In der Sanierung wird der Fliesenfachbetrieb mit unterschiedlichsten Problemstellungen konfrontiert. Die bauchemische Industrie

In der Sanierung wird der Fliesenfachbetrieb mit unterschiedlichsten Problemstellungen konfrontiert. Die bauchemische Industrie entwickelt immer mehr Produkte, die hierfür Lösungen bereitstellen. Das Leistungs- und Anwendungsspektrum von zwei Produktgruppen, und zwar Entkopplungssystemen und Epoxidharz-Estrichen, stellt Ihnen der folgende Beitrag vor.

Der Fliesenverbrauch in Deutschland hat sich stark rückläufig entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 30 Millionen Quadratmeter Fliesen weniger verlegt als noch 2002.
Regional ist dieser Abwärtstrend sogar noch wesentlich dramatischer. Eine Ursache liegt im drastischen Rückgang an Baugenehmigungen für Neubauten, da sich diese Negativentwicklung mittelbar und teilweise unmittelbar auf die Ausbaugewerke und mithin auch die Fliesen- und Naturwerksteinverlegung auswirkt.
Dagegen wird im Vergleich zum Neubau der Anteil der jährlich verlegten Fliesen in der Renovierung, Sanierung und Modernisierung bestehender Bauwerke immer größer. Man spricht mittlerweile davon, dass weit über 80 Prozent der Fliesen im Bereich der Sanierung verbaut werden. Daraus ergibt sich auch ein Herausforderungsprofil speziell an die Bauchchemie und Baustoffindustrie, die in Bezug auf Kreativität, Produktentwicklung, Synergien und intelligente System- und Speziallösungen gefordert ist.
Als Beispiel hierfür möchte ich die Entwicklung im Bereich der Entkopplungssysteme anführen, die sich eigentlich schon über einen längeren Zeitraum bewährt haben, aber in den vergangenen zwei bis drei Jahren derart in den Focus der Aufmerksamkeit geraten sind, dass jetzt genau definierte Leistungskenngrößen für solche Systeme in einem entsprechenden Merkblatt verankert werden sollen. Diese Systeme verzeichnen zweistellige Zuwachsraten.
Natürlich zählen zu den Renovierungs- und Sanierungsmassnahmen nicht nur ausgebaute Speicher, Dachboden oder Keller, vornehmlich in privaten Wohnhäusern. Weitaus umfänglicher, schwieriger und komplexer gestaltet sich das Sanieren von Schwimmbädern, Autohäusern, Supermärkten und ähnlichen Objekt- und Gewerbebauten. In vielen dieser Fälle geht es darum, wertvolle architektonische Bausubstanzen aus früheren Epochen zu erhalten, zum Beispiel Schwimmbäder aus der Jugendstilzeit, Gründerzeit-Villen und so weiter.

Die Problemstellungen, die sich vor der Ausführung der keramischen - oder auch Natursteinoberbelagsarbeiten ergeben, sind breit gefächert:

* Ist der Untergrund geeignet und tragfähig ?
* Welche Aufbauhöhen stehen zur Verfügung ?
* Welche Feuchtigkeits- und Verkehrsbelastungen sind zu erwarten ?
* Welche Wärme- und Schallschutzanforderungen bestehen ?
* Wie soll der Geh- und Wohnkomfort verbessert werden ? Und schlussendlich
* Welches (enge) Zeitfenster steht für bauliche Abwicklung zur Verfügung? Denn in der Regel sollen diese Objekte so schnell wie möglich wieder genutzt werden.

Diese Aspekte können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden, da sie in fast allen Fällen eng miteinander verzahnt sind.
Der Facettenreichtum an Lösungsmöglichkeiten und die Ideenfindung für neue Produkte aus den konkreten Problemstellungen heraus soll im Folgenden an Beispielen beschrieben werden.

Was leisten Entkopplungssysteme ?

Warum kommt den Entkopplungssystemen eine so eminent wichtige Bedeutung zu? Und was macht ihren Erfolg besonders bei Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen aus? Nun: Die unterschiedlichen Systeme haben häufig nicht nur eine Funktion, sondern können eine Vielzahl von Problemen lösen. Ob Risskaschierung, Abdichtung, Trittschallverbesserung und so weiter, sie erfüllen in aller Regel mehrere Anforderungen gleichzeitig. Das macht in erster Linie ihr Erfolgsgeheimnis aus.
Dafür gebe ich Ihnen ein paar Beispiele:
Die Verbesserung der Tragfähigkeit und Biegesteifigkeit: Speziell bei Holzunterkonstruktionen wie Dielenböden und ähnlichem, die zum Durchbiegen neigen, führt eine ausreichend dimensionierte Entkopplungsplatte zu einer massiven Stabilisierung des Untergrundes. Die dynamische Steifigkeit und das Elastizitätsmodul dieser Platten sind so ausgelegt, dass hier die Aussteifung des Untergrundes soweit verbessert wird, dass ein keramischer Belag problemlos verlegt werden kann. Daneben verbessern diese Platten noch die Wärme- und Trittschalldämmung, jedoch nicht mit einer Leistungsfähigkeit wie die weiter unten beschriebene Spezialsandwichplatte. Es ist bei der Wahl von Entkopplungssystemen immer fallbezogen zu gewichten, auf welchen Funktionen jeweils das Hauptaugenmerk liegen soll und ob die technische Funktionstüchtigkeit durch den Einsatz des gewählten Produktes gewährleistet bleibt.
Homogenisierung von Mischuntergründen: Durch den Einbau geeigneter Entkopplungssystemen kann aus unterschiedlichen, teilweise nicht tragfähigen Untergründen ein einheitlicher tragfähiger Untergrund geschaffen werden. Beseitigt werden so Rissgefahren, zum Beispiel

* an den Nahtstellen beziehungsweise Übergängen zwischen den unterschiedlichen Untergründen,
* durch mangelhafte Rohrüberdeckungen von Fußbodenheizungen und
* durch verformungsfreundliche Untergründe, insbesondere auch die Verbindung von alten zementären zu jungen Untergründen.

Deutliche Verbesserung des Trittschallpegels: Sehr häufig kommt es bei der Sanierung von Altbauten zu der berechtigten Forderung, im Zuge der Belagsarbeiten gleichzeitig den Trittschall zu verringern. Mit speziellen „Sandwichplatten“ können teilweise trittschallverbessernde Werte von bis zu 16 dB (Dezibel) erzielt werden. Diese Platten bestehen aus einer Kombination einer weichen trittschallverbessernden Unterschicht mit einer härteren, lastabtragenden Oberschicht.
Die von den Herstellern ausgelobten Trittschallverbesserungswerte sollten daraufhin hinterfragt werden, ob sie auch bei einem festen Haftverbund mit Fliesenbelägen gelten. Ein Nachweis kann insbesondere durch ein entsprechendes Prüfzeugnis eines unabhängigen, bewährten und anerkannten Prüfinstituts erfolgen, zum Beispiel dem Fraunhofer-Institut in Stuttgart. Denn sehr häufig werden in den Produktunterlagen Werte dokumentiert, die zwar wesentlich höher liegen, aber in einem Verbundsystemaufbau nicht zu erreichen sind. Das kann zu Irritationen und Reklamationen des Auftraggebers führen.
Verbesserung des Wohn- und Wärmekomforts: Bei der Sanierung von Badezimmern in Häusern ohne Fußbodenheizung werden häufig nachträglich extrem dünnschichtige Elektrofußbodenheizsysteme als Sekundärheizquelle mit eingebaut, um eine angenehme Fußbodenwärme auf diesen häufig barfuß begangenen Fliesenbelägen zu erzeugen. Hier erfüllt die Dämmplatte neben der grundsätzlich notwendigen Entkopplung vom Untergrund zusätzlich eine wärmedämmende Funktion, die auch mit entsprechenden Wärmedämmkennwerten hinterlegt ist. Die Platte verbessert damit die Effizienz der Elektrofußbodenheizung.
Entkoppeln bei geringsten Aufbauhöhen: Auch in diesen Fällen gibt es mittlerweile Möglichkeiten mit dünnschichtigen, teilweise armierten Vliesmaterialien Untergründe vom Fliesenbelag wirksam zu entkoppeln. Dabei ist es möglich, diese Vliese wahlweise mit einem Dünnbettmörtel zu fixieren oder aber mit speziellen Fixierbändern mit dem Untergrund zu verbinden. Auf den so befestigten Entkopplungsvliesen werden dann die entsprechenden Fliesenbelagsarbeiten ausgeführt.
Dies soll als kleine Auswahl genügen, welche Funktionen Entkopplungssysteme erfüllen und über welche Leistungsfähigkeit sie verfügen können. Natürlich müssen diese Entkopplungssysteme immer auch verträglich sein mit bauchemischen Produkten, Systemlösungen oder Systemaufbauten, die direkt oder indirekt mit ihnen in Verbindung stehen. Dabei handelt es sich unter anderem um eine breitgefächerte Palette an Ausgleichsmassen, Spezialestrichen, Verbundabdichtungen bis hin zu den Dünnbettmörteln und Fugenmaterialien.
Wenn Unebenheiten ausgeglichen werden, kommen in aller Regel hierfür schnellerhärtende, selbstnivellierende Spachtelmassen zum Einsatz. In besonderen Fällen, in denen mit wasserfreien Materialien gearbeitet werden muss, kann zum Beispiel auf Reaktionsharzmaterialien zurückgegriffen werden. Dazu später mehr.
Um den Baufortschritt zu beschleunigen, werden diese Entkopplungsplatten zum Beispiel mit schnellerhärtenden Dünnbettmörteln auf einer solchen Spachtelmasse fixiert. Bereits zwei bis drei Stunden später können dann ohne weitere Vorbehandlungsmaßnahmen die Oberbelagsarbeiten ausgeführt werden. Selbstverständlich ist es grundsätzlich möglich, auf solchen Entkopplungsplatten gemäß den Regeln des ZDB-Merkblatts „Hinweise für die Ausführung von Abdichtungen im Verbund mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich“ auch mit Flächenverbundabdichtungen zu arbeiten. Auch hier bietet sich wiederum die Möglichkeit, auf schnell trocknende und aushärtende Produkte zurückzugreifen.

Was leisten Epoxidharz-Estriche ?

Als zweiten Produktbereich neben den Entkopplungssystemen möchte ich hier Epoxidharz-Estriche wie den „Sopro EpoxiEstrich“ vorstellen und zeigen, welche Lösungsmöglichkeiten sie für bestimmte Probleme in der Sanierung bieten. Manche Bauprobleme lassen sich nämlich weder mit einem konventionellen noch mit einem Schnellzementestrich lösen.
In diesem Zusammenhang zeigt sich auch deutlich die Vorreiterrolle der bauchemischen Industrie: Bis vor kurzem unterlagen solche Spezialestriche noch keiner normenrechtlichen Regelung. Mittlerweile schafft die DIN EN 13 813 „ Estrichmörtel und -massen, Eigenschaften und Anforderungen“ den normenrechtlichen Rahmen sowohl stoff- als auch leistungsspezifisch auch für Epoxidharz-Estriche. In der Norm wird dieser Produktgattung das Kürzel ‚SR’ zugeordnet, das für Screed Reaction = Reaktionsharzestrich steht. Epoxidharzestriche sind wasserfrei. Damit verbindet sich in aller Regel auch eine Schwindfreiheit. Ausgeschlossen sind Rissbildungen sowie konkave oder spätere konvexe Verwölbungen, wie man sie von zementären Produkten kennt, gerade wenn wie so oft die Schutz- und Austrocknungsfristen nicht eingehalten werden oder werden können. Bei feuchtigkeitsempfindlichen Anschlussbauteilen und/oder Untergründen in Altbauten läuft man mit Epoxidharzestrichen auch nicht Gefahr, dass es bei diesen zu Schäden durch Feuchtigkeit kommt, die zum Beispiel von zementären Systemen abgegeben wird.
Epoxidharzestriche sind als Schnellestriche zu klassifizieren, da der chemische Vernetzungsprozess in einem Zeitrahmen von 24 Stunden abgeschlossen und die Verlegereife und Endfestigkeit damit erreicht ist.
Je nach Formulierung entwickeln solche Estriche ein Festigkeitsniveau, wovon Zementestriche nur träumen können oder mit einem „Wahnsinnsaufwand“ eingebracht werden müssen, um auch nur annähernd dorthin zu kommen. Wir bewegen uns bei dem „Sopro EpoxiEstrich“ bei Druckfestigkeitswerten um die 60 N/mm² und im Bereich der Biegezugfestigkeiten bei Werten um 20 N/mm². Mit einem solchen Festigkeitsniveau sind Reduzierungen der Estrichnenndicken bis in Bereiche von 20 Millimeter Dicke möglich, auch auf Dämmmaterialien. Der Lastabtrag bleibt exzellent.

Außerdem können Gefällekeile über extreme Dickendifferenzen erstellt werden, die hohe Belastungen aushalten und bei denen keine Risse auftreten.
Epoxidharz-Estriche stellen als Verbund - und Gefälleestriche auch auf metallischem Untergrund eine ideale Lösung dar. So können sie zum Beispiel als Lastaufnahmeschicht für Fliesenbeläge im Schiffsbau im Sanitär- und Nasszellenbereich eingesetzt werden. Das Material entwickelt Oberflächenzugfestigkeiten von > 2,0 N/mm² und stellt damit auch in kritischen Belastungsfällen für keramische Beläge ein enormes Sicherheitspotential dar, und zwar in Bezug auf allgemeine Verkehrslasten und Haftscherbelastungen. Selbstverständlich eignet es sich auch zur Aufnahme von anderen Oberflächenbeschichtungssystemen, wo unter anderem Oberflächenzugfestigkeiten von > 1,5N/mm² als Mindestforderung in aller Regel definiert sind.
Die Oberflächenzugfestigkeit ist die normativ zwingende Kenn- und Leistungsgröße für Reaktionsharzestriche, im Übrigen die einzige. Eine Ausnahme bilden hier nur Estriche, die gleichzeitig als Nutzfläche Verwendung finden. Hier kommen die Schlag - und Abriebfestigkeit als normatives Leistungskriterium hinzu. Alle anderen Kenndaten tragen nach DIN 13 813 5.2, Tabelle 1, optionalen Charakter. Ausgehärtet und verdichtet ist der Epoxidharzestrich wasserdicht und kann deshalb auch als kapillarbrechende Verfüllmasse verwendet werden, unter anderem in Schwimmbeckenkopfbereichen. Bei der Sanierung desolater Schwimmbeckenköpfe kann er zum Beispiel zur Verlegung der Beckenrandsteine eingesetzt werden. Der Verlegemörtel stellt dabei gleichzeitig eine wirksame Kapillarsperre dar.
Darüber hinaus ist der Epoxidharz-Estrich gegenüber einer breiten Palette von aggressiven Chemikalien hoch beständig. Wenn man das gesamte Leistungspaket von nur diesem einen Produkt Revue passieren lässt, wird deutlich, welche Lösungsmöglichkeiten gegeben, selbstverständlich aber auch gefordert sind. Man bewegt sich auf einem technischen Terrain, welches mit konventionellen Produkten und Verfahren nicht mehr zu lösen ist.
Schnelle und schnellste Belegreife, höchste Festigkeiten bei niedrigster Aufbauhöhe mit einem sicheren Lastabtrag auch in Verbindung mit einer Dämm- oder Entkopplungsmatte, direktes Oberflächenfinish, chemische Beständigkeit bis hin zu höchsten Oberflächenzugfestigkeiten: Epoxidharz-Estriche sind ein eindrucksvolles Beispiel für einen Problemlöser.

Fazit:
In der Sanierung hat es der Fliesenleger häufig beim Erstellen keramischer Beläge mit einem erweiterten Anforderungsprofil zu tun. Er ist Situationen ausgesetzt, die mit konventionellen Vorgehensweisen und dem Rückgriff auf das aktuelle Regelwerk nicht mehr oder nur bei einem totalen Rückbau zu realisieren sind. Die in dem Artikel aufgezeigten Möglichkeiten, wie Entkopplungssysteme und ein spezieller Reaktionsharzestrich eingesetzt werden können, sollten deshalb zeigen, wie diese Anforderungen erfüllt werden können. Ein Anspruch auf Vollständigkeit des Leistungsspektrums dieser Systeme wird dabei nicht erhoben.


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