Estrichtechnologien haben in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung erfahren. Der Grund liegt sowohl im Wunsch der Plane

Estrichtechnologien haben in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung erfahren. Der Grund liegt sowohl im Wunsch der Planer und Verarbeiter nach schnell erhärtenden und früh belegereifen Systemen als auch in gewachsenen Anforderungsprofilen bei Sanierung und Industriebau.

von Volker AderholdDer Estrich in seinen vielfältigen Arten und Anwendungsformen ist und wird auch in Zukunft die dominante, anteilmäßig überragende Unterkonstruktion zur Aufnahme oberflächenendlicher Beläge sein.

Dazu zählen im Wesentlichen die Stein– und keramischen Beläge, die textilen- und Kunststoffbeläge, die Holzbeläge in ihrem breitgefächerten Spektrum, aber auch Oberflächenbeschichtungen (z. B. Epoxidharze).

Insbesondere in den zurückliegenden letzten zehn Jahren haben die Estriche in Vielfalt und Facettenreichtum eine unvergleichliche Dynamik entwickelt, wenn man vorhergehende Dezennien vergleichend gegenüberstellt.

Diese Dynamik begründet sich vor allen Dingen in der politischen Gesamtentwicklung in Europa. Der Druck auf die Unternehmen bezüglich einer permanenten Kostensenkung, Bauzeitenverkürzung, allgemeinen Rationalisierung , Vereinfachung von Bauabläufen und dem Angebot bzw. der Kenntnis von echten Problemlösern ist enorm gestiegen und wird weiter steigen.

Dass mit dieser Dynamik, vielmehr noch mit der Wucht dieser Dynamik, auch Reibungs- und Spannungsfelder aufgetreten sind und auch noch auftreten werden, ist eine nicht gänzlich zu eliminierende Begleiterscheinung.

Anhydritfließestriche

Exempla risch hierfür stehen unzweifelhaft die Anhydritfließestriche oder nach der neueren Begriffsgebung die Calciumsulfatestriche, die neben den Zementestrichen, die am weitesten verbreitete Art von Estrichen sind.

Der anfänglichen Euphorie, ob der deklarierten Vorteile, ist nach der massiven Schadenses-kalation speziell im Bereich der Fliesen- und Natursteinoberbeläge doch eine auf vielen Ebenen äußerst kritische Auseinandersetzung gefolgt; natürlich mit dem klaren Ziel, Schäden schon im Vorfeld zu vermeiden und die Verlegebetriebe entsprechend wirkungsvoll zu schützen.

Das hat sich niedergeschlagen in der Novellierung des betreffenden ZDB-Merkblattes und der Erstellung der Schnittstellenkoordination für Fußbodenheizungen.

Im Wesentlichen geht es dabei darum, die bauphysikalischen und bauchemischen Verhaltensweisen des Produktes darzustellen und die Leistungsgrenzen auch klar zu umreissen.

Die Fragestellung kapriziert sich bei den Estrichen auf die Punkte, die letztendlich entscheidend sind für die Dauerhaftigkeit, Stabilität und Funktionstüchtigkeit des Oberbelages.

Das sind die Druck– und Biegezugfestigkeiten als Lastaufnahmekriterien, die Oberflächen-tragfähigkeit zur Sicherstellung von ausreichenden Haftzug- und Haftscherfestigkeiten im Verbund mit dem Oberbelag und die Restfeuchtigkeit des Estrichs im Zusammenhang mit der Schwindverformung und evtl. haftverbundschädigender chemischer Reaktionen (z. B. Ettringit bei Calciumsulfatestrichen).

Damit verbunden sind dann auch konstruktive Details wie Randdämmstreifen, Anlage von Dehnungsfugen usw..

Schnellestriche

Die Anforderung, einen Zementestrich erst nach 28 Tagen und einem Restfeuchtegehalt von 2.0 % CM mit einem Fliesenbelag belegen zu dürfen, mutet in der heutigen Zeit schon fast abenteuerlich an.

Seien wir einmal ehrlich, wo werden diese Rahmenbedingungen wirklich noch exakt einge-halten oder können eingehalten werden. Im schlimmsten Fall treten dann die allseits bekann-ten Schadensbilder auf. Die Estrichscheibe senkt sich im Randbereich ab einhergehend mit einer konvexen Aufwölbung bis hin zum Einbrechen des Estrichs.

Die Lösung kann hier unter anderem sein, mit schnellerhärtenden, intelligenten Bindemittel-systemen ein Estrichkonstruktion mit einer frühen Belegereife zu erstellen. Dabei sprechen wir mittlerweile nicht nur von den klassischen Schnellestrichbindern, sondern vielmehr von hochinteressanten Bindemittelkonzepten, die sowohl von der preislichen als auch von der technischen Seite eine hervorragende Alternative darstellen.

Bezeichnend der Sopro Rapidur B5. Bei diesem Produkt handelt es sich um ein Bindemittelsystem, mit dem ein Zementestrich erstellt werden kann, der die Belegereife nach einer Standzeit von nur 5 Tagen erreicht. Das vorgegebene Mischungsverhältnis mit Estrichsand der Sieblinie 0/8 liegt dabei bei 1:5 bis 1:6.

Mit diesem Mischungsverhältnis werden im Mittel Druckfestigkeiten von 30N/mm² und Biegezugfestigkeiten von ca. 7N/mm² erreicht.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Der Estrich begründet einen Zeitgewinn von immer noch 23 Tagen gegenüber einem konventionellen Zementestrich. Die Differenz von nur 4 Tagen zu den klassischen Schnellzementestrichen (Belegereife in aller Regel nach einem Tag) bezüglich der Belegereife, so hat sich mittlerweile herausgestellt, gestaltet sich eher noch als Vorteil denn als Nachteil, weil dieser Zeitfaktor im Bauablauf häufig einen positiven Puffereffekt darstellt für Planer, Architekten und Bauherrn.

Ein weiterer wichtiger Vorteil dieses Produktes liegt in seiner Verarbeitungszeit, die ähnlich einem konventionellen Zementestrich ist und damit auch bei hohen Temperaturen problemlos zu handhaben ist gegenüber einem herkömmlichen Schnellzementestrich.

Fertigmischungen

Wenn man der Statistik Glauben schenken darf, dann werden heute in Deutschland 80% aller Fliesenbeläge im Bereich Renovierung und Sanierung verbaut. In vielen Fällen ist es so, dass der Fliesenleger, speziell was kleine Estrichflächen anbetrifft, seine Unterkonstruktion selbst erstellt. Dies macht er vor allen aus logistischen, finanziellen und Gründen der technischen Kalkulierbarkeit (Ebenheit, Oberflächenbeschaffenheit etc.).

Badezimmerflächen von 6 bis 10m² mit einem Estrich zu versehen, bei teilweise schwieriger Erreichbarkeit und natürlich schnellem Baufortschritt, machen einen fertig konfektionierten Estrich zum „Muss“ (z. B.Sopro Rapidur M1).

Ein Estrich, der nur noch mit Wasser angerührt - eingebracht wird, und nach 24 Stunden bereits belegereif ist.

Teilweise ist es z. B. innerstädtisch gar nicht mehr möglich, Estrichsand separat bereit zu stellen für den Einbau eines Estrichs in üblicher Vorgehensweise.

Leichtestriche

Wir greifen den letztgenannten Sachverhalt auf und widmen uns einer weiteren Problemstellung.

Neben den Fragen der Erreichbarkeit und der Lage von Altbausanierungsobjekten spielen sehr häufig bei dem Neuaufbau der Unterkonstruktion statische und auch schallschutztechnische Befindlichkeiten mit in das Sanierungskonzept hinein. Die Reduzierung der Deckentraglasten im Bereich des Estrichs um 50% stellt dabei sehr häufig das entscheidende Kriterium für den Einsatz eines Leichtestrichs dar.

Bei einem Leichtestrich (Sopro Leichtestrich; August 2001) handelt es sich um ein fertig konfektioniertes Material mit einem spezifischen Gewicht von < 1kg/dm³.

Das Material ist ein schnellerhärtendes, zementäres System mit speziellen Leichzuschlägen. Der Leichtestrich kann in ungleichen Stärken (schiefer, unebener Untergrund) in einem Raum eingebaut werden und trägt damit im Besonderen bestimmten Altbausituationen Rechnung. Teilweise konnten so Estrichaufbauten bis 16 cm realisiert werden.

Zur weiteren zusätzlichen Verbesserung im Bereich Verbesserung Trittschall und Wärmedämmung kann zusätzlich die Estrichoberfläche mit einer Fliesendämmplatte versehen werden.

Reaktionsharzestriche

Ähnlich bestimmten Situationen in der Altbausanierung treten Erfordernisse im gewerblich und industriell genutzten Bereichen auf, wo ehemals eingesetzte zementäre Systeme durch chemisch, aggressive Substanzen verschlissen wurden und Neuaufbauten sich u.a. mit einem Epoxidharzestrich baustellengerecht umsetzen lassen.

Oder diffizile Baustellensituationen den Einbau eines zum einen wasserfreien Estrichs und zum anderen noch chemisch widerstandsfähigen mit kapillarbrechenden Eigenschaften versehenen Estrichs erforderlich machen.

Entsprechend der Eigenschaften dieser Estriche ist es möglich, auch in dünnen Schichten einen hohen Lastaufnahmefaktor sicher zustellen.

Zusammenfassung:

Schnellestriche, Leichtestriche, Reaktionsharzestriche; drei Begriffe für Lösungskonzepte im modernen Bauen, die die Notwendigkeit und den Bedarf von intelligenten Lösungen mehr als deutlich machen.

Begriffe die vordergründig teilweise schon länger bekannt sind, hinter denen sich aber zum Teil neueste Produktkonzepte verbergen, welche dem wachsenden Anforderungsprofil und individuellen Lösungsmöglichkeiten vornehmlich im Bereich Renovierung/Modernisierung und engen Terminvorgaben in immer besserer Weise Rechnung tragen.

Eines sollen diese Produkte und Produktsysteme zuallererst, sie sollen Sicherheit vermitteln.

Dass die Entwicklung von neuen Produkten ein fortwährender und dynamischer Prozess ist , versteht sich von selbst; natürlich in der engen Verzahnung mit der täglichen Praxis. Aus der Praxis definieren sich die Erfordernisse und die Ideengrundlagen an die Leistungsparameter neu zu entwickelnder Produkte.

Mit Sicherheit wird die Entwicklung auch im Bereich der Estriche in den kommenden Jahren ein hochinteressantes und facettenreiches Wirkungsspektrum darstellen.