Fernsehturm Stuttgart mit neuer Gartner-Fassade

Fernsehturm Stuttgart mit neuer Gartner-Fassade

Neue Außenhaut für den ersten Fernsehturm der Welt /

Aluminium-Glas-Fassade des Turmkopfes verbessert Wärmeschutz, Dichtigkeit und Standfestigkeit /

Von außen betrachtet, sieht der Stuttgarter Fernsehturm unverändert aus. Denn optisch gleicht die neue Aluminium-Glas-Fassade der Firma Gartner der alten. Neben Wärmeschutz und Dichtigkeit verbessert die neue Fassade des Turmkopfes vor allem die Standfestigkeit. Laut Gutachten hatte die alte Konstruktion Rost angesetzt, der die Tragsicherheit gefährdete. Die Josef Gartner GmbH im schwäbischen Gundelfingen, mit 850 Mitarbeitern Deutschlands führender Fassadenbauer, hat die 600 Quadratmeter große Fassade deshalb komplett erneuert. Am 1. Dezember wurden die Besucherplattformen und das Panorama-Cafe wieder geöffnet"Als der Fernsehturm Stuttgart 1956 in Betrieb genommen wurde, entsprach die Fassade dem damaligen Stand der Technik. Sie isolierte aber nur notdürftig, so daß sich innen an den Profilen Kondensat und Feuchtigkeit sammelte und Befestigungen Rost ansetzen konnten. Um das optische Bild des denkmalgeschützten Turms zu erhalten, mußten wir moderne Isoliertechnik in sehr filigran gearbeitete Profile integrieren. Mit der neuen Fassade konnten wir den Wärme- und Sonnenschutz erheblich verbessern. Die Heiz- und Betriebskosten werden entsprechend sinken," so Karl Lindenmaier, Leiter der Projektabwicklung bei Gartner. "Eine weitere Herausforderung war die Montage, da die Fassadenelemente von außen auf rund 150 Meter Höhe gezogen werden mußten, ohne den Turmschaft beispielsweise durch Dübel zu beschädigen. Dazu mußten wir eine spezielles Gerüst konstruieren und an den Turm anpassen."

Der von Prof. Fritz Leonhardt entworfene Fernsehturm in Stuttgart-Degerloch erreicht mit Sendemast eine Höhe von 217 Meter. Er ist das Urmodell für Fernsehtürme in aller Welt und löste eine weltweite Turmbauwelle aus. Die vier Etagen des Turmkorbs sind mit Aluminium ummantelt. Diese Aluminiumfassade frühester Bauart wurde von einer Berliner Metallbaufirma unter Verwendung eines amerikanischen Systems gefertigt. Die Plattform auf dem Turmkopf hat einen Durchmesser von 15 Metern und befindet sich in circa 150 Meter Höhe. Der Turmschaft besteht aus einem Stahlbetonrohr, das sich nach oben verjüngt und unterhalb des Turmkopfes einen Durchmesser von 5,10 Metern hat.

Nachdem ein Gutachten Probleme mit der Standfestigkeit im Zusammenhang mit der alten Fassade aufgezeigt hatte, entschied sich der Bauherr SWR, die Fassade zu erneuern. Die architektonische Leitung des Projekts übernahm das AIC Planungsbüro in Stuttgart, die Fassadenberatung sowie die

Fachbauleitung der Fassade DS-Plan in Stuttgart. Seit Juni montiert die Firma Gartner die rund 1,1 Millionen Euro teure Fassade. Gegenwärtig werden nur noch kleinere Arbeiten ausgeführt.

Die 600 Quadratmeter große Fassade des Turmkopfes besteht aus 72 Aluminium-Glas-Elementen, die jeweils 2,60 Meter breit und bis zu 3,90 Meter hoch sowie bis zu 450 Kilogramm schwer sind. Die Höhen sind in den einzelnen vier Ebenen unterschiedlich. Die Aluminiumprofile sind teilweise zweifarbig beschichtet. Das Isolierglas hat eine Sonnenschutzbeschichtung. Die innere Scheibe ist eine 6 Millimeter ESG-H, die äußere VSG aus 2 x 4 Millimeter Floatglas. Damit erfüllt die Fassade die aktuellen wärmetechnischen Anforderung sowie die Anforderungen des Denkmalschutzes an die Profilgeometrie und Bautiefe. Im Sende-, Küchen- und Restaurantgeschoß neigt sich die Fassade um circa 9 Grad nach aussen. Nur im obersten Geschoß der Turmkanzel steht die Fassade senkrecht.

Auf der Panoramaebene wurde eine an die bestehende Fassade angepaßte 100 Quadratmeter große Pfosten-Riegel-Fassade montiert. Dazu gehören auch eine Falttür mit vier Flügeln und drei Schiebetüren für den Ausgang zum Café sowie zum Aufzug. Das vorhandene Schutzgitter der Aussichtsplattform wurde demontiert, eingelagert und optisch aufgearbeitet.

Während der Bauphase traten sowohl bei der Montage der Schutzgitter wie bei der Montage der Fassadenelemente teilweise unvorhergesehene Probleme auf, da die Maßhaltigkeit des Baukörpers nicht den heute gültigen Toleranzen im Rohbau entsprechen. Der Beton und die alte Fassade wiesen größere Toleranzen auf. So mußten die Unterkonstruktion der Fassade und die inneren Anschlußbleche vor Ort an die unterschiedlichen Maße angepaßt werden. Auch das Raster der bestehenden Fassaden unterschied sich teilweise erheblich von der neuen Fassade, die nun ein gleichmäßiges Rastermaß aufweist.

Eine der größten Herausforderung war die Demontage und Montage der Elemente in rund 150 Meter Höhe, da die großen Bauteile von außen hochgezogen werden mußten. Im Unterschied zum Neubau eines Hochhauses konnte nicht vom Erdgeschoß nach oben gebaut werden. Auch konnte kein Aufzug für die Fassadenelemente genutzt werden. Baukörper und Turmschaft durften nicht beschädigt werden. Am Baukörper selbst durfte nur an wenigen ausgewählten Stellen gedübelt werden. Auch die Bewehrungseisen im Beton durften nicht beschädigt werden. Deshalb mußten spezielle Befestigungskonsolen und ein darauf abgestimmtes spezielles Gerüst konstruiert werden. Diese Spezialkonstruktion mit rund 1.000 Quadratmeter Gerüstfläche und einem Gewicht von ca. 40 Tonnen wurde über den Bestandsgebäuden auf einer eigens dafür erbauten Traggerüstfläche vormontiert. Der 10 Tonnen schwere Tragkranz am Turm zur Aufnahme der Hebegerätschaften wurde in Einzelteilen auf die oberste Plattform transportiert und dort mittels Auslegergerüst am Turmschaft in einer Höhe von rund 153 Meter Höhe montiert.

Mit einer Seilwinde und einer Umlenkkonstruktion die eigens und erstmalig für einen Hebevorgang dieser Art entwickelt und hergestellt worden ist, wurde der komplette Gerüstkörper in die Höhe gehoben. Nach Beendigung der wesentlichen Fassadenarbeiten wurde das Gerüst am 21. September abgebaut.,

Weitere Informationen: http://www.josef-gartner.de/ und http://www.fernsehturm-stuttgart.de/

Quelle: Dr. Jochen Mignat, Dr. Mignat PR


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