Gut beraten ist halb gewonnen: Modellprojekt der HwK Koblenz hilft bei Betriebsübergabe und -übernahme

Gut beraten ist halb gewonnen: Modellprojekt der HwK Koblenz hilft bei Betriebsübergabe und -übernahme

Presse-Informationen der HwK Koblenz
KOBLENZ. Jahrzehntelang wurden sie aufgebaut, mit Fachwissen, Herzblut und Kompetenz, jetzt suchen allein im Bereich der Handwerkskammer Koblenz in den nächsten fünf Jahren rund 5500 Handwerksbetriebe mit ca. 42 000 Beschäftigten - bundesweit sind es gar rund 200 000 Betriebe -, deren Inhaber 55 Jahre und älter sind, einen Nachfolger. Eine für beide Seiten erfolgreiche Betriebsübergabe bzw. -übernahme will rechtzeitig überlegt und umfassend geplant sein. Hilfestellung leistet dabei Inhabern und Nachfolgern seit drei Jahren das Modellprojekt "Übernahmequalifikation" der HwK Koblenz, finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Rheinland-Pfalz Ein Projekt, das auch Erich Dieler, Inhaber eines gut eingeführten Heizungs- und Sanitärfachbetriebs in Boppard-Buchholz, und die Brüder Michael und Andreas Treppke, Heizungsbaumeister der eine und Großhandelskaufmann der andere, zusammenbrachte.
Vor zwei Monaten übernahmen die Treppkes den Betrieb, den Dieler nach der Meisterprüfung als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer und etwas später auch der als Gas- und Wasserinstallateur 1978 zunächst im benachbarten Wohnort der Eltern, in Oppenhausen, gegründet und 1980 nach Buchholz verlegt hatte. Schon damals mit der relativ klaren, von vielen Kollegen, wie er erwähnt, noch belächelten Zielvorstellung, "ihn irgendwann zwischen 50 und 55" zu übergeben. Mit 50 Jahren bot er ihn in der Betriebsbörse der HwK Koblenz an, jetzt, mit genau 52 Jahren, hat er sein Ziel realisiert.

Genauer: Er ist noch dabei. Denn der Übergabevertrag, begleitet durch die Projektmitarbeit der HwK Koblenz sieht noch eine mehrmonatige Mitarbeit vor, um die Übergabe möglichst reibungslos (auch für den Kundenstamm) zu gestalten.

Drei Säulen tragen das Modellprojekt: Beratungsleistungen, von der Vermittlung und Kontaktherstellung bis zur Betriebsübergabe (mit allem, was dazugehört, z. B. das Ermitteln des Unternehmenswertes, die Auswahl von Finanzierungsalternativen und die Unterstützung bei Bankgesprächen); der mehrteilige Workshop "Nachfolgertraining", der ein Existenzgründungsseminar ebenso umfasst wie Einführungen in Kalkulation, Marketing und Vertragswesen bzw. die Erarbeitung eines Unternehmens- und Übernahmekonzepts und schließlich das Coaching, die Betreuung während des ersten Jahres nach der Übernahme. Allein die Vermittlung und Kontaktherstellung sei ungeheuer wichtig, kommentiert Andreas Treppke, "wenn die durch Neutrale geschieht, werden von vornherein möglicherweise verständliche, aber störende Emotionen bei den Verhandlungen zwischen Inhaber und Übernehmer ausgeschaltet". Ausgeschaltet werden auch gerade auf Inhaberseite möglicherweise unrealistische Vorstellungen über den wahren Unternehmenswert. "Wenn man mehr verlangt als der Nachfolger erwirtschaften kann, sind für den die Voraussetzungen von vornherein denkbar schlecht", konstatiert Erich Dieler.

Vorerst ist sein Rat für die Treppkes - Michael führt bereits einen Betrieb mit einem Gesellen und einem Auszubildenden in Koblenz Metternich - unverzichtbar, "fast so etwas wie ein Gebetbuch, bis wir selber die nötigen Erfahrungen gesammelt haben", kommentiert Andreas Treppke. Erst nach dieser Anlaufphase, könnte auch das eigentliche Coaching, die dritte Phase im Modellprojekt, greifen, die Beratung etwa bei Fragen der Umstrukturierung etc. Zunächst allerdings verfahren die Brüder Treppke, sieht man von der Anmietung einer neuen Lager- und Werkstatthalle nur ein paar Meter vom bisherigen Standort entfernt, einmal ab, eher nach der Methode "Never change a winning team!" Alle Mitarbeiter - drei Monteure, drei Auszubildende und ein Subunternehmer - wurden übernommen, so dass sich die Kunden nicht umgewöhnen müssen. Denn eins, meinen beide Übernehmer, stehe fest: Gerade in der heutigen wirtschaftlichen Situation, in der Neubauten stagnierten und Wartungs- und Reparaturaufträge den Löwenanteil ausmachten, sei Kundenpflege doppelt unverzichtbar. Und so wird auch die dieler/treppke gmbH, wie der neue Unternehmensname lautet, weiter u. a. einen Service offerieren, den Erich Dieler vor einiger Zeit einführte und der, wie er konstatiert, gut angenommen wurde, die Rundumsanierung von Bädern aus einer Hand.

Informationen bei Frau Silke Below-Köfer,
Tel. 0261/398-112, Fax -990
bildung@hwk-koblenz.de