Gewachsener“ Backstein im bewussten Kontrast zu weißem Putz

Gewachsener“ Backstein im bewussten Kontrast zu weißem Putz

„Klare Zweiteilung des Baukörpers in Funktion, Materialität und Optik“ stand als Konzept über dem großzügigen Wohnhaus einer vierköpfigen Ärztefamilie in Münster-Handorf. Gegeneinander gestellte, tief herunter gezogene Pultdächer, ein Teil des Kubus traditionell mit Verblendziegelfläche ausgeführt, der andere Teil mit kontrastierender weißer Putzfassade – auf diese Weise setzten das beauftragte Büro Kirchhoff Architekten, Wuppertal, den architektonischen Entwurf in die Praxis um.Über Außengestaltung und verwendete Baustoffe eine gewisse Ablesbarkeit der Funktionsbereiche im Inneren des Hauses zu erreichen, galt dabei als weiterer architektonischer Anspruch. So entstand inmitten einer klassischen Wohnsiedlung ein wirtschaftliches Niedrigenergiehaus, das Modernität und Funktionalität, gepaart mit Wohnbehaglichkeit, ausstrahlt. Dazu trägt vor allem das mit Backsteinen der A·K·A Ziegelgruppe, Peine, im rot-blau-bunten Farbspiel gestaltete Verblendmauerwerk bei.

Gleichwohl mussten die Architekten zunächst Überzeugungsarbeit gegenüber den Behörden leisten. Denn der Standort des Objekts war mit erheblichen Auflagen durch den Bebauungsplan belegt. „Die spezielle Forderung: rund 50-60 % der Fassade musste aus Ziegelsichtmauerwerk bestehen. Bei dem eingeplanten hohen Fenster- und Glasanteil wurde es schon ein bisschen eng“, erklärt Ralf Kirchhoff. Positiv wertete die Behörde die nach innen fortgeführte Verwendung des Backsteins. „Letztlich konnten wir das Bauamt von der Qualität des Entwurfs überzeugen und intensive Hilfestellung bei der Umsetzung der Planung erfahren“, resümiert der Architekt.

Nicht nur im äußeren Erscheinungsbild stellt das Wohnhaus eine Besonderheit dar. Kluge Grundrissplanung und Raumaufteilung basieren auf dem Split-Level-Konzept: Die Wohnebenen wurden nicht „aufgeschichtet“, sondern jeweils in der Höhe versetzt angeordnet. Das erleichtert die Erschließung, ermöglicht interessante Raumbilder und sorgt dafür, dass sich das Licht durch die großen Glasflächen ungehindert im Haus verteilt. Aufenthaltsbereich und Kinderzimmer mit großen Fenstern sind nach Süden ausgerichtet, Nebenräume mit kleineren Fenstern nach Norden. Entsprechend besteht der Gebäudekubus nach Norden aus zweischaligem Verblendmauerwerk mit Kerndämmung, der südliche Kubus aus monolithischer, hochwärmedämmender Ziegelwandkonstruktion mit mineralischem Putzauftrag. Das Gebäude ist energetisch nach dem Prinzip „Strandkorb“ ausgerichtet. Um die optische Schwere des verblendeten Gebäudeteils zu reduzieren, endet die Backsteinwand in einem zurückgesetzten, grau geputzten Sockel. Wegen der gewünschten Flächigkeit der Ziegelwand wurde auf Rollschichten verzichtet. Die beiden getrennt wirkenden Hausteile sind mit vertikalen Fensterbändern miteinander verbunden. Als optische Verlängerung der einen Pultdachscheibe schießt der First über die zweite Dachfläche hinweg, hier ist zur Fugenausbildung ein horizontales Fensterband platziert.

Unterstrichen wird die klare Linienführung der Architektur durch die Wahl der Baustoffe und der Ehrlichkeit in der Materialität: Der Backstein zeigt Brandspuren und offenbart seine Herkunft. Holz bleibt als Holz sichtbar, Putz ist weiß, Stahl ist silbergrau. Während Holz und Putz keine Auswahlprobleme bereiteten, wurde dem Verblendklinker besondere Aufmerksamkeit zu Teil. „Gewünscht war eine gewisse Ruppigkeit als bewusster Kontrast zur reinweißen Putzfläche, aber auch zu den sehr glatten Holz- und Glasoberflächen im Innenbereich“, erläutert Architekt Kirchhoff.

Seine Erfahrungen, das Produkt-Know-how von Günter Wahmann, Fachberater von A·K·A, und das Sortiment des Keramikspezialisten erleichterten die Vorauswahl für den „gewachsenen“ Backstein Dahlem. Rustikale Oberflächenstruktur und das rot-blau-bunte Farbspiel des Backsteins gaben dabei den Ausschlag. Mustertafeln und eine Objekt-Besichtigung, bei dem dieser Ziegel in ähnlicher Weise gestalterische Verwendung fand, machten die Entscheidung perfekt. Um den Charakter des Ziegels in der Wand herauszustellen, wurden die Fugen leicht zurückgesetzt und mit dunklem Fugmörtel ausgebildet. Auch im Innenbereich dominiert Backstein als gestalteter Blickfang. Die mit Aussparungen gemauerte Ziegelwand in der Fassadenflucht wird quasi zu einem attraktiven Stück Möbel. Unterschiedlich installierte „Streiflichter“ als Beleuchtung verstärken das lebendige Farbspiel gebrannten Tons.

Als konkretes Beispiel individueller und innovativer Architektur überzeugte das Wohnhaus in Münster-Handorf auch die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Am „Tag der Architektur“ stand das Objekt deshalb interessierten und umweltsensibilisierten Bürgern zur Besichtigung und Information offen.

www.aka-ziegelgruppe.de


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