Es geht also doch: Luxusliner ganz ohne TBT

Es geht also doch: Luxusliner ganz ohne TBT

Außenanstriche werden umweltverträglicher

Im diesem Herbst wird sie ausgedockt und ihrem Element übergeben - die "Radiance of the Seas". Der von der Meyer Werft in Papenburg gebaute Luxusliner bietet bis zu 2500 Passagieren auf ihren Kreuzfahrten durch die Karibik Entspannung und unvergessliche Tage.
Unerwünschte Begleiter bleiben hingegen "außen vor", und zwar ganz buchstäblich. Denn die Reederei verlangte ausdrücklich eine Außenbeschichtung, die Meeresorganismen wie Algen, Muscheln oder Seepocken fernhält, jedoch geringere Umweltbelastungen als sonst üblich mit sich bringt. Das ist nicht selbstverständlich. Der Luxusliner würde durch die "blinden Passagiere" innerhalb von sechs Monaten um 1.500 Tonnen an Gewicht zunehmen. Erhöhter Reibungswiderstand, größerer Kraftstoffverbrauch und damit erheblich mehr Emissionen wären die Folgen. Bisher setzt man gegen die ungebetenen Gäste - das sogenannte Fouling (engl.: Bewuchs) - in der Regel ebenso effiziente wie giftige Anstriche mit Tributylzinn (TBT) ein. Für die unter Wasser befindliche Fläche des Rumpfes wird bei der "Radiance of the Seas" dagegen ein teurerer, jedoch weniger umweltschädlicher Anstrich mit Kupferoxid verwendet. Immerhin 10.000 Liter, und deshalb ist jeder Tropfen weniger Gift ein großer Schritt nach vorn.

Aber auch diese umweltverträglicheren Anstriche betrachtet die Werft nur als Übergangslösung und ist bestrebt, in Zusammenarbeit mit den Farbenherstellern Antihaftbeschichtungen zu entwickeln, die beides sind: gänzlich ungiftig und wirksam. Vielversprechend erscheinen Silikonanstriche, die mit ihrer extrem glatten Oberfläche das Anhaften von Meeresorganismen verhindern. Sie sind jedoch schwer zu verarbeiten und kosten erheblich mehr.

Ein kompletter Außenanstrich der "Radiance of the Seas" erfordert übrigens 220 Tonnen Farbe - die gleiche Menge, die noch vor wenigen Jahren für ein um 11.000 Bruttoregistertonnen kleineres Schiff benötigt wurde.

Farben und Lacke sollen schützen. Das gilt - gerade im Schiffbau - auch für marine Lebewesen. Wenn die Passagiere an Bord gehen, ahnen sie nichts von den Bemühungen der Schiffsbauer und Farbenhersteller, auch den Interessen der Meeresbewohner gerecht zu werden. Doch die "Radiance of the Seas" gibt eben nicht nur im Hinblick auf Raffinement und Komfort ein leuchtendes Beispiel, sondern auch durch mehr Umweltverträglichkeit.