Berlin - Hauptstadt der Lobbyisten / 40 Spitzenverbände siedeln sich an der Spree an
ZDF.MSNBC
(Verbandspresse, 03.09.1999 00:00)
(Berlin) - Mit dem Umzug von Regierung und Parlament ist Berlin nicht nur Zentrum der Politik, sondern auch Hauptstadt der Lobbyisten. Die Spreemetropole bekommt eine Stellung, wie sie bisher noch keine deutsche Stadt gehabt hat: Rund 40 Verbände und Spitzenorganisationen siedeln sich hier an.
Anschrift Berlin sind teilweise grundlegende Veränderungen bei den Organisationen verbunden. Die Versicherungswirtschaft zum Beispiel hat den Weggang von Köln zu einer Bündelung der Kräfte genutzt. Die zuvor getrennten Lebens- und Schadensversicherer sind nun unter dem Dach des Gesamtverbandes vereint. Nur noch die Privaten Lebensversicherer sind eigenständig.
Mehrere Organisationen bilden Wohngemeinschaften in gemeinsamen Häusern. In das Haus der Wirtschaft ziehen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT). Unter einem Dach können Synergieeffekte genutzt und Kosten gesenkt werden. Der BDI wird rund 155 Stellen in Berlin haben. Es wird nach Angaben des Pressesprechers Dieter Rath davon ausgegangen, dass etwa 70 Prozent der Mitarbeiter von Köln an die Spree mitgehen.
DER HANDEL UNTER EINEM DACH
Ferner gibt es ein Haus der Handels unter anderem mit dem Hauptverband des Einzelhandels, Hotel- und Gaststättenverband sowie Groß- und Außenhandelsverband. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks zog Mitte Juli von Bonn nach Berlin. Der Bundesverband Deutsche Banken hat seit April seinen Sitz in der Hauptstadt. Auf Grund der hohen technischen Anforderungen sei die Zahl der Stellen nicht gesenkt, sondern erhöht worden.
Der Umzug der Lobby geht vor allem zu Lasten der Städte Köln und Bonn. Auch Wiesbaden und Frankfurt/Main verlieren jeweils einen Verband. Der Ansiedlung von Regierung, Parlament, Botschaften und Lobby ist für Berlin ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Die Bankgesellschaft Berlin geht davon aus, dass durch die bis zu 15.000 Neu-Berliner eine Kaufkraft von jährlich 1,5 Milliarden Mark in die Stadt fließt. Unter dem Strich könnte das bedeuten, dass bis zu 21.000 Arbeitsplätze neu entstehen.
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