Bundesverband Flachglas unverzichtbar für Branche [07/2004]

Bundesverband Flachglas unverzichtbar für Branche [07/2004]

Interview mit Thomas Dreisbusch und Jürgen Halbmeyer, Vorstand Bundesverband Flachglas, zur Bedeutung des BF für die Flachglasbranche und zur aktuellen Neuausrichtung des Verbandes.

Herr Dreisbusch, der Bundesverband Flachglas bezeichnet sich selbst als die Interessenvertretung der deutschen Flachglasbranche. Inwiefern ist er das?Dreisbusch: Diese Rolle ist ihm schon bei seiner Gründung zugefallen: Als sich 1987 der Fachverband Flachglas veredelnde Industrie, der Bundesverband der deutschen Isolierglashersteller und der Bundesverband des deutschen Flachglas-Großhandels zum BF zusammenschlossen, lautete das Motto „Eine Branche – ein Verband“. Dahinter stand die Einsicht, dass ein geschlossener Verband mehr für die Branche erreichen konnte als die drei Teilverbände. Heute hat der BF rund 220 Mitglieder, überwiegend mittelständische Isolierglas-Hersteller, Glasgroßhändler und Glasveredler. Dazu kommen 40 Fördermitglieder, zum Beispiel Unternehmen der Basisglas-Industrie oder anderer Glaszulieferer. Diese Gruppen teilen viele Interessen mit den BF-Mitgliedern. Vor allem die Vertreter der Glasindustrie überlassen uns heute die Sprachrohrfunktion und stimmen sich in allen Branchenfragen eng mit uns ab.

Im letzten Jahr hat der BF eine Neuausrichtung beschlossen, die auf der diesjährigen Hauptversammlung im Detail vorgestellt und von den Mitgliedern mit Zustimmung aufgenommen wurde. Was ist der wichtige Punkt dabei?

Dreisbusch: In Zeiten knapper werdender Etats muss sich ein mittelständischer Fachverband, wie wir es ja sind, auf seine Kernkompetenz konzentrieren. Seit mehr als sieben Jahren befindet sich die Baubranche im steilen Abwärtstrend und das hat auch den Bauglasbereich mitgerissen. Die Folgen sind ja bekannt: Insolvenzen in zuvor nicht gekannter Zahl und massive Umsatzeinbußen. Für den BF bedeutet dies: sinkende Beiträge. Wir müssen uns durch das Fortschreiten der europäischen Normung daher auf die technische Lobbyarbeit konzentrieren, die wichtigen anderen Gebiete aber nicht aus den Augen verlieren.

Was ist konkret unter „technischer Lobbyarbeit“ zu verstehen?

Halbmeyer: Der BF wirkt in zahlreiche nationalen und europäischen Institutionen mit, in denen neue Normen, technische Regeln oder Richtlinien erarbeitet werden. Zum Beispiel sind wir zentraler Ansprechpartner für diesen Sektor beim Deutschen Institut für Normung (DIN), dem Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) und den Europäischen Normungsgremien. Wo immer hier der Bereich Bauglas berührt wird, bringt der BF die Fachkompetenz und die Interessen der Flachglasbranche ein. So hat der BF maßgeblich dafür gesorgt, dass bei der Abfassung der EnEV (Energieeinsparverordnung) bestimmte Grenzwerte angepasst wurden, die sonst ein Bauen mit großen Glasflächen praktisch unmöglich gemacht hätten. Das ist eine Leistung für die gesamte Branche, nicht nur für BF-Mitglieder.

Das klingt so, als ob man bequem auch als Nicht-Mitglied von der BF-Arbeit profitieren könnte: eine Einladung zum „Trittbrettfahren“?

Jürgen HalbmeyerHalbmeyer: Nein, das lässt sich so nicht formulieren. Wenn der BF in einem Gremium dazu beiträgt, dass die Interessen der Flachglasbranche in eine neue Richtlinie oder Norm einfließen, dann kommt das natürlich allen Unternehmen zugute – auch solchen, die den BF bei dieser Arbeit nicht unterstützt haben. Aber trotzdem ist es für Nicht-Mitglieder attraktiv, den Status als „Trittbrettfahrer“ aufzugeben: Erstens ist es doch für jedes Unternehmen vorteilhaft, wenn der BF in die Lage versetzt wird nachhaltig die Interessen der Branche wahrnehmen – und das kann er umso besser, je mehr Mitglieder er hat. Und zweitens bietet der BF eine Fülle von Leistungen an, bei denen wir schon genau darauf achten, dass sie wirklich nur von Beitragszahlern genutzt werden können.

Können Sie Beispiele für diese Angebote geben?

Halbmeyer: Der BF betrachtet sich als Problemlöser für seine Mitglieder, in technischen Belangen ebenso wie in juristischen oder vertrieblichen. Nehmen Sie etwa den Bereich Technik: Im Verband gibt es einen Ausschuss „Technik und Isolierglas“, der sich mit den wesentlichen Problemen befasst und Lösungen für die Mitglieder erarbeitet. Zum Beispiel hat kürzlich das Thema „Wie kratzfest ist ESG?“ für ziemliche Aufregung gesorgt. Die Antwort der Glasbranche war die Richtlinie zur Glasreinigung, erarbeitet unter Federführung des BF. Ein zweiter Ausschuss „Betriebswirtschaft“ kümmert sich um ökonomische Themen. Das reicht von ganz speziellen Detailfragen – etwa der Auswirkungen der Lkw-Maut oder die Lösung des leidigen Gestell-Problems – bis zur allgemeinen Wirtschaftslage: Hier hat der BF einen Trendfragebogen entwickelt, der seinen Mitgliedern Aufschluss über die Situation der Glasbranche gibt.

Dreisbusch: Was das Juristische angeht: Wir arbeiten eng mit einem Rechtsanwalt zusammen, der fundierte Aussagen zu Themen von allgemeinem Interesse erarbeitet und spezielle Fragen einer juristischen Prüfung unterzieht. Übrigens gibt der Verband seit neuestem das BF-Dossier heraus, in der alle drei Bereiche zur Sprache kommen: Technik, Wirtschaft und Recht. Darin greift der BF aktuelle Branchenthemen auf und bereitet sie auf, und zwar exklusiv für seine Mitglieder, die so praktische Hilfe für das tägliche Geschäft erhalten.

Wie wollen Sie diese Vorteile bei denen bekannt machen, die noch nicht im BF organisiert sind – oder anders gefragt: Wie wollen Sie neue Unternehmen für die Mitgliedschaft gewinnen?

Dreisbusch: Wir wissen, dass die Kommunikation mit den Unternehmen zurzeit nicht einfach ist. Wenn das Marktumfeld schwierig ist, wird der Sinn von Verbandsarbeit insgesamt kritisch hinterfragt. Wir wollen das Eis brechen, indem wir auf die Unternehmen stärker zugehen, und zwar auf bestehende wie potenzielle Mitglieder, und all die Punkte erläutern, über die wir gerade gesprochen haben.

Halbmeyer: A propos Kommunikation: Eine der wesentlichen Leistungen des BF für seine Mitglieder ist die Unterstützung durch professionelle PR und Broschüren. Sie sorgen für eine positive Darstellung des Baustoffs Glas in der Öffentlichkeit und bei Kunden – und das ist zurzeit besonders wichtig, wo sich in der Presse ein gewisser Trend zur Negativ-Berichterstattung erkennbar ist. Die Broschüren, zum Beispiel das sehr populäre „Glashaus“, werden nur unseren Mitgliedern zur Verfügung gestellt – und auf Wunsch sogar mit einem Umschlag, der für das Unternehmen speziell gestaltet wurde. Mit solchen Kommunikationshilfen kann man bei Kunden punkten.

Der BF vertritt die Unternehmen der Flachglasbranche. Wie ist das Verhältnis zu den Vertretern der angrenzenden Branchen, etwa des Glas verarbeitenden Handwerks oder der Fenster- und Fassaden-Hersteller?

Dreisbusch: Wer immer heute im Baugewerbe tätig ist, steht vor denselben Problemen und sucht nach vergleichbaren Lösungen. Insofern ziehen auch die entsprechenden Verbände an einem Strang. Darum suchen wir den engen Schulterschluss zum BIV (Bundesinnungsverband des Glashandwerks), zum VFF (Verband der Fenster- und Fassadenhersteller) und den anderen Branchenverbänden, mit dem Ziel, die Position aller im Bauglas tätigen Unternehmen zu stärken. Unsere Aktivitäten kommen den Mitgliedern dieser anderen Verbände auch direkt zugute.

Inwiefern?

Halbmeyer: Zur Philosophie des BF gehört es den hohen Qualitätsanspruch unserer Mitglieder zu vertreten: Sie bieten hochrangige Produkte und Beratungsleistungen im fairen Wettbewerb. Wir unterstützen unsere Mitglieder dabei. Ein Beispiel dafür sind die Ug-Wert-Tabellen, die das Institut für Fenstertechnik Rosenheim im Auftrag des BF erstellt hat: Sie erleichtern es, die Ug-Werte von Isolierglas-Aufbauten korrekt zu deklarieren. Das stärkt das Vertrauen zu den Isolierglas-Herstellern und vereinfacht die Situation für die Verarbeiter.


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