Günstig attraktiven Wohnraum schaffen unterm Dach

Günstig attraktiven Wohnraum schaffen unterm Dach

„Aufwärtskompatibel“ ist ein Begriff aus dem Computer-Fachjargon, der sich auch gut auf viele alte Häuser übertragen lässt. Beim Rechner ist damit gemeint, dass er durch Nachrüsten für neue, größere Anforderungen fit gemacht werden kann. Beim Altbau bedeutet es: Ein Dachboden wartet auf seine Chance, endlich von einem Speicher in eine attraktive Wohnfläche verwandelt zu werden. Nirgendwo ist neuer Wohnraum so günstig zu haben. Das Fundament und die schützende Hülle sind bereits vorhanden. Da beim Dachausbau zudem bevorzugt Trockenbaustoffe wie Dämmfilze, Gipskarton- und Verlegeplatten zum Einsatz kommen, können sich versierte Heimwerker hier besonders gut einbringen. So lässt sich ab etwa 500 Euro pro m2 besonders attraktiver Wohnraum schaffen hell, licht, behaglich und von ganz individuellem Charakter. Bevor es soweit ist, muss allerdings eine Reihe von Voraussetzungen stimmen. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat die folgende Checkliste erstellt, worauf beim Dachausbau zu achten ist.

Die Baugenehmigung: Wird die äußere Gestalt eines Einfamilienhauses durch den Ausbau nicht verändert, braucht man in der Regel keine Baugenehmigung. Genehmigungspflichtig ist jedoch die Errichtung einer neuen, abgeschlossenen Wohnung im Dachgeschoss. Geprüft werden vor allem die Statik sowie Brand-, Wärme- und Schallschutz. Wird die Statik verändert oder ist der Einbau von Gauben geplant, braucht man genauso eine Genehmigung wie für eine neue Dachwohnung in einem Mehrfamilienhaus. In jedem Fall sollte man rechtzeitig bei der zuständigen Behörde vorstellig werden.

Die Dachform: Wichtige Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Dachausbau ist eine Dachneigung von über 30 Grad, eine möglichst große Haustiefe und eine freie Giebelfläche. Die Raumhöhe sollte über mindestens 70 Prozent der Grundfläche 2,30 m oder mehr betragen. Reicht die Höhe nicht aus, kann man den ganzen Dachstuhl anheben lassen, was allerdings mit erheblichen Kosten verbunden ist und sich in der Regel nur lohnt, wenn das Dach ohnehin komplett saniert werden muss. Etwas weniger Platz als unter Satteldächern ist unter Walm-, etwas mehr (wegen der steilen Neigung) unter Mansardendächern.

Die Bausubstanz: Ob und wie viel neuer Wohnraum möglich ist, hängt auch von der Substanz des ganzen Hauses, insbesondere dem Zustand des Dachstuhls ab. Ist er von Schwamm oder Holzbock befallen, muss er erst gründlich saniert werden.

Die Statik: Ursprünglich sind weder die Wände noch die Balken oder das Fundament für die Lasten ausgelegt, die eine Wohnung auf dem Dachboden bedeutet. Also muss ein Architekt, Statiker oder Ingenieur berechnen, wie hoch die neue Last ist und ob der Boden und die unteren Geschosse diese tragen können. Muss die Statik verstärkt werden, kann das teuer werden.

Die Versorgung: Ein Installateur kann feststellen, ob die Zentralheizung stark genug für eine Erweiterung ist, wie viele Heizkreise eingebaut werden müssen und wie viele Heizkörper fehlen. Die Alternative ist eine kompakte Etagenheizung, die nur das Dachgeschoss beheizt und mit warmem Wasser versorgt. Unter Umständen müssen aber sämtliche Leitungen für Strom, Gas, Wasser und Abwasser vom Dach bis zum Hausanschluss neu verlegt werden.
Auch beim Dachausbau gelten Bauvorschriften

Sind diese Details geklärt, gilt es im nächsten Schritt die rechtlichen Bedingungen zu sondieren. Bei Dachausbauten sind eventuell Regelungen einzuhalten, die durch jeweiligen Bauordnungen der Bundesländer verordnet sind.

Die Größe und Form des Raums: Meist werden 220-240 cm lichter Höhe über mindestens der Hälfte bzw. zwei Drittel der Grundfläche gefordert. Die Fensterfläche muss mindestens 12,5 Prozent der Grundfläche betragen.

Die Sicherheit: Zwei Fluchtmöglichkeiten sind zwingend vorgeschrieben übers Treppenhaus sowie über ein mindestens 90 x 120 cm großes Fenster, das die Feuerwehr mit der Leiter erreichen kann.

Die Wärmedämmung: Wer neuen Wohnraum unterm Dach schafft, erweitert das „beheizte Gebäudevolumen“ und muss sich an die Regeln der Energieeinsparverordnung (EnEV) halten. Entstehen mehr als 30 m3 neuer Wohnraum (darunter ist ein Dachausbau ohnehin kaum sinnvoll), müssen beim Energieverbrauch die gleichen Anforderungen erfüllt werden wie bei Neubauten. Wurde der Dachraum bereits vorher beheizt, reicht es, die Wärmedämmung auf einen U-Wert von 0,30 W/(m2K) zu verbessern. Im Hinblick auf die steigenden Heizkosten lohnt es sich allerdings, sich nicht mit den gesetzlichen Mindestanforderungen zu begnügen, sondern gleich optimal zu dämmen.

Viele Schritte zum neuen Wohn(t)raum

Hat man sich über die rechtlichen Rahmenbedingungen orientiert, kann die konkrete Planung in Angriff genommen werden. Welche Nutzung lassen Form und Größe des Dachs überhaupt zu? Die Errichtung eines großen Raums etwa, der als zusätzliches Wohn-, Spiel- oder Arbeitszimmer eine Form von Luxus bietet, wie es eben nur ein Raum kann, den man nicht unbe-
dingt braucht? So ein Raum ist wirklich günstig zu haben, weil vor allem der Aufwand für Installationen deutlich geringer ist als bei einer kompletten Wohnung. Dafür benötigt man ja Bad und Küche, zusätzliche Zähler für die Abrechnung der Verbrauchskosten und nicht zuletzt eine deutlich bessere Schalldämmung.

Die Erschließung: Weil der Dachraum ursprünglich meist nur als Speicher gedacht war, fehlt im Geschoss darunter der Platz, eine normale Treppe zu bauen. Und die vorhandene Stiege genügt den heutigen Anforderungen in der Regel nicht. Die Lösung des Problems ist eine Raumspartreppe. Besonders beliebt: die Wendeltreppe. Bevor man sich allerdings dafür entscheidet, sollte geklärt sein, welches Mobiliar darüber nach oben transportiert werden muss: Nur die Spielzeugkisten der Kinder? Kein Problem! Oder ein komplettes Schlafzimmer samt Ehebett und Kleiderschrank? Das ist über die Wendeltreppe nicht zu schaffen.

Der Fußboden: Im Dachgeschoss empfehlen sich für den Fußbodenaufbau Estrichplatten aus Gips und Holzwerkstoffen, da sie ohne Feuchteeintrag verarbeitet werden können und zudem leichter sind als Fließestrich. Wenn die Statik es hergibt, ist allerdings ein Betonestrich besser, der eine wirklich ebene Oberfläche schafft.

Die Wände: Massive Zwischenwände aus Ziegeln, Betonelementen, Porenbeton-, Beton- oder Kalksandsteinwänden haben deutlich bessere Schallschutzeigenschaften, müssen aber genau über den tragenden Wänden in den unteren Geschossen errichtet werden sofern die Statik dies überhaupt zulässt. Mehr Freiheiten erlaubt die Leicht- oder Trockenbauweise. In der Regel arbeitet man dabei mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatten, die auf Gerüste aus Aluminiumrahmen montiert werden. Besondere Formate, kleiner und handlicher als üblich geschnitten, erleichtern den Transport durch enge Treppenhäuser. Der Baustoffhandel hält eine Vielzahl von Spezialprodukten bereit.

Die Belichtung: Das Gesetz schreibt nur eine Mindestfensterfläche von 12,5 Prozent der Grundfläche vor. Doch gerade die großen Fensterflächen machen ja oft erst den besonderen Reiz von Dachwohnungen aus. Insofern orientiert man sich eher an DIN 5034, „Tageslicht in Innenräumen“, wonach die Fensterbreite 55 Prozent der Raumbreite betragen sollte. Gauben vergrößern die Fläche, auf der man aufrecht stehen kann. Ihre Realisierung ist allerdings spürbar teurer, und sie lassen es sei denn, sie sind voll verglast wesentlich weniger Licht herein als Dachflächenfenster. Die wiederum sind bei Heimwerkern sehr beliebt, weil sie als leicht einsetzbar gelten. Aber Vorsicht: Der Anschluss an die Dämmung, die Luftdichtheitsfolie und die Dampfbremse muss absolut exakt ausgeführt sein, sonst kommt es zu Lüftungsverlusten sowie zur Durchfeuchtung von Dämmung und Dachstuhl.

Die Schalldämmung: Handelt es sich beim Boden um eine tragende Deckenkonstruktion, ist ein Betonestrich optimal. Gibt die Statik dies nicht her, kann der Zwischenraum der Balkendecke mit einer Schüttdämmung verfüllt werden. Alternative: eine Schüttung auf dem alten Boden, die aber natürlich Höhe kostet. Wichtig bei beidem: Der Trockenestrich, der verlegt wird, darf keinen Kontakt zu den Außenwänden haben. Auch Leichtbauwände, wie sie üblicherweise gezogen werden, kann man dämmen: indem man sie doppelt mit Gipskarton beplankt, und zwar überlappend.

Nirgendwo kann man günstiger Wohnraum schaffen, als unterm Dach.
Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall/F.Thomas