Dinge, die man braucht

Dinge, die man braucht
„Galerie im Haus des Tischlerhandwerks“ zeigt exquisite Drechslerarbeiten

Gedrechselte Objektdosen, Schalen, Spiele, Schmuck und Schreibtischutensilien von Heinrich Andreas Schilling werden 28. November 2001 bis 18. Januar 2002 in der „Galerie im Haus des Tischlerhandwerks“ in Dortmund zu sehen sein. Mit den aktuellen Arbeiten des renommierten Kunsthandwerkers aus der Pfalz setzt der Fachverband Holz und Kunststoff Nordrhein-Westfalen die Reihe von Ausstellungen in seiner neu gestalteten und erweiterten Verbandsgeschäftsstelle fort.Der 49-jährige Drechslermeister hat sich zum Ziel gesetzt, „Dinge zu fertigen, die man braucht“. Seine vielen Einzelanfertigungen und Kleinserien werden aber nicht nur diesem funktionalen Anspruch gerecht. „Ich bemühe mich um scheinbar einfache Objekte mit einem eigenen und unaufdringlichen Charakter, die – auch formal – langlebig sind“, beschreibt er seine Arbeit. Durch geeignete Techniken und sorgfältige Materialauswahl strebt Schilling nach einem „dem jeweiligen Zweck entsprechenden Zusammenspiel von Material und Form“. Insbesondere im Umgang mit dem „schönen und wertvollen Werkstoff“ Holz zeigen sich Schillings Kunstfertigkeit, Erfahrung und Fingerspitzengefühl. In der Vielfalt der eingesetzten Holzarten legt er sich kaum Beschränkungen auf. Pflaume, Ahorn, Buchsbaum, Eibe, Robinie, Mooreiche – die Liste ließe sich beliebig weiterführen. „Normale“ Hölzer, die durch Maserbildung, Fehlwuchs oder Fehlfarbe zu echten Raritäten werden, gehören ebenso dazu wie „kostbare“ Fundstücke. Diese aufzuspüren, auszuwählen und dann sehr gezielt zu bearbeiten, verlangt Geduld, Sorgfalt und Liebe, über die Heinrich Andreas Schilling überreichlich verfügt.
Die Stärke seiner Arbeiten ergibt sich aus der gegenseitigen Ergänzung von Unikat und Serie, Auftrags- und Lagerproduktion. „Einzelstücke, Unikate sind gewissermaßen die Forschungsabteilung meiner Werkstatt. Formal, beim Materialeinsatz und technisch wird hier immer wieder Neuland betreten.“ Die gemachten Erfahrungen flössen in die Serienproduktion ein. Ähnlich sei auch das Verhältnis zwischen Auftragsarbeit und „freier Arbeit“: einerseits eingebunden in die Wünsche und Anforderungen des Kunden, andererseits das freie, ungebundene Einbringen aller Kreativität bildeten ein anregendes Wechselspiel.
Schilling wendet sich gegen den Glauben an eine „grenzenlosen Machbarkeit“. Kritisch sieht er vor allem manche neuen Fertigungstechnologien, die dazu führten, dass in immer kürzerer Zeit Produkte hergestellt würden, die in noch weniger Zeit konsumiert und verschlissen werden. Die formalen Mittel würden „immer plakativer und marktschreierischer“. Der Drechslermeister setzt dagegen auf zurückhaltende Formen. Ganz aus Material, Technik und Funktion bis ins Detail entwickelt, wirken seine Arbeiten dennoch nicht banal.
Heinrich Andreas Schilling wurde 1952 in Worms geboren. Seine Drechslerausbildung schloss er 1976 mit der Meisterprüfung ab, im gleichen Jahr beendete er sein Studium an der Fachhochschule Hildesheim mit dem Abschluss als Diplom-Designer. 1977 begann er mit dem Aufbau seiner eigenen Werkstatt in Grünstadt. Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen und Messen begleiten seither sein Schaffen, das durch bedeutende Staats- und Förderpreise ausgezeichnet wurde. Teile seiner Arbeiten wurden von verschiedenen Museen angekauft.
Die laufende Ausstellung in der Kreuzstraße 108 ist geöffnet montags bis freitags von 8:00 bis 17:00 Uhr.

Forum für den Dialog
Das „Haus des Tischlerhandwerks“ setzt nicht nur durch die einprägsame Architektur äußerlich sichtbare Zeichen. „Es soll auch dazu dienen, inhaltlich in einen kontinuierlichen Dialog untereinander, aber vor allem auch mit der Öffentlichkeit einzutreten“, betont der Verbandsvorsitzende Alfred Jacobi. „Wie wenige andere Gewerke ist das Tischlerhandwerk in die Gestaltung unserer Wohn- und Lebenswelten einbezogen und insofern darauf angewiesen, Impulse, die zu Veränderungen von Wertvorstellungen und Lebensgewohnheiten führen, wahrzunehmen und in die eigene kreative Arbeit einzubinden.“ Dafür bedürfe es eines regelmäßigen Dialogs mit allen, die diesen Prozess beeinflussen. Die "Galerie im Haus des Tischlerhandwerks" wolle dafür ein Forum bieten.
Regelmäßige Ausstellungen, nicht nur von gestaltenden Handwerkern, sondern insgesamt aus dem Bereich der Alltagskultur, aber auch von freischaffenden Künstlern, sollen sensibilisieren, sollen Themen aufspüren und vorgeben, sollen die Diskussion anregen. Darüber hinaus will die Galerie sich einbinden in das Netzwerk der kulturellen Veranstaltungen in Dortmund und im Umfeld, will beitragen zur Bereicherung der kulturellen Landschaft.