Haftung eines freiwilligen Umzugshelfers

Haftung eines freiwilligen Umzugshelfers

Gericht: leichte Fahrlässigkeit bleibt folgenlos

Wer aus reiner Gefälligkeit bei einem Umzug hilft und dabei unbedacht etwas beschädigt, darf normalerweise auf eine stillschweigend vereinbarte Haftungsmilderung vertrauen. Das teilt der Anwalt-Suchservice mit und verweist auf ein Urteil des Amtsgerichtes Plettenberg.Ein Mann hatte einer Bekannten beim Umzug geholfen. Genau wie die übrigen fünf Helfer erhielt er dafür keine finanzielle Vergütung, sondern es gab lediglich Brötchen und Getränke. Um den Transport zu erleichtern, schraubte der Mann einen Schrank auseinander und lehnte die Schrankbretter auf der zur Straße gewandten Seite des Umzugs-Lkw an. Er überprüfte die Planken zwar auf ihre Standsicherheit, trotzdem fielen sie auf das Auto eines Anliegers, als dieser mit Schrittgeschwindigkeit an dem Lkw vorbeifuhr. An dem Pkw entstand ein Schaden in Höhe von 3.200 Euro, den zunächst die Privathaftpflichtversicherung der umzugswilligen Dame übernahm. Die Versicherung forderte später die Hälfte, also 1.600 Euro, von dem Helfer erstattet. Den Mann treffe ein Mitverschulden, weil das Anlehnen der Bretter an den Umzugswagen fahrlässig gewesen sei, so die Assekuranz. Das AG Plettenberg wies eine Klage des Versicherers jedoch ab (Urt. v. 3.11.2006 1 C 345/05).

Durch das Abstellen der Bretter habe der Mann die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht im besonders schweren Maße verletzt, so das Gericht. Deshalb sei es nicht mehr als ein Versehen gewesen, was bei einem Gefälligkeitsverhältnis - wie im vorliegenden Fall - ohne Folgen bliebe. Ein freiwilliger Umzugshelfer hafte nämlich nicht für einfache Fahrlässigkeit, sondern nur für Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit. Ansonsten wäre eine Hilfeleistung aus reiner Gefälligkeit kaum noch denkbar, so der Amtsrichter. Umzüge könnten dann nur noch mit teuren professionellen Helfern erfolgen, weil sich niemand mehr trauen würde, einen Freundschaftsdienst zu leisten. Die Haftungsmilderung müsse auch nicht ausdrücklich vereinbart werden, so das Gericht, sondern komme bei einem Helfer, der auf finanzielle Vergütung verzichte, stillschweigend zustande.