Befristete Beschäftigung in Europa eher die Ausnahme

Befristete Beschäftigung in Europa eher die Ausnahme
Statistisches Bundesamt

(17.11.2004 10:07)

(Wiesbaden) - In der Europäischen Union (EU) hatten im Frühjahr 2003 12,8 Prozent aller abhängig Beschäftigten einen befristeten Arbeitsvertrag; dieser Anteil ist genauso hoch wie fünf Jahre zuvor. In Deutschland lag die Zahl der befristet Beschäftigten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2003 bei 12,2 Prozent und somit knapp unter dem Durchschnitt der 25 EU-Staaten.
Die Spannweite des Anteils befristeter Beschäftigung innerhalb der EU ist sehr groß: Sie reicht von 3,0 Prozent in Estland bis hin zu 30,6 Prozent in Spanien. Gründe für diese Unterschiede sind in erster Linie historisch unterschiedlich gewachsene Beschäftigungskulturen und Arbeitsmarktpolitiken. So sind in Spanien befristete Arbeitsverträge sehr verbreitet, weil sie für die Arbeitgeber ein legales Mittel darstellen, den relativ strikten Kündigungsschutz zu umgehen.

In kaum einem Land der EU hat der Anteil befristeter Beschäftigter innerhalb der letzten fünf Jahre wesentlich zugenommen. Eine Ausnahme stellt Polen dar, dessen Anteil von 5,2 Prozent im Jahr 1998 stetig gestiegen ist auf 18,9 Prozent im Jahr 2003.

Befristete Arbeitsverträge sind vor allem unter jüngeren Beschäftigten verbreitet. So hatten im Frühjahr 2003 EU-weit 37,0 Prozent der 15- bis 24-jährigen Arbeitnehmer einen befristeten Vertrag, während dies nur auf 10,5 Prozent der 25- bis 49-Jährigen und auf 5,9 Prozent der 50- bis 64-Jährigen zutraf. Aber auch in der jüngsten Altersgruppe lässt sich in den letzten Jahren keine signifikante Zu- oder Abnahme des Anteils befristeter Beschäftigungsverhältnisse beobachten.

Die hier vorgestellten Ergebnisse stammen aus der europäischen Arbeitskräfteerhebung, die in allen Mitgliedsstaaten mindestens einmal jährlich in vergleichbarer Weise durchgeführt wird. Die Arbeitskräfteerhebung misst Erwerbstätigkeit und Erwerbslosigkeit nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), das auf Grund seiner großen Verbreitung und seiner Unabhängigkeit von nationalen Regelungen besonders gut für internationale Vergleiche der Erwerbsbeteiligung geeignet ist. Als abhängig beschäftigt im Sinne dieses Konzeptes gilt, wer über 15 Jahre alt ist und in einem Arbeitsverhältnis mit mindestens einer Stunde geleisteter Arbeitszeit je Woche steht.

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