Das städtische Wohnen der Zukunft:

Das städtische Wohnen der Zukunft:

Qualität und Raum für Individualität

Wie wohnen wir in der Stadt der Zukunft? Darüber diskutierten rund 100 Experten aus Wissenschaft, Architektur, Städteplanung und Kommunen am 17. Oktober auf einem Symposium der LBS Zukunftswerkstatt in Braunschweig. Schwerpunkt: Die neuen Anforderungen an moderne Stadtentwicklung vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Eine im Vorfeld der Veranstaltung von der GfK im Auftrag der LBS durchgeführte Umfrage zeigt: Die vordringlichen Wünsche an das Wohnumfeld, nämlich Einkaufsmöglichkeiten, Freizeit- und Kulturangebote sowie gut erreichbare Arbeits- und Ausbildungsplätze sprechen für das Wohnen in der Stadt. Aus Sicht der Kommunen erläuterte Ullrich Sierau, Stadtbaurat in Dortmund, eine zentrale Herausforderung: „Es müssen Angebote geschaffen werden, die Wohnwünsche auslösen. Dabei wird die Qualität zum Standortfaktor“. „Viele ‚Stadtflüchtlinge’ wären lieber in der Stadt geblieben, wenn Wohnangebot und Umfeld gestimmt hätten“, so Dr. Hans-Ulrich Gruß, Westdeutsche Landesbausparkasse, in seinem Einführungsreferat. Denn: Einkaufsmöglichkeiten und ein breites Freizeit- und Kulturangebot sind für viele Befragte und vor allem für die Älteren nach einer aktuellen GfK-Umfrage von zentraler Bedeutung. Auch für Familien wird die Stadt immer interessanter. Eltern ist es sehr wichtig, dass Kindergarten oder Schule gut erreichbar sind. Überraschend: Mit 83 zu 72 Prozent beurteilen die befragten Familien die Spielmöglichkeiten für Kinder in Mittelstädten (20.000 bis 30.000 Einwohner) besser als auf dem Land.

Der Strukturwandel einer Stadt spiegele sich im Wohnen widerspiegelt, betonte Ullrich Sierau, Stadtbaurat aus Dortmund: „Es müssen deshalb Angebote geschaffen werden, die Wohnwünsche auslösen. Dabei wird die Qualität im Vordergrund stehen und die Nachfrage den Markt regulieren.“

Generation 55plus und Familien mit Kindern

Stefan Hradil, Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz über die künftige Generation 55plus: „Die Lebensstile sind verschieden und die Lebensläufe eher unstet. Die künftig Älteren tragen Turnschuh oder Krawatte und hören Bach oder Hard Rock.“ Trotz dieser individualisierten Werthaltungen geben mehr als zwei Drittel der Bevölkerung das Ein- und Zweifamilienhaus als „ideales Zuhause“ an. Das liegt nach Ansicht des Soziologen daran, dass Ihnen „nur wenig greifbare Alternativen vor Augen stehen“.

Die Familie wurde von der städtischen Politik lange Zeit für die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt als nachrangig betrachtet, betonte Wassilios E. Fthenakis, Doyen der Familienforschung in Deutschland und derzeit Professor an der Freien Universität Bozen: „Die Zeit- und Raumqualität von Familien ist daher eine Herausforderung für die Stadtplanung“. Vor allem die Lage von Dienstleitungszentren und Wohnräumen müsse neu strukturiert werden für mehr Familienfreundlichkeit.

Städteplanung und Architektur

Walter Stamm-Teske, Professor an der Bauhaus-Universität Weimar, sieht in dem Wunsch nach dem klassischen, freistehenden Einfamilienhaus eigentlich eine Angst vor Kommunikation. „Besser ist eine dreidimensionale offene Bauweise und Asymmetrie“, so der Architekt. Zudem sei die zukünftige Stadt ohnehin keine neue, sondern eine neu entdeckte Stadt.

Florian Mausbach, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) sprach mit Bezug auf die Uneinheitlichkeit der städtischen Bebauung von einer teilweisen „Verlotterung der Architektursprache“.

Einen Eindruck von der Architektur der Stadt der Zukunft vermittelte die erweiterte Ausstellung LBS-Stadthaus im Zentrum zu Hause. Neben den von Professor Walter Stamm-Teske und Professor Klaus Theo Brenner entwickelten Stadthaus-Typologien wurden die Siegerentwürfe des LBS-Bundeswettbewerbs „Stadthäuser und Stadtwohnungen kostengünstig und qualitätsbewusst“ präsentiert.

Weitere Eindrücke vom Symposium sowie die Vorträge der Referenten finden Sie auf www.lbs.de/symposium.

Die Attraktivität der Innenstädte erhalten und den Fortzug aus der City stoppen: Die überarbeitete Ausstellung „LBS-Stadthaus im Zentrum zu Hause“ zeigt neue Wege für das „Wohnen in der Stadt“ auf