EU-Kommission muss Binnenmarktstrategie überdenken

EU-Kommission muss Binnenmarktstrategie überdenken
Dr. Claudia Schwalfenberg 04.04.2001

Die Bundesarchitektenkammer (BAK) begrüßt die Aufforderung des Rates der Europäischen Union an die Europäische Kommission, "die Besonderheit der architektonischen Dienstleistung im Rahmen ihrer Politiken, Aktionen und Programme" zu berücksichtigen. "Dieser Beschluss müsste dazu führen, dass die EU-Kommission ihre kürzlich initiierte ,Binnenmarktstrategie für den Dienstleistungssektor‘ im Hinblick auf den Freien Beruf Architekt überdenkt.", so BAK-Präsident Peter Conradi.Die Kommission begründet ihre Strategie mit vier Zielen. Eins ist die "Verbesserung der Lebensqualität der Bürger". Der von der Kommission angestrebte Abbau von Schranken im europäischen Dienstleistungsverkehr gefährdet jedoch den Verbraucherschutz: Bewährte Instrumente der Qualitätssicherung wie Mindeststandards für Freie Berufe stehen zur Disposition.

Demgegenüber unterstreicht der Rat der Europäischen Union, dass Architektur ein besonderes Gut ist. In seiner kürzlich veröffentlichten Entschließung zur architektonischen Qualität der städtischen und ländlichen Umwelt erklärt er, "dass die Architektur eine intellektuelle, kulturelle, künstlerische und berufliche Arbeit darstellt, und die architektonische Dienstleistung somit eine sowohl kulturelle wie auch ökonomische berufliche Dienstleistung ist".

Die Europäische Kommission muss nun zur Einsicht kommen. Qualitativ anspruchsvolle Architektur ist ohne ein hohes berufliches Niveau der Architekten nicht zu haben. Als Voraussetzung dafür hat sich in Deutschland das System der verkammerten Freiberuflichkeit bewährt. Mit einer Reihe von Maßnahmen (Ausbildungsstandards, Fortbildungsverpflichtungen, Berufsgerichtsbarkeit etc.) sorgt es für Verbraucherschutz. Dem Bekenntnis des Europäischen Rates zur Besonderheit der architektonischen Dienstleistung muss von der Europäischen Kommission eine Initiative zur Stärkung des Kammerwesens folgen.