Clever Heizen spart viel Geld
Derzeit sind häufiger Zeitungsberichte zu lesen, die Hoffnungen auf deutlich günstigere Heizkostenabrechnungen wegen des milden Winters machen. Doch die Vorfreude ist verfrüht: In den aktuellen Abrechnungen, die derzeit bei den Verbrauchern eintrudeln, schlägt der Vorjahreswinter 2005/2006 mit seiner langen Frostperiode bis in den April noch zu Buche. Außerdem waren die Preise für Öl und Gas im Vergleich zu 2005 kräftig um rund 30 Prozent gestiegen. Also stehen vielen Mietern und Eigentümern Nachzahlungen bevor. Vom milden Winter 2006/2007 profitieren wir leider erst bei den Heizkostenabrechnungen 2008.Richtig Heizen und Lüften lohnt sich: Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der im Haushalt verbrauchten Energie fließen nach Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) in die Heizung. Wird die Raumtemperatur nur um ein Grad Celsius abgesenkt, verringern sich die Heizkosten schon um sechs Prozent. Zu hohe Temperaturen gelten außerdem als ungesund und erhöhen die Gefahr von Erkältungen.
Für Wohn- und Arbeitsräume empfehlen die Umweltexperten eine Temperatur von 20 Grad Celsius, in der Küche sind 18 Grad ausreichend. Das Schlafzimmer sollte bis auf 17 Grad erwärmt werden, die separate Toilette auf 16 Grad. Grundsätzlich gilt:Der Vermieter muss gewährleisten, dass die Räume der Wohnung auf eine bestimmte Mindesttemperatur beheizt werden können, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident und Sprecher des Bundesverbandes IVD, mit 6.000 Mitgliedsunternehmen der stärkste Unternehmensverband der Immobilienwirtschaft. Meist sind im Mietvertrag 20 bis 22 Grad für Wohnräume und 23 Grad für das Bad festgehalten. Diese Werte werden auch von den meisten Gerichten als Richtwert betrachtet.
Nachts ist es sinnvoll, die Temperatur generell abzusenken. Natürlich sollte das Klima noch angenehm sein: Der Vermieter sollte die Heizung nicht völlig ausschalten, auf 17 bis 18 Grad hat der Mieter auch nachts einen Anspruch, sagt der Rechtsanwalt und Immobilienexperte Ulrich Joerss von der Kanzlei JOERSS-Rechtsanwälte in Berlin. Geschlossene Jalousien, Rollläden und Fensterläden sowie zugezogene Vorhänge reduzieren den Verbrauch der Heizenergie zusätzlich. Allerdings sollten Gardinen und Vorhänge nicht die Thermostatventile verdecken, weil diese dann nicht mehr richtig funktionieren.
Wer lange nicht zu Hause ist, stellt die Heizung am besten auf die Frostschutzposition des Thermostatsventils ein, damit die Wohnung nicht zu sehr auskühlt. Die kältere Luft könnte sonst weniger Feuchtigkeit aufnehmen, und die Wahrscheinlichkeit stiege, dass sich Schimmelpilze bildeten.
Keine gekippten Fenster besser mehrmals täglich lüften
Durch richtiges Lüften lassen sich die Heizkosten noch zusätzlich senken und die Wohnatmosphäre verbessert sich. Bei dauernd gekippten Fenstern entweicht die warme Heizungsluft direkt ins Freie, darüber hinaus kühlen die Wände stark aus. Besser ist es, die Fenster mehrmals am Tag für fünf bis zehn Minuten weit zu öffnen und für Durchzug zu sorgen bei abgedrehter Heizung.
Aus falsch verstandener Sparsamkeit lüften Mieter oft zu selten. Dabei kostet das Stoßlüften nur wenig Heizenergie, denn die Wohnung kühlt in der Zeit nicht aus, und die frische Luft lässt sich sogar leichter erwärmen als abgestandene, sagt Schick. Die Räume mehrmals am Tag gründlich zu lüften, ist auch wichtig, um das Entstehen von Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden: Feuchte Innenluft wird gegen trockene Außenluft getauscht. Lüftet der Mieter zu wenig und bildet sich dadurch Schimmel, darf er die Miete nicht wegen des Schimmels kürzen und muss eventuell sogar für die Schimmelbeseitigung zahlen, erläutert Schick.
Weitere Heizkosten können Mieter und Selbstnutzer von Eigentumswohnungen sparen, wenn sie mit geringem Aufwand Nischen isolieren und undichte Fugen und Schlitze schließen und damit das ungewollte Dauerlüften beenden. In den Nischen der Heizkörper sind nach Erkenntnissen des UBA die Hauswände oft besonders dünn. Häufig ist aber der Abstand zwischen dem Heizkörper und der Wand zu gering für eine nachträgliche Dämmung. In diesen Fällen leistet eine dünne Dämmfolie gute Dienste, die auf der Heizkörperseite mit Aluminium beschichtet ist.
Starke Ersparnis durch bessere Wärmedämmung
Noch mehr Heizenergie kann eine verbesserte Wärmedämmung einsparen. So hat die DEKRA Real Estate Expertise GmbH aus zehn Jahren Begutachtung von Immobilien die Erkenntnis gewonnen, dass sich mit entsprechenden Sanierungen von Wohnhäusern der Energieverbrauch der deutschen Haushalte um bis zu 20 Prozent verringern lässt, so Dr. Bernd Steisslinger, Geschäftsführer der DEKRA Immobiliensparte. Die Investitionen in energieeffiziente Umbauten wie etwa der Fassade, des Dachs und des Einbaus neuer Fenster würden sich schon nach vier Jahren amortisieren. Auch der Umwelt wäre mit diesen Sanierungen geholfen. Nach DEKRA-Berechnungen könnte der Ausstoß von rund zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr vermieden werden. Unsere Berechnungen berücksichtigen noch nicht den Verbrauch von Erdgas und Fernwärme als Heizenergieträger. Fakt ist, dass das einzusparende CO2-Potenzial sogar deutlich über zwölf Millionen Tonnen liegt, sagt
Steisslinger.
Das Einsparvolumen von Wohn- und Gewerbehäusern kann mit dem bedarfsorientierten Gebäudepass ermittelt werden. Dabei werden neben der Heizung alle Außenteile eines Hauses wie Außenwände, Dach, Fenster und Böden untersucht, und der Wärmeverlust ermittelt. Dieser bedarfsorientierte Energiepass gilt zehn Jahre und wird vom 1. Januar 2008 an für alle Hauseigentümer Pflicht, die ihre Immobilie vermieten oder verkaufen wollen und in ihrem Gebäude bis zu vier Wohnungen besitzen, deren Bauanträge vor dem 1. November 1977 gestellt wurden. Die DEKRA ist eines der Sachverständigenunternehmen in Deutschland, das den Energiepass ausstellt.
So heizen Sie richtig und kostengünstig
* Zu hohe Temperaturen vermeiden. Folgende Temperaturen reichen in der Regel aus:
- Wohn- und Arbeitszimmer: 20 Grad Celsius
- Küche: 18 Grad Celsius
- Schlafzimmer: 17 Grad Celsius
- Toilette: 16 Grad Celsius
* Beachten: Jedes Grad Raumtemperatur weniger spart sechs Prozent der Heizkosten
* Nachts die Heizung noch weiter herunterregeln
* Nachts auch Jalousien, Rollläden und Fensterläden schließen und Vorhänge zuziehen
* Bei längerer Abwesenheit Thermostat auf Frostschutzposition stellen