Trotz steigender Abrisszahlen: 16 Prozent Leerstand in Ostdeutschland
Der den ostdeutschen Wohnungsmarkt dominierende Faktor ist der nach wie vor hohe Angebotsüberhang. Standen nach der Wohnungszählung 1995 von den rund 7 Millionen Wohnungen knapp sieben Prozent leer, waren es 1998 mit rund einer Million leer stehender Wohnungen bereits 14 Prozent des Wohnungsbestandes. Nach der letzten amtlichen Leerstandserhebung im Rahmen des Mikrozensus 2002 mit rund 1,2 Millionen leer stehenden Wohnungen war ein Leerstand von rund 16 Prozent des Bestandes zu verzeichnen. Darauf hat Ludwig Burkardt, Vorstandsmitglied, Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V., anlässlich des 40. Königsteiner Gesprächs des ifs Städtebauinstituts zu dem Thema "Wohnungspolitik vor der Neujustierung" hingewiesen.Bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften und bei den Wohnungsgenossenschaften, die rund 2,5 Millionen Wohnungen und damit fast 40 Prozent des Mietwohnungsbestandes der neuen Länder bewirtschafteten, stünden im Jahr 2002 rund 398.000 Wohnungen leer. Dagegen läge der Leerstand im übrigen privaten Wohnungsbestand der neuen Länder vorwiegend im Altbaubestand gelegen bei rund 786.000 Wohneinheiten.
Die Hauptlast der notwendigen Angebotsreduzierung trügen bisher die kommunalen Gesellschaften und Wohnungsgenossenschaften als Akteure des Stadtumbaus. Sie steigerten ihre Abrissleistung von rund 2.500 Wohnungen im Jahr 1999 auf rund 27.000 Wohnungen im Jahr 2003 und rund 50.000 Wohnungen im Jahr 2004. Aus den bei der KfW vorliegenden Anträgen auf Entlastung von Altschulden für die abzureißenden Wohnungen gemäß der Verordnung zum Altschuldenhilfegesetz ergebe sich, dass die kommunalen Gesellschaften und Genossenschaften bis 2010 den Abriss von rund 341.000 Wohnungen geplant hätten.
Ein ungelöstes Problem sei somit die Einbeziehung der rund 786.000 leer stehenden Wohnungen aus dem privaten Wohnungsbestand in die notwendige Angebotsreduzierung. Abriss und Neubebauung oder die Modernisierung/Instandsetzung dieses Wohnungsbestandes scheiterten abgesehen von sehr guten innerstädtischen Lagen derzeit an der mangelnden Wirtschaftlichkeit der erforderlichen Investitionen.
Einzelne Länder so Thüringen und Brandenburg versuchten mit gezielten Förderprogrammen den hier vorliegenden Investitionsstau aufzulösen. Dabei fördere Brandenburg die Schaffung selbstgenutzten Wohneigentums durch Neubau auf innerörtlichen Brachflächen und durch die Herrichtung von Bestandsgebäuden zur Veräußerung als Wohneigentum. Vorgesehen sei die Förderung von jährlich 500 Wohnungen. Allein dieser aufgrund von Haushaltsrestriktionen geringe Umfang der Fördermaßnahme so Burkardt abschließend sei Beispiel dafür, dass die Länder derzeit mit den vorhandenen Mitteln nicht in der Lage seien, ein bedeutsames Investitionsvolumen in den Altbaubeständen zu bewegen.