Wohnhaus mit Atelier für Künstler
- Außergewöhnliches Konzept für Ziegelhaus
- Anspruchsvolle Architektur mit schmalem Budget
Großzügige, lichtdurchflutete Räume und einen direkten Bezug zur märkischen Landschaft wünschten sich die Bauherren für ihr neues Zuhause. Ein passendes Grundstück hatte das Künstlerehepaar José Nuevo und Gerlinde Schuchmann bereits gefunden. Am Rande von Salzbrunn, einem kleinen Dorf südlich von Potsdam, das im 17. Jahrhundert als Webersiedlung gegründet wurde. Vorgabe war, mit einem relativ kleinen Budget ein individuelles Haus mit viel Wohnfläche und einem großen Atelier zu planen. Damit dies gelingt, legten die Bauherren Planung und Bauleitung in eine Hand.
Klarheit bei der Gestaltung und einfache Konstruktionen kennzeichnen das Konzept von Architekt Matthias Gorenflos. Entstanden sind zwei getrennte, versetzt zueinander stehende Baukörper, die zum Dorf hin eine geschützte Innenhofsituation bilden. Zur gegenüberliegenden Seite wirkt das Haus offen und bietet freien Ausblick über die ebene Landschaft mit ihren weiten Feldern. Ungewöhnlich die Grundrisse von Wohnhaus und Atelier, die an einer idealen Blickachse orientiert und kompakt, jedoch nicht rechtwinklig sind. Dadurch erhalten beide Baukörper eine besondere Dynamik, verstärkt durch den Kontrast zwischen spitzwinkligen offenen und stumpfwinkligen geschlossenen Fassaden. Auch die Innenräume erscheinen aufgrund der perspektivischen Wirkung der schiefen Winkel in immer wieder neuen Proportionen und erzeugen unerwartete Raumwirkungen.
Großen Wert legt der Berliner Architekt bei der Wahl der Baustoffe auf Qualität und eine sorgfältige fachgerechte Verarbeitung. Aus konstruktiven und bauphysikalischen Gründen entschied er sich bei der Gebäudehülle des Hauses in Salzbrunn für weiß verputztes monolithisches Mauerwerk (36,5 cm) aus Poroton Planziegel-T16. Sie gewährleisten mit einem Wärmeleitwert von nur 0,16 W/mK den geringen Wärmedurchgangskoeffizienten der Fassade von 0,39 W/(m²K). Mit diesem Baustoff konnten die Anforderungen der EnEV an eine hochwärmedämmende, winddichte und wirtschaftliche Gebäudehülle perfekt umgesetzt werden. Die Innenwände wurden ebenfalls mit Poroton Planziegelmauerwerk hergestellt. Der gesamte Rohbau ist in homogener und massiver Bauweise errichtet, denn die Kombination verschiedener Wandbaustoffe mit unterschiedlichen bauphysikalischen Eigenschaften führt häufig zu Problemen.
Ein wesentliches Merkmal des Wohnhauses in Salzbrunn ist der Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Gebäudefronten. Die Wohnräume befinden sich auf der Landschaftsseite und besitzen große Fensteröffnungen mit vorgelagerten Balkonen auf schlanken Stahlstützen. Der von Südost bis Nordwest durchgehende Balkon wirkt als Puffer zwischen privaten Wohnräumen und öffentlichem Landschaftsraum, vermittelt der Fassade Tiefe und Dynamik und dient zur Verschattung der großen Fenster.
Das getrennt errichtete Ateliergebäude ist mit einem von Nordost nach Nordwest umlaufendem Oberlicht ausgestattet. So wird der Innenraum gleichmäßig ausgeleuchtet und gleichzeitig der direkte Einfall von Sonnenlicht verhindert. Das Atelier wirkt mit einer lichten Höhe von 3,50 m bis 4,20 m schon fast kirchenähnlich Dimensionen, die jedoch für das künstlerische Schaffen des Bauherren als Bildhauer Voraussetzung sind. Als Verbindungselement zwischen Wohnhaus und Atelier dient ein schwebender Holzsteg, der von der Straße bis in den Garten reicht.
Baudaten:
Objekt: 14547 Salzbrunn, Straße nach Schäpe
Bauherr: José Nuevo und Gerlinde Schuchmann
Bauplanung und -überwachung: Gorenflos Architekten, Berlin
Bauausführung: Contrade GmbH, Berlin
Wandbaustoff:
Außenwände aus Poroton Planziegel-T16 (36,5 cm)
Innenwände aus Poroton Planziegel-T (17,5 cm) sowie Poroton ZWP-Plan-T (11,5 cm)
Hersteller Wienerberger Ziegelindustrie GmbH
Brutto-/Netto-Grundfläche: 288 m²/ 209 m²
Bauzeit: 7 Monate
Baukosten: 178.000 Euro gesamt / 852 Euro/m² Wohnfläche
http://www3.wzi.de