Handwerksberuf der Schuhmacher

„Ach lieber Schuster du/ flick du mir meine Schuh'/ die Schuh', die sind entzwei/ der Schuster macht sie neu.“ Das Kinderlied gibt das klassische Berufsbild des Schusters oder Schuhmachers wieder. Bereits im Althochdeutschen gab es das Wort „skuobuozo“, was im Neuhochdeutschen „Schuhbosser“ wurde – Schuhmacher. „Schuster“ hingegen wurde vom lateinischen „sutor“ abgeleitet, das „Näher“ bedeutet. Im alten Rom wurden die Schuhteile nämlich noch zusammengenäht.

 

Die Hersteller dieser Schuhe grenzten sich ab von den Flickschustern, die gebrauchte Schuhe lediglich wieder ausbesserten. In Deutschland gab es zudem lange Zeit noch den Beruf des Holzschuhmachers. Da der Beruf des Schuhmachers lange Zeit mit dem des Gerbers gleichgesetzt wurde, haben beide Berufe den gleichen Schutzheiligen, St. Crispin. Heutzutage ist der Schuhmacher nicht mehr einfach nur der Hersteller von Schuhen, sondern bessert auch die Schuhe aus und berät seine Kunden in Sachen Passform und Pflege, sowohl für Schuhe als auch für Leder. Gerade die Beratung ist ein wichtiger Teil des Geschäfts. Durch seine Berufserfahrung versteht der Schuhmacher nicht nur den handwerklichen Teil, sondern verfügt auch über Kenntnisse im fußorthopädischen Bereich. Zwar kann ein Beratungsgespräch beim Schuhmacher keinen Besuch beim Arzt oder Orthopäden ersetzen, aber auf jeden Fall kann der Schuhmacher Hinweise geben, wie sich die Verordnungen des Arztes schuhtechnisch umsetzen lassen. Das gilt ganz besonders für den Orthopädie-Schuhmacher. Auch kann er mitunter Fußfehlstellungen vor dem Kunden erkennen und damit einen Arztbesuch anregen. Für Leder- und Schuhpflege ist er jedem Fall der kompetenteste Ansprechpartner. Mitunter werden von ihm auch weitere Lederarbeiten angeboten, zum Beispiel Sattler- und Täschnerarbeiten. Schuhmacher ist in Deutschland ein Ausbildungsberuf. Die Auszubildenden lernen das Handwerk für drei Jahre bzw. die angehenden Orthopädie-Schuhmacher für 3,5 Jahre. Auszubildende mit einer Fachhochschulreife benötigen lediglich 2,5 Jahre für ihre Lehre. Die Bedingungen für das Handwerk des Schuhmachers haben sich allerdings stark geändert. Durch die Industrialisierung in Deutschland war ab 1870 ein Rückgang der manuellen Schuhfertigung zu verzeichnen. Stattdessen wurden Schuhe nun größtenteils maschinell hergestellt.

Heute werden nur noch wenige Schuhe manuell angefertigt, zum Beispiel Orthopädieschuhe oder Schuhe für Theater und Ballett. Zum Großteil arbeiten Schuhmacher heutzutage im Reparaturbetrieb. Anders als früher sind die am häufigsten anfallenden Arbeiten heute Klebe- und Schleifarbeiten, da die meisten Schuhe heutzutage geklebt und nicht genäht sind. Dennoch wird das Handwerk nach wie vor gepflegt. So findet alle drei Jahre die Inter-Schuh-Service in Wiesbaden statt. Dabei handelt es sich um eine internationale Leistungsschau und Messe. Sie beinhaltet Ausstellungen von Schuhen, Reparaturarbeiten und Wettbewerbe. Hinzu kommen Fachvorträge und Austausch unter den Anwesenden.