Aufwärtstrend im Tischlerhandwerk bestätigt

Aufwärtstrend im Tischlerhandwerk bestätigt
Positive Konjunktursignale in der ersten Jahreshälfte

Nordrhein-Westfalens Bürgerinnen und Bürger geben wieder mehr Geld für den Ausbau und die Einrichtung von Wohnungen und Häusern aus. Aber nicht nur die Privatverbraucher investieren. Auch Unternehmen mobilisieren verstärkt ihre Finanzmittel, um Gewerberäume, Läden und Büros neu auszustatten. Die kräftige Konsumbelebung macht sich bei den rund 8400 Tischlerbetrieben des Landes in höheren Auftrags- und Umsatzzahlen bemerkbar. In einer repräsentativen Konjunkturumfrage des Fachverbandes Holz und Kunststoff NRW unter seinen Mitgliedsbetrieben schätzen demzufolge auch 84 Prozent der Befragten die gegenwärtige Geschäftslage als gut (28,9 %) oder befriedigend (55,1 %) ein. Die positive Wende gegenüber dem Vorjahr wird vor allem deutlich daran, dass die Unternehmen mit der Note „gut“ um fast zehn Prozent zugenommen haben. Die spürbare Verbesserung beim Absatz von Tischlerprodukten und -dienstleistungen schlägt sich auch im branchenspezifischen Geschäftsklima-Index nieder. Gegenüber dem Herbst verbesserte er sich von 67,9 auf 83 Punkte. Dies ist der höchste Frühjahrswert seit 1992, als das Tischlerhandwerk nach vom Wiedervereinigungsboom profitierte. „Der Aufschwung, der nach mehrjähriger Durststrecke seinen Ausgang im Herbst letzten Jahres nahm, hat sich also offensichtlich stabilisiert“, zeigt sich Dieter Roxlau, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Holz und Kunststoff NRW erleichtert. „Lokomotive“ der Branchenkonjunktur ist dabei weiterhin der Möbel- und Innenausbau. In dieser Gruppe bezeichnen 41 Prozent der Unternehmen die gegenwärtige Situation als gut, nur jeder zehnte als schlecht.

Aufträge für 6,7 Wochen
Die gute Geschäftslage im NRW-Tischlerhandwerk zeigt sich insbesondere bei der Auftragsentwicklung. „Der saisonalen Konjunktur folgend sind zwar zum Beginn des Jahres Auftragsrückgänge zu verzeichnen gewesen. Im Vergleich zu den Vorjahren fallen diese aber erheblich geringer aus“, erläutert Roxlau. Statt zuletzt 35 bis 45 Prozent haben im Jahr 2000 nur noch 28,7 Prozent der Unternehmen mit Verlusten zu kämpfen gehabt. Mehr als die Hälfte (54,8 %) hat dagegen den hohen Auftragsbestand vom Herbst halten können. Entsprechend beständig sind die Auftragsreichweiten: Mit durchschnittlich 6,7 Wochen ist die Auftragsdecke gegenüber dem Herbst 1999 (6,9 Wochen) leicht gefallen, liegt aber über dem Frühjahrswert 1999 (6,6 Wochen). Positiv gegen den Saisontrend hat sich die Reichweite bei den Bautischlern von 5,2 im Herbst auf jetzt 5,8 Wochen entwickelt. Ebenfalls leicht zulegen konnten die Gemischtfertiger auf 6,3 Wochen (Herbst ’99: 6,0). Zurückgefallen, aber mit 7,6 Wochen nach wie vor am besten ausgelastet sind die Unternehmen im Möbel- und Innenausbaubereich.
Erkennbar ist, dass die Betriebe, die ausschließlich oder zum Teil von der allgemeinen Baukonjunktur abhängig sind und in den letzten Jahren sehr unter deren Schwäche gelitten haben, aufgeholt haben. So bezeichnen zum Beispiel drei viertel aller Bautischlereien im Frühjahr 2000 ihre Geschäftslage als befriedigend oder besser. Noch vor einem Jahr galt dies nur für jeden zweiten Betrieb.

Umsätze gestiegen
Fortgesetzt hat sich in der ersten Jahreshälfte 2000 der Trend, dass mit der Größe des Unternehmens die Geschäftslage rosiger wird. 45 Prozent der Großbetriebe im Tischlerhandwerk mit mehr als 20 Mitarbeitern geben dem Geschäftsverlauf eine gute Note – mehr als im Herbst 1999 und so viele wie in keiner anderen Größenklassen. Bei den kleineren und mittleren Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten fällt das Urteil weit zurückhaltender aus, nur rund ein Viertel sieht sich in guter geschäftlicher Lage.
Dem saisonalen Auf und Ab der Konjunktur entsprechend ist der Umsatz gegenüber Herbst 1999 gesunken. Gegenüber den Vorjahren ist aber die Zahl der Unternehmen, die über gleichbleibende oder sogar gestiegene Umsätze mit 66,1 Prozent (Frühjahr ’99: 54,7 %) berichten, deutlich höher.
Für den Verbraucher erfreulich ist das stabile Preisniveau für Tischlerarbeiten. Knapp 70 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie keine Preissteigerungen vorgenommen haben. „Für viele Unternehmen bleibt aber die Schere problematisch, die sich zwischen Verkaufs- und Einkaufspreisen öffnet“, verweist der Verbandsgeschäftsführer auf die Kehrseite. Eigene höhere Einkaufspreise bei Materialien und Waren, die jeder zweite Betriebsinhaber anführt, haben lediglich rund 10 Prozent an den Kunden weitergegeben.

Keine Entwarnung für den Arbeitsmarkt
Die schwachen Erlöse hatten daher auch kaum Steigerungen bei den Investitionen zur Folge. 16,8 Prozent der Unternehmen berichten, dass die Ausgaben für Maschinen, Anlagen und Gebäude erhöht wurden. Über die Hälfte aller Betriebe meldet ein konstantes Investitionsvolumen. Dabei dominiert der Ersatz für veraltete oder defekte Technik mit 72,3 Prozent eindeutig das Investitionsverhalten der Tischlerbetriebe.
Einen Makel hat der jüngste Konjunkturaufschwung: Er hat noch nicht zu einem Stopp in der Abwärtsentwicklung bei den Beschäftigten geführt. Nachdem Ende 1993 noch 70.527 Beschäftigte im NRW-Tischlerhandwerk gezählt wurden, ist die Zahl Ende 1999 nach LDS-Angaben auf 52.163 abgerutscht. Die Konjunkturumfrage spiegelt diesen weiteren Stellenabbau wider. Es haben nämlich deutlich mehr Unternehmen Personal abgegeben (23,0 %) als neu eingestellt (7,0 %). Und es besteht auch noch kein Anlass zur Entwarnung, denn nur 8,1 Prozent rechnen mit steigenden Mitarbeiterzahlen. Das Vertrauen in eine konjunkturelle Belebung ist demnach noch nicht groß genug, um dauerhaft Impulse auf dem Arbeitsmarkt zu setzen.

Aus der Talsohle heraus?
Trotz dieser Zurückhaltung der Betriebsinhaber in punkto Beschäftigungssituation deutet sich an, dass das Jahr 2000 die Tischlerbetriebe aus der Talsohle herausführen könnte. Mehr als ein Viertel aller Befragten (27,7 %) prognostizieren eine Verbesserung der allgemeinen Geschäftslage und noch mal knapp 60 Prozent gehen von einem stabilen Geschäftsverlauf aus. Und immerhin jeder sechster Betrieb macht sich begründete Hoffnung auf steigende Verkaufspreise.
„Festzuhalten bleibt, dass die aktuelle Konjunkturstimmung im nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerk so freundlich ist wie schon seit Jahren nicht mehr. Das bezieht sich sowohl auf die aktuelle Wirtschaftslage als auch auf die Geschäftserwartungen. Die kräftigen Zuwächse bei den Auftragsbeständen und der Umsatzentwicklung vom Herbst 1999 konnte in weiten Bereichen bis ins neue Jahr hinein gehalten werden“, so Dieter Roxlau.
Als Gewinner aus der Konjunkturbelebung gehen vorrangig die spezialisierten Tischlerbetriebe (Innenausbau, aber auch Messebau und Zulieferer der Möbelindustrie) hervor und sowie die größeren Unternehmen mit 10 und mehr Mitarbeitern.