SOKA-BAU: 3,3 Prozent mehr Bau-Azubis bis Ende Februar 2004
Wiesbaden, 05.03.2004. Bis Ende Februar 2004 verzeichnet die Baubranche einen Zuwachs von 3,3 Prozent neu abgeschlossener Ausbildungsverträge. Dies ist der erste Anstieg an Neuverträgen seit 1995 - und das trotz der anhaltenden Strukturkrise in der Bauwirtschaft. Damit hat sich der Trend, der sich bereits im Herbst 2003 angekündigt hatte, bestätigt. Bis Ende Februar 2004 lagen bei SOKA-BAU (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft) 11.240 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge vor (Ende Februar 2003: 10.878). Dies ist eine Steigerung um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bestätigte sich der Trend von Mitte Oktober 2003, als erstmals ein Zuwachs von 0,7 Prozent festgestellt wurde.
Dr. Peter A. Doetsch, Vorstandsmitglied von SOKA-BAU, erläutert: "Qualifizierte Bauhandwerker sind ein deutsches Markenzeichen und werden nach wie vor benötigt. Daher hat die Ausbildung in den Bauberufen weiterhin Zukunft. Der Anstieg der Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2003 zeigt, dass die Aufrufe der Bau-Tarifvertragsparteien, mehr Auszubildende einzustellen, nicht ungehört verhallt sind. Die Baubetriebe haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie für die Ausbildung junger Menschen Verantwortung übernehmen. Dies ist umso bemerkenswerter in Anbetracht der nach wie vor schwierigen Situation auf dem Bau. Ganz sicher ist aber auch die Verteilung der Ausbildungskosten auf alle Schultern im Rahmen der von den Bau-Tarifvertragsparteien bereits vor mehr als 25 Jahren geschaffenen branchenweiten Umlagefinanzierung der Berufsausbildung ein wichtiger Erfolgsfaktor."
So funktioniert die branchenweit finanzierte Bau-Berufausbildung
Alle Baubetriebe zahlen für die Berufsausbildung einen Beitrag von derzeit monatlich 1,6 % der Lohnsumme an SOKA-BAU. Hieraus werden sämtliche Kosten der überbetrieblichen Ausbildung in den Ausbildungszentren bzw. Lehrbaustellen finanziert.
Der Ausbildungsbetrieb selbst bekommt für gewerbliche Auszubildende von SOKA-BAU die Ausbildungsvergütung im ersten Ausbildungsjahr für zehn Monate erstattet, im zweiten Ausbildungsjahr für sechs Monate und im dritten Ausbildungsjahr für einen Monat. Für technische und kaufmännische Auszubildende wird die monatliche Ausbildungsvergütung zehnmal im ersten und viermal im zweiten Ausbildungsjahr erstattet. Zusätzlich erhalten die Betriebe eine 20prozentige Pauschale als Erstattung für den Sozialaufwand.
Dr. Doetsch: "Ein wirklich intelligentes System, da die Erstattungsleistungen zu Anfang höher sind, wenn der Auszubildende viele Wochen an der überbetrieblichen Ausbildung teilnimmt und nicht zuletzt auch von seinem Ausbildungsstand her für seinem Ausbildungsbetrieb noch verhältnismäßig wenig von Nutzen ist."
Die Ausbildung (Stufenausbildung) in den Ausbildungsberufen dauert nach der Handwerksordnung in der Regel 36 Monate und gliedert sich in Phasen der betrieblichen Ausbildung, der überbetrieblichen Ausbildung und der Berufsschule.
244 überbetriebliche Ausbildungsstätten sichern Qualität
Mit der zunehmenden Automatisierung der Baustellen und dem damit verbundenen wachsenden Einsatz von technischen Geräten und Computertechnik in Baubetrieben jeder Größenordnung wandeln sich nicht nur die Anforderungen am Arbeitsplatz, sondern auch an die Ausbildung. Zum Vorteil von Auszubildenden und Baubetrieben wird eine qualifizierte Ausbildung auf einem hohen Niveau in 244 überbetrieblichen Ausbildungsstätten gewährleistet.
28.000 EUR Erstattung pro Bau-Azubi
SOKA-BAU erstattet Baubetrieben für einen gewerblichen Auszubildenden in den alten Bundesländern für drei Lehrjahre insgesamt rund 28.000 EUR (neue Bundesländer: 26.000 EUR). Davon gehen rund 14.000 EUR (neue Bundesländer: 12.000 EUR) direkt an den Ausbildungsbetrieb und decken dort einen erheblichen Teil der auszuzahlenden Ausbildungsvergütungen.
Weitere rund 14.000 EUR (alte und neue Bundesländer) decken Ausbildungskosten in überbetrieblichen Ausbildungszentren.
Für technisch/kaufmännische Bau-Azubis erhalten Baubetriebe in den alten Bundesländern rund 10.000 EUR (neue Bundesländer: rund 8.500 EUR).
164 Mio. EUR an Baubetriebe und 94 Mio. EUR an Ausbildungszentren
16.888 Betriebe bekamen 2003 für 38.440 Auszubildende von SOKA-BAU Ausbildungsvergütungen in Höhe von insgesamt 164 Mio. EUR erstattet. Zusätzlich zahlte SOKA-BAU 94 Mio. EUR an Ausbildungsstätten für die überbetriebliche Ausbildung.
Branchenvergleich: Mehr Ausbildungsstellen auf dem Bau
Die Ausbildungsquote (Zahl der Auszubildenden im Verhältnis zur Zahl der Gesamtbeschäftigten in der Branche) in der Bauwirtschaft ist mit 5,5 Prozent 2003 im Branchenvergleich nach wie vor überdurchschnittlich. Und dies trotz der langjährigen Rezession in der Baubranche. 38.440 Auszubildende waren 2003 bei SOKA-BAU gemeldet. Von diesen waren 90 Prozent gewerbliche Azubis und 10 Prozent technisch/kaufmännische. 25 Prozent von insgesamt rund 69.000 Baubetrieben haben 2003 ausgebildet.
Dr. Doetsch: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Baubereich die mit der Ausbildung verbundenen Lasten solidarisch von allen Unternehmen getragen werden. Die Übernahme der Kosten der überbetrieblichen Ausbildung und wesentlicher Teile der gezahlten Ausbildungsvergütungen senken die Schwelle für Ausbildung bzw. stellen einen Anreiz für mehr Ausbildung dar. Hiervon profitieren alle, auch die Betriebe, die nicht ausbilden. Ihnen werden nämlich von den Betrieben, die über den eigenen Bedarf ausbilden, gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung gestellt. Der jüngste Anstieg der Zahl der neuen Ausbildungsverträge macht deutlich, dass die Ausbildung im Bau weiterhin Zukunft hat. Sie ist zudem ein Indikator dafür, dass sich das von den Bau-Tarifvertragsparteien vor mehr als 25 Jahren geschaffene Umlagesystem bewährt hat."