalung die Wände alter Gebäude zu begradigen, prädestiniert diese Art des Wandaufbaus für Sanierungsprojekte aller Art.
Nach insgesamt dreieinhalb Monaten Bauzeit konnten noch vor Ostern die ersten zwei von insgesamt drei Mietparteien in das Fachwerkhaus am Hopfenmarkt einziehen und in den Genuss von Altbauatmosphäre gepaart mit den praktischen Vorzügen eines solide gebauten Neubaus kommen.
Abbildungen
Bild 1
Das Fachwerkhaus am Hopfenmarkt 14 in Aschersleben wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet und musste wegen des desolaten Zustandes nahezu komplett rekonstruiert werden.
Foto: Liapor
Bild 2
Aus bauphysikalischen und wärmeschutztechnischen Gründen empfahlen die Architekten, den Raum zwischen Tragwerk und Ständerwänden mit Liafix zu verfüllen.
Foto: Liapor