China Connection

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So stand sie jahrelang im Keller, die Kommode: Modell "Michael", massives Eichenholz, sehr solide und sehr deutsch. Eine Hinterlassenschaft von Onkel Georg, nur noch als Aufbewahrungsort für Krimskrams im Einsatz. Bis die Idee auftauchte, dem guten Stück durch eine neue Lackierung eine "zweite Chance" zu geben.Zunächst kam aber die Säge dran: Mit zwei glatten Schnitten wurden die Fußknubbel abgetrennt und der "stilvoll" geschwungene Abschluss am Korpus verschwand ebenfalls. Die gedübelten und angeleimten Holzgriffe der Schubladen ließen sich mit leichten Schlägen links und rechts ohne Mühe lockern und herausziehen.

Nach diesen Vorbereitungen wurde die Kommode mit feinem Schmirgelpapier abgeschliffen, sorgfältig entstaubt und dann mit Vorlack gestrichen. Nach dem Trocknen wurde dünn und gleichmäßig in raschen Zügen Kunstharzspachtelmasse aufgetragen, um die charakteristischen Eichenholzporen zu füllen und eine absolut glatte Oberfläche zu erzielen. Anschließend wurde das Möbelstück zum Trocknen 24 Stunden in Ruhe gelassen. Dann folgte der unangenehmste Arbeitsschritt - das sorgfältige Schleifen aller bearbeiteten Partien. Eine sehr staubige und schweißtreibende, aber unumgängliche Prozedur.

Nächster Schritt: Der zweite Voranstrich. Um optimale Voraussetzungen für den letzten Arbeitsgang zu schaffen, wurde der Vorlack jeweils mit einer Abtönfarbe gemischt, die bereits in die Richtung der endgültigen Kolorierung zielte. Nach dem Trocken musste erneut geschliffen werden, diesmal aber nur noch ein wenig, um dem Endlack eine gute Haftung zu ermöglichen.

Das Finish: Für den Korpus wurde ein sattes Schwarz gewählt, für die Fronten der Schubladen ein tiefes, glutvolles Rot, wie man es von der traditionellen Lackkunst der Chinesen kennt. Bei der Lackart fiel die Entscheidung für einen Kunstharzlack (Alkydharzlack), weil er eine härtere, hochglänzende Oberfläche erzeugt. Im Hinblick auf die Farben rot und schwarz hätte es ein Acryllack auch getan. Der Vorteil: Er trocknet schneller und ist umweltschonender, weil er deutlich weniger Lösemittel enthält, und die Pinsel lassen sich einfach mit Wasser reinigen.

Endlich fertig. Zugegeben - es war viel Arbeit, aber die Mühe hat sich gelohnt und auch Spaß gemacht. Nachdem die neuen Messinggriffe für die Schubladen angeschraubt waren, bekam die Kommode einen neuen Platz und erinnert nicht mehr an Onkel Georg. Die zweite Chance.