"Zweiter Frühling" mit 80 Jahren
Besondere Lage macht Umbau eines alten Hauses lohnenswert / Überschaubare Kosten durch detaillierten Sanierungsplan
Das eigene Haus in der Stadt - davon träumte Familie Rombach aus Bonndorf in Südbaden: zentrumsnah, aber ruhig, möglichst mit Garten. Bauplätze in solchen Lagen gibt es kaum, denn schon unsere Großeltern wussten, wo man besonders schön wohnt. Die Rombachs suchten deshalb nach einer passenden Alt-Immobilie und fanden sie in Schwenningen: Ein kleines Häuschen aus den 20er Jahren mit 400 Quadratmeter Grundstück. Allerdings: Eine Komplett-Sanierung war nötig - vom neuen Ziegeldach bis zum Keller.
Bei der Analyse überraschte, wie so oft bei alten Gebäuden, auch dieses Haus: Hinter alten Faserzement-Fassadenplatten verbargen sich z. B. handgeschnitzte Schwarzwälder Holzschindeln auf Holzstapelwänden. Passend dazu eine Decken konstruktion in Form von Holzstapeldecken. "Selbst nach 80 Jahren war die Substanz noch in Ordnung", erinnert sich Bauherr Till Rombach. Alle bisher noch nicht genutzten Flächen sollten erschlossen werden, um die Wohnfläche auf 140 Quadratmeter zu erweitern. "Zugleich wollten wir den Verbrauch auf das Niveau eines Niedrigenergiehauses reduzieren".
Neues Dach, zusätzlicher Wohnraum
Die ursprüngliche Dachkonstruktion war stellenweise undicht. Für die Neu-Eindeckung wählte der Bauherr einen rot-engobierten Ton-Verschiebedachziegel (R 13 S von Nelskamp). Mit seiner speziellen Verfalzung gleicht er Differenzen in den Lattweiten leicht aus - das spart Arbeitszeit beim Eindecken. Außerdem ist er durch den Überdeckungsbereich von bis zu fünf Zentimetern besonders sturm- und regensicher. "Die rote Engobe passt farblich gut zur getönten Putzfassade und fügt sich harmonisch in die Dachlandschaft des Ortes ein", ergänzt Andrea Rombach.
Zusätzliche Wohnfläche entstand durch den Ausbau des Daches: Eine 25 Zentimeter starke Dämmung sorgt für den nötigen Wärmeschutz, neue Fenster geben dem Raum genügend Licht. Der Fußboden des bisher als Speicher genutzten Dachbodens erhielt neue Dielen.
Energetische Generalsanierung in acht Monaten
Im September 2002 begannen die Fassadenarbeiten. Hauptziel: Energieverluste reduzieren und die tragende Holzwand vor Kondenswasser schützen. Diesen Anspruch erfüllen hinterlüftete Fassadendämmsysteme. Am Haus in Villingen-Schwenningen übernimmt diese Aufgabe "Verotec complete": Es besteht aus Putzträgerplatten aus recyceltem Altglas, montiert auf einer Holz-Holz-Konstruktion. Hinter diesem Traggerüst wird auf der Wand das Dämm-Material befestigt. So entsteht zwischen Trägerplatte und Dämmung ein Hohlraum. In diesem Spalt zirkuliert Luft. Sie nimmt Wasserdampf auf, Tauwasser entsteht erst gar nicht, Dämmung und Holz sind vor Feuchte geschützt. Dieses Prinzip nennt der Fachmann "hinterlüftete Vorhangfassade". Weiterer Vorteil: Die variable Unterkonstruktion gleicht die Unebenheiten der Fassade aus - sie lag sechs Zentimeter aus dem Lot. Den optischen Feinschliff erhielt die Trägerplatte durch einen fliederfarbenen, mineralischen Deckputz (Sto AG, Stühlingen).
Zeitgleich zu den Fassadenarbeiten installierten Heizungsbauer eine moderne Solaranlage. Neue Fenster und Türen sorgen zusätzlich für niedrigen Energieverbrauch. "Mit der Doppel-Strategie - energetisch sanieren und regenerative Energiequellen nutzen - haben wir unser Ziel Niedrigenergiehaus-Standard erreicht", freut sich Till Rombach.
Innenausbau
Im Haus war für die Handwerker noch mehr zu tun: Die Trennwand zwischen Ess- und Wohnbereich wich einem Stahlträger. Ebenso erneuerten sie die komplette Elektro- und Wasserinstallation des Hauses. Eine neue Gas-Zentralheizung ersetzt die alten Etagen-Gasöfen. Zusätzlich montierte der Heizungsbauer einen 600-Liter-Speicher für die Solaranlage und der Keller bekam einen wärmegedämmten Estrich. "Hier passen jetzt ein geräumiges Büro und eine Tischtennisplatte hinein - ohne Kellerklima in den Räumen", freut sich der Eigentümer. Der Anbau eines vorgesetzten Balkons und einer Terrasse in Form einer Stahl-Holzkonstruktion beendeten die aufwändige Sanierung. In acht Monaten entstand so aus einem alten Objekt ein Traumhaus.
Die Kosten im Griff behalten
160.000 Euro hatte der Architekt für die Sanierung errechnet - aber das Budget der Rombachs gestattete nur 120.000. So akzeptierten sie Kompromisse: zum Beispiel eine preisgünstigere Terrasse mit Holz statt Pflastersteinen und ein überdachter Treppenaufgang statt Windfang. Vor allem aber sorgten exaktes Kostenmanagement, intensives Nachverhandeln der Voranschläge mit den Handwerkern sowie eine überlegte Auswahl der Materialien dafür, dass die Kosten im Griff blieben.
Bautafel:
Bauherren: Till und Andrea Rombach, Schwenningen Architekturbüro: Rebholz, Bad Dürrheim
Wohnfläche: 140 m²
Grundstücksgröße: 400 m²
Dacheindeckung: Tondachziegel R 13 S (Nelskamp)
Außenputz: mineralischer Deckputz (Sto)
Wärmedämmung: vorgehängtes hinterlüftetes Fassadendämmsystem (Verotec)
Solaranlage: Sonnenkollektor S1 (Solarfocus)
Kosten: 120.000