BIBB und VLW für mehr Durchlässigkeit und Transparenz bei

Wer heute Kaufmann oder Kauffrau werden will, hat mehrere Möglich-
keiten zur Auswahl: Er oder sie kann den Weg über die duale Aus-
bildung und berufliche Weiterbildung wählen, eine berufliche Voll-
zeitschule besuchen oder zur (Fach-)Hochschule gehen. Die Bildungs-
gänge lassen sich auch kombinieren, nur - und hier liegt das
Problem - die aufnehmenden Bildungseinrichtungen interessieren sich
häufig nicht für die bereits erworbenen Kompetenzen der Bewerber und
Bewerberinnen. Angehende Kaufleute stehen somit vor der wenig er-
mutigenden Tatsache, dass sie grundlegende gleiche Inhalte immer
wieder neu lernen müssen.„Dieser teilweise doppelte Erwerb von Wissen und die damit ver-
bundene Vergeudung von Lernzeiten und -kapazitäten ist bildungs-
politisch und wirtschaftlich nicht mehr tragbar“, so
Prof. Dr. Reinhold Weiß, Ständiger Vertreter des Präsidenten und
Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)
auf einer Fachtagung in Bonn, die sich mit der aktuellen Situation
und den Perspektiven der kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen
Berufsbildung beschäftigte.

Die vom BIBB gemeinsam mit dem Bundesverband der Lehrerinnen und
Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW) ausgerichtete Konferenz, an der
Expertinnen und Experten aus Schule, Berufsbildung, Hochschule und
Forschung teilnahmen, stand unter dem Motto „Innovationen in der
kaufmännischen Berufsbildung!?“.

In Deutschland, so Prof. Dr. Weiß weiter, müsse weit mehr für die
Durchlässigkeit zwischen schulischer, beruflicher und hoch-
schulischer Bildung getan werden. In allen Bildungsbereichen mangele
es an transparenten Zulassungsbedingungen und Anrechnungs verfahren
für anderweitig erworbene Kompetenzen. „Deutschland braucht ein
Bildungssystem, das offen ist für ein Weiterlernen, für Umstiege und
Neuorientierungen.“

Dr. Wolfgang Kehl, Vorsitzender des VLW, mahnte durchdachte Konzepte
an, die zur zukunftsgerechten Gestaltung der kaufmännischen Bildung
beitragen. „Ziel einer Modernisierung der dualen Ausbildung muss es
sein, eine Konkurrenz zu den Bachelor-Abschlüssen herzustellen sowie
Karrieren in Unternehmen und den Weg in die Selbstständigkeit zu er-
öffnen.“ Im härter werdenden Wettbewerb um Bildungsteilnehmer und
-teilnehmerinnen müssten, so Weiß und Kehl übereinstimmend, alle
Bildungsanbieter die gleichen Chancen haben, aber auch einheitlichen
Qualitätsansprüchen genügen.

BIBB und VLW sprachen sich gegen eine weitere Zersplitterung von
kaufmännischen Branchenberufen - mit zum Teil sehr niedrigen Aus-
zubildendenzahlen - aus. Vorgeschlagen wurde stattdessen ein „Leit-
bild für die kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Berufsbildung“,
das die Rolle der Kaufleute in einem prozessorientierten Arbeits-
umfeld beschreibt und gemeinsame Kernkompetenzen benennt. Es gebe
bereits heute innovative Ansätze und Beispiele für eine gemeinsame
Basis der kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Berufe, die zu-
gleich Spielräume für branchen- und betriebsspezifische Anforder-
ungen ermöglichen. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse
sollen nun Wege und Möglichkeiten für neue Strukturkonzepte ent-
wickelt, ausprobiert und begleitet werden.

Eine Online-Dokumentation der Fachtagung finden Sie im
Internet-Angebot des BIBB unter www.bibb.de/de/28496.htm

Der Tagungsband „Innovationen in der kaufmännischen Berufsbildung!?“
wird in Kürze als Heft 55 innerhalb der Sonderschriftenreihe des
VLW erscheinen. Bestellungen richten Sie bitte per E-Mail
an: vlw-bund@vlw.de

Inhaltliche Auskünfte erteilt:
Rainer Brötz, Leiter des Arbeitsbereichs „Kaufmännische Dienst-
leistungsberufe und Berufe der Medienwirtschaft“ im BIBB,
Tel.: 0228 / 107-2421; E-Mail: broetz@bibb.de

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