Liapor-Leichtbeton im neuen Unilever-Bürogebäude, Rotterdam
Bürokomplex in Schwindel erregender Höhe
Vorwiegend aus Stahl und Glas entsteht in Rotterdam das neue Bürogebäude von Unilever Bestfood Niederlande "de Brug". Wie eine Brücke überspannt der Bau ein historisches Fabrikgebäude und ragt teilweise auf das Wasser der Maas hinaus. Das Utrechter Architekturbüro JHK Architecten gewann mit seinem kühnen wie spektakulären Entwurf den von Unilever ausgeschriebenen Wettbewerb. Für die Deckenplatten des modernen, fast futuristisch anmutenden Gebäudes kam pumpbarer Liapor-Leichtbeton zum Einsatz.Bisher verteilten sich die Mitarbeiter von Unilever Bestfood, der Nahrungsmittelabteilung des Konzerns, auf acht Gebäude in ganz Rotterdam. Um die gesamte Belegschaft unter einem Dach zu vereinen, fasste Unilever den Plan für ein neues Hauptbüro. Ursprünglich sollte ein Bürokomplex auf dem freien Platz hinter der bestehenden Unilever-Fabrik "Blue Band" errichtet werden, die "de Brug" nun überspannt. Um diesen wertvollen Baugrund für dringend benötigten Wohnungsbau nutzbar zu machen, hatten die Architekten von JHK die Idee, das neue Bürogebäude über die 112 Jahre alte Fabrik zu bauen. "Wir wollten das neue Gebäude betonen. Auch deswegen haben wir es über der alten Fabrik positioniert", erläutert Architekt Chris de Jonge von JHK das architektonische Konzept. Der neue Bau erstreckt sich etwas diagonal zu dem alten Fabrikgebäude, um die Wirkung der historischen Fassade nicht zu beeinträchtigen. Die Produktion in der Fabrik sollte während der Bauphase nicht gestört werden. Daher wurde die gesamte Stahlträgerkonstruktion des Gebäudes neben dem eigentlichen Standort vorgefertigt und anschließend im September 2003 mit hydraulischen Hubmaschinen, Gleitschiene und Kränen über das Fabrikgebäude transportiert. 2.400 Tonnen mussten auf diese Weise über 200 Meter Entfernung befördert und 25 Meter in die Höhe gehoben werden.
Der Entwurf des niederländischen Architekturbüros JHK besticht zum einen durch seine Originalität und Kühnheit, zum anderen aber auch durch seine Klarheit und Transparenz. Die durchsichtige Stahl-Glas-Konstruktion des viergeschossigen Bürokomplexes scheint geradezu über dem alten Fabrikgebäude zu schweben. Ein schlichter Quader aus Stahl und Glas ruht auf zwei V-förmigen Stahlpfeilern von 1,20 m Durchmesser. In der Mitte wird der Komplex zudem von einem stählernen Hohlpfeiler gestützt, der Aufzügen und Treppenhäusern Platz bietet. Von außen zu erkennen sind die vier Geschossdecken und das symmetrische Stahlträgersystem der Fassade. Vertikal- und Diagonalstreben laufen zu mehreren Dreiecken zusammen. Anfang nächsten Jahres sollen auf den 15.000 Quadratmetern Bürofläche die rund 700 Unilever-Bestfood-Mitarbeiter ihrer Arbeit nachgehen. Nicht nur der Ausblick über die Kais, insbesondere die eindrucksvolle Architektur, machen den neuen Arbeitsplatz einzigartig. Die Böden der vier Geschosse wurden erst nach dem Transport des Quaders an seinen endgültigen Standort eingezogen. Sie bestehen aus kalt gewalzten Stahlbodenplatten, die von Deckenträgern gestützt werden. Darüber wurden Stahlbaumatten ausgebreitet und anschließend eine flache Leichtbetonschicht gegossen.
Leichtigkeit ist Trumpf
Beim Bodensystem von "de Brug" war es wichtig, eine besonders leichte Konstruktion zu finden, um das Gesamtgewicht des Gebäudes auf den Stahlträgern möglichst gering zu halten. Daher entschieden sich die JHK-Architekten bei den Bodenplatten für pumpbaren Liapor-Leichbeton F 6,5 2/10 der Festigkeitsklasse LB 25. Die extrem leichten, druckfesten und formstabilen Liapor-Blähtonkugeln dienen im Beton als Leichtzuschlag. Für die Kugeln wird gemahlener und vorgranulierter Rohton im Drehrohrofen gebrannt. Bei 1.200 °C verbrennen die organischen Stoffe, die Kugeln blähen sich auf. Durch den Liapor-Zuschlag verfügt der verwendete Leichtbeton über eine Trockenrohdichte von 1.900 kg/m3. Damit ist er um vieles leichter als herkömmlicher Beton. Die Matrix selbstverdichtender Normalbetone bleibt beim Pumpen sehr stabil, die Komponenten entmischen sich nicht. Beim Pumpen von Leichtbeton bestanden hingegen einige Probleme. Beispielsweise konnte sich durch den unterschiedlichen Druck am Anfang und Ende der Pumpenleitung der Baustoff entmischen. Eine Weiterverarbeitung war dann nicht mehr möglich. Auch kam es vor, dass Wasser aus dem Mörtel in die Poren des Blähtongranulats gepresst und dieser dadurch zum Pumpen zu fest wurde. Liapor löste diese Probleme in den letzten Jahren. Die neuen Liapor-Leichtbetone sind problemlos zu pumpen. Die breitere Sieblinie der Körnungen, eine Reihe von Zusatzstoffen und Fließmittel garantieren die Beständigkeit der Betonmasse beim Pumpen. Im Falle des Baus von "de Brug" musste für den Pumpvorgang jedoch eine spezielle technische Lösung gefunden werden. Um genügend Druck zum Pumpen der Betonmasse aufzubauen, war es notwendig, die Höhe bis zu den Bodenplatten zu überwinden. Hierzu wurden die Pumpwagen auf Zwischenstationen gefahren sowie eine Zwischenpumpe installiert. Maximal 45 Meter in die Höhe und 140 Meter in der Horizontalen transportierte die Pumpe den Baustoff. Insgesamt kamen für die vier Etagenböden 3.000 m3 Liapor-Leichtbeton zum Einsatz. Betonlieferant war die Firma MEBIN, eine Tochter von HeidelbergCement, die ebenso die Verarbeitung mittels Pumpen übernahm.
Die Baumaterialien Leichtbeton, Stahl und Glas verbinden sich bei der filigran und leicht wirkenden Architektur von "de Brug" zu einer imponierenden Einheit.
Abbildungen
Bild 1
Der Entwurf des niederländischen Architekturbüros JHK besticht durch Originalität, Kühnheit, Klarheit und Transparenz. Die durchsichtige Stahl-Glas-Konstruktion von "de Brug" scheint über dem alten Fabrikgebäude zu schweben.
Foto: Liapor
Bild 2
Die problemlos zu pumpenden Liapor-Leichtbetone konnten 45 Meter hoch sowie 140 Meter horizontal transportiert werden.
Foto: Liapor
Bild 3
Um die Stahlträger möglichst gering zu belasten, kamen 3.000 m3 Liapor-Leichbeton F 6,5 2/10 der Festigkeitsklasse LB 25 zum Einsatz.
Foto: Liapor