Qualität der Architektenausbildung gerät in Gefahr

Qualität der Architektenausbildung gerät in Gefahr

Vorstand der Architektenkammer Niedersachsen formuliert Mindeststandards

Hannover: Der Berufsstand der Architekten beobachtet mit Sorge, dass bei der Reform der Architekturstudiengänge die klassischen Kernkompetenzen von Architekten – Entwurf und Baukonstruktion – immer mehr an Bedeutung verlieren. Aus Sicht der Architekturbüros öffnet sich daher eine gefährliche Schere: Während die Ausbildungstiefe in den Kernbereichen reduziert wird, nehmen gleichzeitig die komplexen Anforderungen aus der Baupraxis und die berechtigten Ansprüche der Bauherren an die Architekten stetig zu. Der Vorstand der Architektenkammer Niedersachsen hat sich daher bei seiner Sitzung am 7. April 2005 ausführlich mit den neu entwickelten Studiengängen befasst. Er appelliert an die Verantwortlichen in den niedersächsischen Hochschulen, keine Schmalspurstudiengänge zu konzipieren, für deren Absolventen es in den Architekturbüros letztlich keinen Bedarf gibt. Auch die Politik darf sich bei diesem Thema nicht mit einem bloßen Hinweis auf die Autonomie der Hochschulen aus der Verantwortung verabschieden.

Zum einen wird die Entwicklung zunehmend spezialisierter Ausbildungsangebote von der Architektenkammer Niedersachsen kritisch beobachtet. Ein Architekt braucht das notwendige Basiswissen in Entwurf und in der Baukonstruktion, sonst kann eine Spezialisierung nicht sinnvoll anknüpfen, so Präsident Schneider. Die Frage, was nach dem Niedersächsischen Architektengesetz als Architekturstudium anzusehen ist, wird sich in Zukunft mehr und mehr stellen. Der Vorstand der Kammer hat daher Mindeststandards in einem Positionspapier zusammengefasst, das hier heruntergeladen oder in der Geschäftsstelle unter Tel.: 0511 28096-0 angefordert werden kann. Ziel muss es sein wegen der zunehmenden Komplexität der Anforderungen die hohe Qualität der Ausbildung zum Architekten zu gewährleisten.

Zum anderen sieht die Architektenkammer eine große Gefahr bei sechssemestrigen Bachelorstudiengängen, die den Studenten kaum die Zeit lassen, sich die notwendigen Fähigkeiten im Entwurf zu erarbeiten. Hierzu der Präsident der Architektenkammer Wolfgang Schneider: „In drei Jahren lässt sich das notwendige Rüstzeug für einen Architekten, Innen- oder Landschaftsarchitekten nicht vermitteln. Die Tatsache, dass auch die Anerkennung in anderen europäischen Ländern mindestens acht Studiensemester verlangt, zeigt, dass Kurzzeitstudiengänge nicht ausreichend sein können, um für den Beruf zu qualifizieren.“ Im Übrigen setzt auch eine Mitgliedschaft in der Architektenkammer Niedersachsen im Regelfall ein vierjähriges Vollzeitstudium voraus.


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