Straßenbahn fährt auf Leichtbeton-Unterbau
Berlin wächst immer mehr zusammen und auch das Straßenbahnnetz verbindet die ehemals getrennten Stadteile mittlerweile nahezu flächendeckend. Gegenwärtig wird entlang der Bernauer Straße die Linie 20 ausgebaut. Die Straßenbahntrasse kreuzt unter anderem unterirdisch verlaufende S-Bahn-Tunnel, deren statische Belastbarkeit nur schwer einzuschätzen war. Deshalb wurde an diesen Stellen das Erdreich ausgetauscht und der Höhenausgleich mit Liapor-Leichtbeton bewerkstelligt.Entlang den Häusern an der Südseite der Bernauer Straße verlief seit August 1961 die Berliner Mauer direkt durch die Bezirke Wedding und Mitte. Die Straße wurde zur Schicksalsmeile für zahlreiche Flüchtende: Fotos von Menschen, die sich aus Fenstern abseilten oder das Bild vom Sprung des Volkspolizisten über den Stacheldraht gingen um die Welt. Seit 1989 steht die Mauer nicht mehr. Trotzdem gibt es auch im Straßenbahnnetz immer noch Lücken zwischen Ost und West so eben entlang der historischen Bernauer Straße. Hier baut die Stadt an der Verlängerung der Straßenbahnlinie 20 in den ehemaligen Westteil Berlins. Nach dem Ausbau verbindet die Linie 20 die Eberswalder Straße mit der S-Bahnstation Nordbahnhof und bedient dabei auch die Haltestelle Mauergedenkstätte. Ziel ist es, einerseits die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten und andererseits wichtige Verkehrsknotenpunkte zwischen Straßenbahn und dem innerstädtischen Schnellbahnnetz zu schaffen. Außerdem soll eine Erweiterung in Richtung Lehrter Bahnhof, dem künftigen Berliner Hauptbahnhof, entstehen.
Leichtbeton zum Höhenausgleich
Den Ausbau der Straßenbahntrasse entlang der Bernauer Straße realisiert die STRABAG als Generalunternehmer für Bauausführung und Bauleitung. Zum Projekt gehört der wichtige Kreuzungspunkt Bernauer Straße und Gartenstraße nahe der S-Bahnhaltestelle Nordbahnhof. An dieser Stelle verlaufen die S-Bahntunnel unterirdisch, die zum Teil gemauert, zum Teil in Ortbeton ausgeführt sind. Schwer abzuschätzen war, in welchem Maße der oberirdisch verlaufende Straßenbahnverkehr von der Statik der Tunnel aufgenommen werden kann. Deshalb entschied sich die Senatsverwaltung für Städtebau Berlin, den Boden austauschen zu lassen, um die Tunnelröhren so gut wie möglich zu entlasten. An der Kreuzung von S-Bahntunnel und Straßenbahnlinie kam Liapor-Leichtbeton als Höhenausgleich zum Einsatz. Rund 800 m3 Liapor-Leichtbeton der Klasse LC 8/9 mit einer Rohdichte von 1,0 kg/dm3 verarbeitete die STRABAG hier zwischen April und Juni 2005. In mehreren Betonierabschnitten wurden Mengen zwischen 80 und 100 m3 aufgebracht. Der verwendete Liapor-Leichtbeton erweist sich durch sein geringes Gewicht bei einer Druckfestigkeit von 12 N/mm2 als idealer Baustoff für den Höhenausgleich. Er setzt sich neben Zement und Wasser aus Liapor-Blähton und Zusatzstoffen wie Luftporenbilder und Verflüssiger zusammen. Als Leichtzuschlag enthält die Rezeptur Blähton Liapor 3 mit einer Korngröße von vier bis acht Millimetern.
Ideale Eigenschaften
Den Leichtbeton produzierte und verarbeitete der Mörteldienst GmbH & Co. KG Berlin-Brandenburg (MDB), ein Unternehmen von HeidelbergBeton. Die Rezeptur des Baustoffs entwickelte das Baustofflabor Betotech Berlin-Brandenburg, das ebenfalls zur Unternehmensgruppe HeidelbergBeton gehört und auch die Eignungsprüfung durchführte. Das Labor testete unter anderem die Nassmörteleigenschaften, um Sedimentationen vorzubeugen. Außerdem wurde die Leichtbetonproduktion streng überwacht, um neben der Druckfestigkeit auch die benötigte Rohdichte von unter 1,0 kg/dm3 einzuhalten. Auf der Baustelle fließt der Leichtbeton allein mittels Schwerkraft in die Schalungen. Anschließend verdichteten Innenrüttler den Baustoff. So sorgt Liapor-Leichtbeton für einen tragfähigen und dabei leichten Untergrund, auf dem im Mai 2006 die S-Bahn-Linie 20 ihren Betrieb aufnimmt.
Abbildung
Bild 1
Rund 800 m3 Liapor-Leichtbeton der Klasse LC 8/9 mit einer Rohdichte von 1,0 kg/dm3 dienen als Höhenausgleich an der Bernauer Straße, dort wo sich S-Bahntunnel und Straßenbahnlinie kreuzen.
Foto: Liapor
Bild 2
Für den Liapor-Leichtbeton sprach sein geringes Gewicht bei einer Druckfestigkeit von 12 N/mm2.
Foto: Liapor