Eigenkapitalbildung im Mittelstand erleichtern

Eigenkapitalbildung im Mittelstand erleichtern
Mitgliederversammlung diskutierte Kapitalversorgung der Klein- und Mittelbetriebe

Der „Königsweg zur Eigenkapitalbildung“ im Mittelstand, nämlich die Selbstfinanzierung, kann aufgrund des „überstarken Steuer- und Abgabendrucks“ immer weniger beschritten werden. „Das zu ändern, ist die entscheidende Aufgabe der Unternehmenssteuerreform“, forderte Dr. Thomas Köster, Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags (NWHT), vor rund 140 Delegierten des nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerks.Die Kapitalversorgung der Klein- und Mittelbetriebe stand im Mittelpunkt der Diskussion auf der Frühjahrs-Mitgliederversammlung des Fachverbands Holz und Kunststoff NRW in Meschede. Anlass dazu bietet das weiter sinkende Eigenkapital der Betriebe. Im vorigen Jahre 1999 hatte zum Beispiel jeder zehnte nordrhein-westfälische Handwerksbetrieb eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent seiner Bilanzsumme.
Angesichts unzureichend möglichen Selbstfinanzierung sind die Unternehmen hochgradig auf den Firmenkredit angewiesen. Der wird allerdings immer teurer, die privaten Großbanken ziehen sich tendenziell zurück aus dem Geschäft mit Klein- und Mittelbetrieben, kritisiert der NWHT-Geschäftsführer. Dies könne zur „Stunde der Sparkassen und Genossenschaftsbanken“ werden, die bereits zu 80 Prozent die Firmenkredite für die mittelständischen Betriebe zur Verfügung stellen. Diese Säule des deutschen Kreditgewerbes sei „für Handwerk und Mittelstand gerade heute unverzichtbarer denn je“. Voraussetzung sei nach Kösters Ansicht, dass sie sich ihrem „Gründungsauftrag wirklich verpflichtet fühlen“.

„Fehlleitung der Kapitalströme“
Als die Kehrseite des Rückzugs der Privatbanken wertete Dr. Köster den „Vormarsch der öffentlichen Kredithilfen“. Die Förderprogramme stoßen auf wachsende Nachfrage, die sehr positive Wirkungen sind unbestritten. Aber: „Viele dieser Hilfen wären dann entbehrlich, wenn derselbe Staat, der mit diesen Programmen Gutes tut, nicht vorher und gleichzeitig durch seinen starken Steuer- und Abgabendruck die Eigenkapitalbildung über Selbstfinanzierung stark beeinträchtigte.“ Umso bedenklicher sei die steuerliche Privilegierung der Kapitalversorgung börsennotierter Unternehmen in Deutschland bei gleichzeitiger „Diskriminierung der mittelständischen Kapitalversorgung“. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für inhabergeleitete Unternehmen führten zu einer „Fehlleitung der Kapitalströme“ weg von Investitionen in den Kapitalstock des gewerblichen Mittelstandes und hin zu Investitionen in die Expansion großer Kapitalgesellschaften.
Als eine Konsequenz forderte Thomas Köster eine neue „Beteiligungskapital-Kultur“ für den Mittelstand. Beispielhaft nannte er Beteiligungsgesellschaften mit Kapitalbeteiligungen auch in der Größenordnung zwischen 50.000 und 150.000 DM. Dies erfordere nicht nur ein „gewaltiges Umdenken auf der Kapitalanbieterseite“, sondern auch einen „einschneidenden Bewusstseinswandel“ im Mittelstand. „Hier liegt auch eine Bringschuld der mittelständischen Wirtschaft“, betonte der NWHT-Geschäftsführer, „die sich neuen Möglichkeiten der Kapitalversorgung nicht verschließen darf.“
Mindestens ebenso wichtig sei aber, dass die politischen Rahmenbedingungen insbesondere im Steuerrecht „diskriminierungsfrei“ gestaltet werden. Es dürfe durch die beabsichtigte Steuergesetzgebung zu keiner Bevorzugung von Kapitalgesellschaften kommen. Anderenfalls drohe sogar das „unternehmerische Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft“ vom „voll haftenden Eigentümer-Unternehmer an der Spitze einer inhabergeleiteten Unternehmung“ zu zerbröseln – mit negativen Folgen im Hinblick auf Wohlstand, Arbeit und Ausbildung.

Nicht mehr mit offenen Armen empfangen
Skepsis, dass die Steuerreform die Eigenkapitalkraft der Unternehmen in Deutschland stärken werde, äußerte auch Direktor Norbert Maurer von der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank (WGZ). Die Lücke bei der Eigenfinanzierung werde vom Gros der deutschen Unternehmen auf dem klassischen Weg durch Fremdkapital von der Hausbank geschlossen. Der Leiter des Bereiches Investitionsförderung teilte die Einschätzung von Dr. Köster, dass insbesondere bei den börsennotierten Großbanken das „Interesse am klassischen Firmenkundenkreditgeschäft“ abnehme. „Unternehmer auf der Suche nach Kapital werden daher bei einem Teil der Kreditwirtschaft längst nicht mehr mit offenen Armen empfangen. Das risikoreiche und wenig einträgliche Kreditgeschäft wird von vielen zunehmend gemieden. Der gezielte Ausstieg aus den klassischen Firmenkrediten, so scheint es, ist an der Tagesordnung.“
Vor allem die Genossenschaftsbanken, in etwas geringerem Ausmaß auch die Sparkassen, seien hier eingesprungen. Diese beiden Kreditinstitutsgruppen hätten deutlich gezeigt, dass sie es mit einer „anhaltend gesicherten Kapitalversorgung des Mittelstandes ernst meinen“.

Neue Finanzierungsformen
Als sinnvolle Alternative oder Ergänzung zu den bisherigen und herkömmlichen Finanzierungsformen sieht der WGZ-Direktor das sogenannte Business-Angel-Kapital. Business-Angel sind vermögende Privatpersonen und/oder Unternehmerpersönlichkeiten, die insbesondere Gründern und Jungunternehmern nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Management-Know-how zur Seite stehen. Experten schätzen deren jährliches Investitionsvolumen in Deutschland auf neun bis dreizehn Milliarden DM.
Solche alternative Finanzierungsformen, überhaupt der Wandel an den Kapitalmärkten, machten aber deutlich, so Maurer, dass das „offensive Vermarkten der eigenen Fähigkeiten“, verbunden mit einer aktiven Informationspolitik, für die Firmeninhaber immense Bedeutung erhält. Neue gesetzliche Regelungen würden demnächst eine „neue Offenheit bei den Unternehmen“ erfordern, besonders in allen Fragen der Finanzierung gegenüber ihrer Hausbank.
Ungeachtet manch negativer Auswirkungen auf die Kapitalversorgung des Mittelstandes sieht Norbert Maurer die Globalisierung jedoch „eindeutig auch als Chance“. Kleine und mittlere Unternehmen verfügten zunehmend über dieselben bzw. zumindest sehr ähnliche Möglichkeiten in Bezug auf den direkten Marktzugang, wie sie bislang ausschließlich den Großunternehmen vorbehalten waren. Hier sähen die Genossenschaftsbanken auch ihre Aufgabe: „Unterstützung des Mittelstands in sämtlichen Fragen der Kapitalversorgung mit flexiblen, maßgeschneiderten und kostengünstigen Lösungen.“

Ehrung des Ehrenamts

Dass ehrenamtliches Engagement im nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerk einen besonderen Stellenwert hat, wurde auf der diesjährigen Frühjahrs-Mitgliederversammlung des HKH-Fachverbandes erneut deutlich. Der Verbandsvorsitzende Alfred Jacobi nutzte den Rahmen, um drei Kollegen, die sich uneigennützig in den Dienst der Berufsgemeinschaft gestellt haben, zu ehren.

Mit der Goldenen Ehrennadel wurde Heinz Willems aus Zweifall ausgezeichnet. Er gehörte über mehr als zwei Jahrzehnte dem Vorstand des Landesverbandes an und war in seiner aktiven Zeit ein „wichtiger Pfeiler der Stabilität innerhalb unserer Verbandsarbeit“, so Jacobi. Neben seiner Tätigkeit innerhalb des Vorstandes gehörte Willems lange Jahre dem tarifpolitischen Ausschuss an, hat seine umfangreichen Kenntnisse in die Meisterprüfungskommission eingebracht und war darüber hinaus viele Jahre stellvertretender Obermeister bzw. Obermeister der Innung Monschau.
„Besonderes Fingerspitzengefühl“, meinte Jacobi, habe er bewiesen, als es zur Fusion der früheren Innungen Monschau, Aachen Land und Aachen Stadt kam. Heinz Willems habe zu diesem Stückchen Organisationsreform nach Kräften beigetragen und seine gesamte Erfahrung in die neue Innung eingebracht.
Aus der Innung Mettmann wurden gleich zwei Tischlermeister geehrt. Die Goldene Ehrennadel erhielt Udo Schröder, der kürzlich sein zwanzigjähriges Jubiläum als Obermeister „gefeiert“ hat. Seine Amtszeit sei eng verbunden mit dem Auf- und Ausbau der überbetrieblichen Lehrwerkstatt, in der mittlerweile auch die Lehrlinge aus den Innungen Wuppertal, Solingen und Remscheid unterwiesen werden, lobte Alfred Jacobi. Anfang des Jahres kandidierte Schröder letztmalig für das Obermeisteramt und habe bereits jetzt „maßgeblich und wirkungsvoll eine vielversprechende Verjüngung des Innungsvorstandes“ eingeleitet.
Mit der Silbernen Nadel wurde Bernhard Bergmann aus Hilden ausgezeichnet. Er gehört dem Innungsvorstand seit 1990 an, ist seit rund 10 Jahren Lehrlingswart und war darüber hinaus lange Jahre stellvertretender Meisterbeisitzer im Gesellenprüfungsausschuss. Sein großes Engagement galt nicht nur allen Fragen der Ausbildung, sondern vor allem auch dem Gestaltungswettbewerb "die gute form" auf Innungsebene. Die traditionelle Ausstellung der schönsten Gesellenstücke rund um die maßgeblich von ihm organisierten Lossprechungsfeiern seien weit über den Kreis Mettmann hinaus bekannt und geschätzt, so Verbandschef Jacobi.

Bildunterschriften:
[1] Entdeckten viele Gemeinsamkeiten bei der Einschätzung aktueller Fragen zur Kapitalversorgung (v.l.): HKH-Verbandsvorsitzender Alfred Jacobi, NWHT-Geschäftsführer Dr. Thomas Köster, WGZ-Direktor Norbert Mauerer und Verbandsvize Rudolf Rook.
[2] Für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement zeichnete Verbandschef Alfred Jacobi (2.v.l.) die drei Tischlermeister (v.r.) Heinz Willems, Bernhard Bergmann und Udo Schröder aus.