Gewalt an Schulen

Gewalt an Schulen
´Mit dem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen setzen wir ein Zeichen gegen Gewalt und Verrohung an unseren Schulen´, sagt der bildungspolitische Sprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Mathias Wagner, in der Landtagsdebatte zum Thema Gewalt an Schulen. ´Wir unterstützen alle, die schon heute Hervorragendes leisten. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass es noch viel zu tun gibt. Gewalt hat an unseren Schulen nichts zu suchen. Angstfreies Lernen ist die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen´.
Oftmals werde die Debatte über Gewalt an Schulen von besonderen Ereignissen neu entfacht, wie jüngst durch die Vorfälle an der Berliner Rütli-Schule. Das hektische und manchmal aktionistische Reagieren auf solche drastischen Fälle helfe jedoch nicht weiter. Vielmehr seien nachhaltige Konzepte und Strategien gefragt, die nicht erst dann ansetzen, wenn Gewaltsituationen eskalieren. ´Die vergleichsweise beruhigende Nachricht ist, dass Vorgänge wie an der Rütli-Schulen zum Glück die Ausnahme sind. Die besorgniserregende Nachricht ist, dass Gewalt in ihren unterschiedlichen Formen an unseren Schulen viel alltäglicher ist, als es uns oft bewusst ist´.
´Zwar zeigen Untersuchungen, dass der vermeintliche dramatische Anstieg von Gewalt an Schulen zumindest in den letzten Jahren eher ein Medien- denn ein reales Phänomen ist, aber das Niveau, auf dem wir sind und die neuen Formen von Gewalt sind schlimm genug. Gewalt beginnt nicht erst bei der handfesten Schlägerei. Psychische Gewalt ist weniger sichtbar, aber oftmals gerade deshalb verletzender´. Mobbing, Drohungen, Einschüchterungen und andauernde Hänseleien gehörten für zu viele Schüler zum Schulalltag. Besonders schlimm sei die Kombination von physischer und psychischer Gewalt, wie sie beispielsweise beim so genannten ´Happy Slapping´ auftreten. Dabei werden gewalttätige Übergriffe mit dem Handy gefilmt und anschließend in der Schule verbreitet. Zur körperlichen Traumatisierung komme durch das Herumzeigen des Videos die seelische Erniedrigung noch dazu.
´Vorbeugen, Hinsehen, Handeln sind drei Schlüsselbegriffe, um Gewalt an Schulen zurück zu drängen´. Der friedliche Umgang mit Konflikt- und Stresssituationen müsse möglichst früh eingeübt werden, damit es erst gar nicht zu einer Eskalation komme. Wenn es zu Gewalt komme, sei es wichtig, dass sie wahrgenommen und dass unmittelbar darauf reagiert werde. ´Aus Unsicherheit, wie sie mit der Situation umgehen sollen, greifen manchmal Lehrer und Schüler nicht rechtzeitig ein´ Hier gäbe es hervorragende Handreichungen und Trainings zum richtigen Verhalten in Konfliktsituationen, die teilweise in Hessen auch schon angewandt werden. ´Wichtig ist es, Lehrer und Schüler mit dem Problem nicht allein zu lassen, sondern sie durch solche Maßnahmen der Gewaltprävention und Konfliktbewältigung, durch den Einsatz von mehr Schulpsychologen und Schulsozialarbeitern sowie durch eine verstärkte Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe zu unterstützen´.
Die Gründe dafür, dass Jugendliche gewalttätig würden, seien vielfältig. Gewalterfahrungen in der eigenen Familie und schwierige familiäre Herkunftsbedingungen, negative Einflüsse von gewaltbereiten Gleichaltrigen, Armut und Perspektivlosigkeit, mangelnde soziale Integration sowie problematische schulische Entwicklungsbedingungen spielten eine große Rolle.
´Aber auch dauerhaftes Fernsehen und Computerspielen - meist mit gewalttätigen Inhalten - als nahezu einzige Nachmittagsgestaltung von Jugendlichen spielen eine große Rolle. Ein stärkerer und schnellerer Ausbau von echten Ganztagsangeboten an den Schulen würde hier helfen´.
Selbstverständlich seien auch die Eltern in der Pflicht. ´Was die Schülerinnen und Schüler von zu Hause nicht mitbekommen, sei an der Schule nur ungleich aufwändiger nachzuholen. Dennoch müssen wir uns an den Schulen auch dieser Aufgabe stellen. Immer mehr Eltern wünschen sich überdies stärkere Beratung und Unterstützung in ihren Erziehungsaufgaben. Hier steht der Aufbau entsprechender Strukturen erst am Anfang. Klar ist: Die Kürzungen im Rahmen der Operation dDüstere Zukunft der Landesregierung, die auch Erziehungsberatungsstellen massiv betrafen, gingen jedenfalls in die falsche Richtung´.

Pressestelle der Fraktion BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNENim Hessischen Landtag - Pressesprecherin: Elke CezanneSchlossplatz 1-3;65183 WiesbadenFon: 0611/350597; .Fax: 0611/350601Mail: gruene@ltg.hessen.de Web: http://www.gruene-hessen.de