Bauingenieure starten wenig vorbereitet ins Berufsleben

Bauingenieure starten wenig vorbereitet ins Berufsleben
Kommentar von Gerhard Bach, Vizepräsident der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB)
11.04.2005

An Deutschlands Bau-Universitäten und Fachhochschulen erhalten die Studenten zwar eine hervorragende theoretische Ausbildung, auf die Arbeit in der Praxis sind sie aber zu wenig vorbereitet. Diese Meinung vertritt Gerhard Bach, Vizepräsident der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB), der vor dem Hintergrund eines vierzigjährigen Berufslebens in Führungsfunktionen in der Bauwirtschaft vor kurzem erstmals an der TU Kaiserslautern dozierte. "Gut ist die fundierte bauwirtschaftliche Fachausbildung. Deutsche Ingenieure und Wissenschaftler sind deshalb international geachtet und gesucht. Schlecht ist jedoch die nicht ausreichende Vorbereitung auf die Berufswelt. Die Absolventen unserer Unis wissen häufig nicht, was sie beim Eintritt in das reale Berufsleben erwartet und wie sie sich und ihre Arbeit sinnvoll organisieren", bemängelt Bach.Junge Menschen hätten deshalb zu Beginn ihrer Berufspraxis oft Schwierigkeiten, die komplexen Bedingungen, die in den verschiedenartigen Gesellschaften und Unternehmen herrschen würden, zu begreifen. Vielschichtige Strukturen und ein nicht selten schwer zu durchschauendes Netzwerk zwischen den Mitarbeitern eines Unternehmens und dessen Hierarchien seien für die Berufsanfänger oft Stolpersteine, so Bach. Schmerzhafte Erfahrungen, mitunter auch Demotivation, seien die Folge der ersten Berufsjahre. Manch junger Mensch scheitere sogar daran.

"Solche Erfahrungen können verhindert werden, wenn Studenten vor dem Eintritt in das Berufsleben richtig vorbereitet werden", erklärt Bach. Zu den Vorbereitungen gehört für ihn die Bewußtmachung einer gezielten Lebens- und Karriereplanung, die Unterrichtung in persönliche Arbeitstechniken, strategisches Denken und Handeln sowie die Wissensvermittlung über den richtigen Umgang mit der kostbaren Zeit bis hin zur Weitergabe von Informationen über die komplexen Strukturen verschiedener Unternehmensformen.

Diese Ansicht vertritt auch Professor Dr. Jürgen Schnell von der Universität Kaiserslautern. "Wir sind es unserem jungen Nachwuchs schuldig, ihn nicht nur fachspezifisch umfassend auf den Berufsweg vorzubereiten! Lassen Sie uns deshalb aus dem Kreis erfahrener und gestandener Baupraktiker eine Initiative entwickeln, um deren umfangreiche Erfahrungen an den Nachwuchs weiter zu vermitteln, schlug der ehemaliger Kollege von Bach vor.

Bereits im Wintersemester 2004/2005 gelang es, den Appell von Schnell umzusetzen. Seinen Absolventen des Bauingenieurstudiums an der TU Kaiserslautern bot er mit dem Bauexperten Bach als Dozent ein Ganztagsseminar unter der Überschrift "Lebens- und Karriereplanung" an.

Im voll besetzten Seminarraum an der TU Kaiserslautern konnte Bach über einen weitgespannten bauwirtschaftlichen Themenkreis berichten. Begeisterung und Dankbarkeit bei den Studenten und Lehrpersonen waren das Ergebnis der Veranstaltung. Die Diskussion mit den Teilnehmern des Seminars verdeutlichte, wie wissbegierig die jungen Menschen sind. Sie sind sehr daran interessiert für sie bisher auch ungewohnte Themen aufzunehmen, so lautetet das allgemeine Resümee. Das Seminar hat gezeigt, dass zu den vorgetragenen Inhalten ein hoher Handlungs- und Lehrbedarf an den Bau-Universitäten und Fachhochschulen bestehe. "Die Universität Kaiserslautern hat dieses Defizit erkannt und mit dem Seminar eine Lösung dazu gefunden. Sie ist damit Vorreiter auf dem so wichtigen Gebiet des Berufseinstiegs", erklärte anschließend Schnell.

Es komme jetzt darauf an, dass sich auch andere Hochschulen dieses Themas annähmen. Den Nutzen hätten dann nicht nur der Bauingenieur-Nachwuchs, sondern auch die Bauunternehmen sowie alle am Bau beteiligten Institutionen. "Das erste Seminar war ein voller Erfolg und wird mit Sicherheit fortgesetzt!" verkündete Schnell nach der gelungenen Veranstaltung.

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