Ergomechanics - neuester Stand

Ergomechanics - neuester Stand

Am 29. September 2005 werden sich auf einem Kongress in Amberg führende Wissenschaftler mit aktuellen Tendenzen auf dem Gebiet der Wirbelsäulenforschung befassen

Rückenschmerz hat in den westlichen Ländern epidemieartige Ausmaße erreicht, Tendenz weiter steigend. Das belegen Statistiken, Umfragen und Kostenuntersuchungen. Noch lange nicht vollständig geklärt sind allerdings die Ursachen dieser Volkskrankheit. Immer noch wird hauptsächlich an Symptomen kuriert, die Frage nach der richtigen Prophylaxe vor allem am Arbeitsplatz kommt meistens zu kurz. Zur Vorbeugung könnten aber vor allem neue Ergebnisse der Wirbelsäulen-forschung entscheidend beitragen. Auf einem Kongress werden diese Ergebnisse im September von führenden Wissenschaftlern aus erster Hand präsentiert. Neue Erkenntnisse als Grundlage für die Praxis Aufgrund der außergewöhnlich positiven Resonanz auf den ersten internationalen Fachkongress "ergomechanics" im Jahr 2001 wird es in diesem Jahr in Amberg einen Folgekongress rund um das Thema "Der Mensch als sitzendes Wesen" geben. Schwerpunkte dieser zweiten Veranstaltung werden die Beanspruchung und die Degenerationsprozesse der Bandscheibe sowie die entsprechenden muskulären Prozesse sein. Dabei geht es konkret um den Einfluss der Sitzposition auf die Rückenmuskulatur und die Auswirkung von Ganzkörperschwingungen auf den Menschen. Die Tagung wird zeigen, dass Sitzkomfort weder Luxus noch Zufallsprodukt ist, sondern durch Einbeziehung von Endnutzern gezielt gesteuert werden kann. Betriebsärzte, Ergonomen, Ergotherapeuten und die Fachverantwortlichen aus der Pkw- und Nutzfahrzeug-Industrie sollten sich die Möglichkeit nicht entgehen lassen, von weltweit anerkannten Wissenschaftlern auf den neuesten Stand gebracht zu werden.

Der Kongress wird von der GRAMMER AG und der Sato Office GmbH, den beiden führenden Unternehmen in Sachen Sitzergonomie, gesponsert. GRAMMER führt seit vielen Jahren einen intensiven Dialog mit Medizin und Wissenschaft auf dem Gebiet der Wirbelsäulenforschung. Die aktuellsten Erkenntnisse werden in die Neuentwicklung aller GRAMMER-Produkte integriert. Der zweite Kongress setzt deshalb erneut auf den interdisziplinären, grenzübergreifenden Dialog zwischen Ergomechanik, Biomechanik und anderen Wissenschaften, die sich dem Thema Wirbelsäule aus ihrer jeweiligen Perspektive nähern.

Die hochkarätig besetzte Tagung findet am 29. September 2005 im Amberger Congress Centrum (ACC) statt. Am Vortag werden die Teilnehmer der Tagung in der Amberger Konzernzentrale der GRAMMER AG mit einem unterhaltsamen Abend begrüßt.

Zehn Referenten - zehn unterschiedliche Perspektiven Der prominenteste Referent eröffnet den Kongress: Professor Alf Nachemson wird unter der provokanten Frage "Rückenschmerzen - ein überschätztes Problem?" den Umgang von Ärzten und Politikern mit diesem Massenphänomen analysieren und die Unterschiede der Vorgehensweise in verschiedenen Ländern untersuchen. Im zweiten Beitrag stellt der Münchner Pathologe Andreas Nerlich die Frage, ob die Bandscheibendegeneration eine normale Alterserscheinung oder eine krankhafte Veränderung ist. Der englische Ergonom und Biomechaniker Malcolm Pope wird zum Abschluss des ersten Teils neue Möglichkeiten vorstellen, mit einem vertikalen Kernspintomographen die Belastung und Ernährung der Wirbelsäule zu erforschen.

Um die beste Sitzposition für Bandscheibe bzw. Rückenmuskulatur geht es in den Beiträgen der beiden britischen Wissenschaftler Michael Adams (Physiker und Biomechaniker) und Patricia Dolan (Biologin und Muskelphysiologin). Der österreichische Experimentalphysiker und Biomechaniker Christian Haid widmet sich danach der Frage, welche Wirbelsäulenkrümmungen in unterschiedlichen Positionen tatsächlich erreicht werden.

Den abschließenden Teil leitet die schwedische Physiologin Marianne Magnusson ein. Sie widmet sich den Auswirkungen von Vibrationen beim Sitzen auf die Wirbelsäulenstrukturen. Der Niederländer Peter Vink wird darlegen, warum die Einbindung der Endnutzer bei der Festlegung des Sitzkomforts am Arbeitsplatz zwingend notwendig ist. Um die krankmachende Rolle sitzender Tätigkeiten speziell für Frauen geht es dem österreichischen Orthopäden Hans Tilscher, bevor die Ulmer Biologin Cornelia Neidlinger-Wilke erste Ergebnisse des europäischen Forschungs-projektes EURODISC zum Thema Bandscheibendegeneration vorlegen wird.

"Spannung" bis zum Schluss Die abschließende Podiumsdiskussion verspricht spannend und unterhaltsam zu werden. Schließlich werden sich auf dem Podium u.a. Professor Nachemson und der Ulmer Biomechaniker Hans-Joachim Wilke, gleichzeitig wissenschaftlicher Leiter des Kongresses, gegenüber sitzen. Alf Nachemson hat die "Rückenschule" in den sechziger und siebziger Jahren durch seine Bandscheibendruckmessungen maßgeblich geprägt. Eine Interpretation der Messergebnisse lief darauf hinaus, dass Sitzen schädlicher als Stehen sei. Der deutsche Wissenschaftler Wilke wiederholte diese Messungen vor einigen Jahren und kam zu der Erkenntnis, dass der Bandscheibendruck im Sitzen nicht zwangs-läufig höher ist als im Stehen, sondern ganz im Gegenteil in einer lässigen Sitzposition sogar deutlich reduziert werden kann. Ein Teil des "Rückenschulprogramms" sollte nach Ansicht von Professor Wilke deshalb überdacht werden.


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