VDI: Rohstoffe vom Acker sind die Zukunft der Chemischen Industrie
24.03.2005
Die Nutzung von Biomasse könnte die Volkswirtschaften in den nächsten Jahren verändern. Gewinnen werden nur die Wirtschafträume, die rechtzeitig biobasierte industrielle Produkte und Bioraffinerien fördern, schreiben die VDI-Nachrichten.
Wir müssen weg vom Öl", fordert Renate Künast, deutsche Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) und Schirmherrin von natureplus. Auch und vor allem in der Chemischen Industrie: "Nachwachsende Rohstoffe sind dort vielfältig einsetzbar und wir verfügen über die Technologien, sie effizient zu nutzen."
Damit aber aus "Bio" Chemie wird, braucht man komplexe Technologien, so genannte Bioraffinerien. "Der Rohstoff ist komplexer aufgebaut als Erdöl, ist deshalb nicht so einfach aufzuspalten", sagt Michael Kamm, von der Firma biorefinery.de, Potsdam. Deutsche Unternehmen seien führend, was die Technologien zur Nutzung der Biorohstoffe betrifft.
Die Industrie ist heiß auf Biostoffe. Einige Branchen wären, so Künast, heute schon aufgeschmissen ohne nachwachsende Rohstoffe. Etwa Biohochleistungsschmierstoffe und Bioverbunde für Kfz: Sie sind längst Stand der Technik und haben ihren Markt erobert. Wo aber liegt das Potenzial für die Zukunft? Biokonversion ist so ein Schlagwort. Es umschreibt die Veredlung von Bio-Rohstoffen durch Mikroorganismen oder Enzyme zu hochwertigen Chemikalien. Dadurch entstehen z. B. neue organische Zwischenprodukte, Fein- und Spezialchemikalien oder Biopolymere.
Die USA treiben momentan die Umstellung auf eine Biomassewirtschaft massiv voran, so Rainer Busch, DOW Chemical Deutschland in Rheinmünster. Bis zum Jahre 2030 sollen ein Viertel der derzeit auf fossilen Rohstoffen basierenden organischen Grundstoffe und ein Zehntel der Öle und Kraftstoffe auf eine biologische Rohstoffbasis umgestellt und vorrangig mit Bioraffinerie-Technologien produziert werden. Deutschland habe hier noch sehr viel aufzuholen.