Erweiterung Neue Messe München:
Bewährte Konstruktionen für Sonnenschutz und Verdunkelung
Schon wenige Monate nach der Eröffnung der Neuen Messe München im Januar 1998 war klar: Sie wird von der internationalen Wirtschaft, sowohl auf Aussteller- wie auf Besucherseite, bestens angenommen. Die Nachfrage nach Ausstellungsfläche überstieg alle Erwartungen, und daran hat sich bis heute nichts geändert: Die Messe München wächst. Sie verfügt derzeit über 16 Messehallen, davon 15 stützenfrei, mit einer Fläche von 160.000 m2. Ein weiterer Ausbauschritt erfolgt bis zur Messe BAU im Januar 2005. Dieser umfasst den Vollausbau der Halle C3 sowie den Neubau der Halle C4 und eines eigenen Eingangs Nord. Damit stehen für die BAU 2005 insgesamt 3 Eingänge (West, Ost und Nord) und mehr als 170.000 m2 Hallenfläche zur Verfügung. Möglich wird dieses Wachstum durch das architektonische Grundkonzept, der Form nach identische, addierbare Hallenbaukörper aneinander zu reihen. Die Hallen sind annähernd im Verhältnis 1:2 längsrechteckig mit Ausnahme der Halle C3, die den Eingangsbereich Nord beherbergt und einen nahezu quadratischen Grundriss hat; sie haben eine lichte Höhe von knapp 11 m. Der längsrechteckige Baukörper erleichtert dem Nutzer die Orientierung; die stützenfreien Hallen bieten dem Betreiber in ihrer Nutzung nahezu gleichrangige Ausstellungsflächen: Absolute Praktikabilität, robuster Gebrauchswert und adäquate Versorgung der vermietbaren Flächen hatten schon bei der Auslobung des Wettbewerbs oberste Priorität.
Aus dieser inneren Funktion heraus entwickelte sich die äußere Form der Hallen: Kaum zu glauben, dass zunächst Dunkelhallen gewünscht wurden! Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde Tageslicht als selbstverständlicher Komfort für Aussteller und Besucher gefordert. Dieses fällt nun über großformatige Lichtkuppeln die im Brandfall auch als Rauchabzug dienen , Fensterbänder an den Längsseiten und die verglasten Giebelfelder ein. Zusammen mit der lichten Grundfarbigkeit weiß verputzte Wände, grau gestrichener Stahl, Edelstahl und Aluminium sowie heller Naturstein und helles Parkett charakterisiert eine warme und natürliche Atmosphäre das Innere der Baukörper.
Damit sich diese Atmosphäre im hektischen Messegeschehen nicht aufheizt, ist ein funktionierender Sonnenschutz erforderlich. Für die Firma Veltrup heute ein Unternehmen der Schüco Gruppe ist es eine schöne Bestätigung von Kompetenz und Materialqualität, wenn wie in diesem Fall geschehen die Sonnenschutzanlagen und -systeme, die einst für den ersten Bauabschnitt konzipiert wurden, nun in die jüngsten Hallenbauten nahezu unverändert übernommen werden. Grund genug, die unterschiedlichen Konstruktionen anlässlich einer weiteren Messe BAU die den einen oder anderen Leser nach München führen mag einmal im Detail vorzustellen.
Eine Besonderheit des Entwurfs der Hallen, die Folgen für die Konstruktion der Sonnenschutzanlagen hatte, ist die Tatsache, dass Hallendach und Betonfassaden konstruktiv nicht miteinander verbunden sind. Das Dach ist freistehend, und die verglasten Giebelelemente sind an ihm aufgehängt. Der vertikale Übergang von der Glas- zur Betonkonstruktion ist »losgelöst« im wahrsten Sinne des Wortes: Loslager fangen die unterschiedliche Bewegung der beiden Bauteile auf.
An diesen abgehängten Glaselementen ist die Sonnenschutzkonstruktion befestigt. Das gesamte System hat obwohl die Wellen innen vor der Fassade im Betonbereich liegen mit diesem keine starre Verbindung, sondern lehnt sich über etwa 15 cm tiefe Abstandhalter an. Zur Montage wurden bauseits vom Metallbauer Gewindehülsen angebracht, um ein Anbohren der Fassade zur Befestigung der Schienen zu vermeiden. Die Schienen selbst tragen Wellen- und Blendmechanismus. Jeder Behang fährt in separaten Schienen, die untereinander nicht verbunden sind, zum Schließen von unten nach oben. Die einzelnen aufgehängten Felder sind 3 m breit, der Behang fährt am höchsten Punkt 6,50 m. Fallstab und Behang sind im oberen Abschluss dem leicht gebogenen Verlauf der Dachkonstruktion angepasst. Der Behang es handelt sich um ein nicht brennbares, aus mehreren Lagen Glasfaservlies geschichtetes Spezialgewebe fährt elementweise gestuft hoch, und als Einheit herunter. Das bedeutet, dass beim Herunterfahren der Lichtspalt zwischen Dachkonstruktion und Fallstab über das gesamte Giebelfeld gleich breit ist.
Eine besonders aufwendige Konstruktion, ausgeführt als Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlage, war für die Halle C1, die so genannte Medienhalle, erforderlich. Diese war zu 100% lichtundurchlässig abzuschotten, weshalb sämtliche Sonnenschutzanlagen als Totalverdunkelungsanlagen ausgeführt sind. Die Behänge laufen in speziellen Verdunkelungsschienen: Deren Dichtungsbürsten verhindern zuverlässig den seitlichen Lichteinfall. Der Behang fährt an seinem oberen Ende gegen eine Einfallschiene, an den beiden äußeren seitlichen Enden zu den Fenstern der Längswand hin ist er mittels einer weiteren Schiene abgeschottet. Dies gewährleistet einen allseits lichtdichten Abschluss der Verdunkelungselemente.
Eine ähnliche Verdunkelungskonstruktion wie in der Medienhalle C1, allerdings von oben nach unten fahrend, und insgesamt sehr viel kleiner dimensioniert, kommt übrigens in den Konferenzräumen der Verbindungsbauten zwischen den Hallen zum Einsatz.
An den Längsseiten der Hallen fällt Tageslicht über ein nur knapp unterhalb der Dachkonstruktion angelegtes Oberlichtband in die Hallen. Hier wurde der Sonnenschutz unter erschwerten Bedingungen montiert: nur einen knappen halben Meter misst der Abstand der Fassade zu den mächtigen Bindern der Dachkonstruktion Millimeterarbeit für die mittels Gurten gesicherten Monteure! Hier bewährte sich die Elementierung des Systems, zusammen mit einer teilweisen Vorfertigung: Die Schienen mit Abstandhaltern und Konsolen wurden in der Werkstatt vormontiert und vor Ort an die Bolzen gesetzt; in einem weiteren Arbeitsgang wurden Welle, Behang, Fallstab und Blende montiert.
Außenliegender Sonnenschutz
Die Verbindungsbauten zwischen den Hallen mit Säulenvorbauten im EG und den voll verglasten Verbindungsgängen im 1. OG sind mit einem außenliegenden Sonnenschutz versehen. Diese Raffstoreanlagen haben den Vorteil, dass sich der Tageslichteinfall durch Umlenkung der Lamellen regeln lässt. In diesem Fall kamen 80 mm breite, flache Lamellen aus Aluminium zu Einsatz, die an Drähten geführt und motorisch betrieben werden. Die hierbei eingesetzten Rundbogenblenden wurden separat am Baukörper befestigt; teilweise war eine spezielle Unterkonstruktion erforderlich, da es sich um eine Wärmedämm-Fassade handelt. Es wurden zunächst Unterkonstruktionswinkel gesetzt, und erst nachdem diese eingeputzt waren, wurde die Blendenkonstruktion für den Raffstore aufgebaut.
Nicht nur in quantitativer Hinsicht, durch die Vergrößerung der Ausstellungsflächen, sondern auch unter qualitativen Gesichtspunkten hat die Messe München gewonnen: Die Totalverdunkelungshalle C1 ergänzt das Angebot der Messestadt für Fernseh-Produktionen die Bayern-Gala des Bayerischen Fernsehens, die SKL-Lotto-Show oder die ARD-Sportgala - zeugen von der optimalen Ausgestaltung dieser Halle für Mega-Events. Dazu trägt nicht zuletzt das funktionssichere und bis ins kleinste Detail stimmige Verdunkelungssystem von Veltrup bei.
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Bildunterschriften
Bild 01:
Luftaufnahme; links im Bild die Erweiterung durch die C-Hallen.
Bild 02:
Der neue Eingang Nord wird zur BAU 2005 erstmals in Betrieb genommen.
Bild 03:
Die über den plastischen, durch Vor- und Rücksprünge differenziert gegliederten Baukörpern scheinbar schwebenden Dächer verleihen den mächtigen Baukörpern Leichtigkeit und Eleganz.
Bild 04:
Die verglasten Giebelfelder hängen an dem konstruktiv eigenständigen Dach; an ihnen wiederum sind die Sonnenschutzanlagen befestigt.
Bild 05:
Die einzelnen Elemente der Verdunkelungsanlage fahren in der Medienhalle C1 in speziellen Schienen, deren innenliegende Bürsten jeglichen Lichteinfall verhindern.
Bild 06:
Die Sonnenschutzanlage ist seitlich offen, lediglich der Fallstab wird in der Schiene geführt.
Bild 07:
In ihrer Form- und Materialsprache ähneln die aluminium-verkleideten Dachtraufen den Tragflächen großer Flugzeuge.
Bild 08-1:
Die großzügig dimensionierten Oberlicht-Fensterbänder sind mit textilen Sonnenschutzanlagen von Veltrup ausgestattet.
Bild 08-2:
Innenliegender Sonnenschutz an den Oberlicht-Fensterbändern der Messehallen, geschlossen.
Bild 09:
Außen liegende Aluminium-Raffstores in den Verbindungsgängen; hier zum ICM (Internationales Kongresszentrum München).
Bild 10:
Die Fassaden zum Atrium sind mittels Arkaden rhythmisch gegliedert; die innen liegenden Imbissbereiche werden durch Aluminium-Raffstores vor übermäßigem Sonneneinfall geschützt.
Bild 11:
Die Betonung der Horizontalen ist eines der Grundprinzipien des Entwurfs; hier die Giebelbereiche der Messehallen.
Bautafel
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Stahlbaukonstruktionen
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