Lehm - was ist das ?
In früheren Zeiten galt Lehm und alle mit Lehm kombinierten Baustoffe als einer der typischen und am häufigsten verwendeten Baustoffmaterialien und zeichnete sich durch seine dauerhafte Beständigkeit aus. Die in früheren Zeiten gebauten Fachwerkhäuser bestanden aus einem Holzfachwerk, dessen einzelne Fächer zunächst mit dickeren Hölzern ausgestattet wurden. Diese Hölzer wurden dann mit flexiblen und biegsamen Weidenruten miteinander verwebt. Anschließend wurde diese Konstruktion mit Strohleichtlehm beworfen. Abschließend erhielten die Fächer einen geglätteten Oberflächenanstrich. In der heutigen Zeit wird Strohleichtlehm bei der Renovierung oder Sanierung von Fachwerkhäusern empfohlen. Das Mischungsverhältnis Leichtlehm zu Stroh wird so bemessen, dass das Leichtlehmgewicht geringer als 1200 kg pro Kubikmeter ist. Strohleichtlehm findet sich bei seiner Verwendung als Baustoff häufig als Dämmstoff.
Eine Dämmstärke von 25 bis 30 cm Dicke erreicht die gleichen Isolationswerte wie eine Ziegelwand, die aus einem 24er Hochlochziegel und 50 mm Styropordämmung besteht. Wenn man die Strohleichtlehm-Variante anwenden kann und die entsprechende Konstruktion des Hauses/der Innenwände dieses zulässt, sollte man dieser Variante aus bauphysikalischen und harmonischen Gründen den Vorzug geben. Selbst bei der Anwendung in feuchten Räumen, wie beispielsweise dem Bad, hat sich die Verarbeitung von Strohleichtlehm und Lehm durch seine positiven Eigenschaften bewährt. Gipskartonplatten, die häufig bei der konventionellen Innendämmung zur Verwendung kommen, haben speziell beim Einsatz in Fachwerkhäusern zur Folge, dass es weder eine Feuchtigkeitsabgabe noch Feuchtigkeitsaufnahme gibt. Es bilden sich Schimmelpilze und Stockfäule, die eine Zerstörung der einzelnen Fachwerkbalken zur Folge haben können. Strohleichtlehm hingegen sorgt für einen funktionierenden Feuchtigkeitshaushalt und ist außerdem aufgrund seiner Weichheit sehr anpassungsfähig. Er passt sich den natürlichen Bewegungen des Holzes an, was die Rissbildung verhindert. Außerdem besitzt Strohleichtlehm eine hohe wärmedämmende Wirkung und sorgt für ein gesundes Wohnklima, indem auch die Luftfeuchtigkeit nahezu konstant bleibt. Durch den molekularen Aufbau der einzelnen Tonpartikel können Schadstoffe gebunden, und wie schon erwähnt, die Luftfeuchtigkeit geregelt werden. Lehm ist in der Lage, schnell Feuchtigkeit aufzunehmen und schnell wieder abzugeben.
Die trockene und meist von vielen Staubpartikeln durchsetzte Zentralheizungsluft ist in derart gestalteten Räumen daher unbekannt. Die Verwendung von Leichtstrohlehm bedeutet gleichsam aber auch sparsames und ökonomisches Bauen. Strohleichtlehm wird dadurch, dass sein Vorkommen in der Natur sehr verbreitet ist, zu einem Baustoff, dessen Produktion keine Schadstoffe oder Abfallprodukte hinterlässt, ganz im Gegensatz zur heutigen gebräuchlichen Bauweise aus Beton, Ziegeln und Styropor. Sehr zum Vorteil der Ökologie hat sich die Strohleichtlehm-Variante auch heute einen Platz in der Bauweise zurückerobert. Selbstverständlich wurden auch für den Strohleichtlehm DIN-Normen entwickelt, der z. B. die Zuschlagstoffe, die organischen Ursprungs sein sollten, regelt. Als "Organische Zuschlagstoffe" versteht man Raps, Unkraut, Gräser, Spreu, Fichtennadeln oder Kiefernnadeln sowie natürlich Getreidestroh.



