Heidelberger Bauforum: „Die Kunst der Falte“ - Gekonnt geknickt: Studenten entwerfen Betonfaltentragwerk

Heidelberger Bauforum: „Die Kunst der Falte“ - Gekonnt geknickt: Studenten entwerfen Betonfaltentragwerk
Wenn Beton Falten bekommt, hat das nicht zwangsläufig etwas mit dem Alter zu tun. Bewusst eingesetzt, sind Falten nämlich nicht nur gelungenes Stilmittel, sondern auch statisches Element, wie Studierende der Bauhaus-Universität in Weimar mit einer außergewöhnlichen Betonkonstruktion bewiesen. „Bauen Sie ein eingeschossiges, mobiles Betonfalten­tragwerk“ lautete die Aufgabenstellung des Studenten­wettbewerbs „Die Kunst der Falte“, der im vergangenen Jahr im Rahmen des Heidelberger Bauforums ausge­schrieben wurde. Das Heidelberger Bauforum ist eine 2002 ins Leben gerufene Initiative der HeidelbergCement AG, die Architekten, Bauingenieuren und weiteren Ver­tretern aus der Bauwirtschaft eine Plattform zum gemein­samen Dialog bietet.

Der Wettbewerb gab den Teilnehmern die Möglichkeit, schon als Studierende ein außergewöhnliches Tragwerk zu entwerfen und sogar tatsächlich zu bauen. Rund drei Monate arbeiteten die Hochschüler im Rahmen eines in­terdisziplinären Seminars an den Entwürfen. Die Kon­struktion musste aus einzelnen, modularen Elementen zusammengestellt werden, die eine kompakte Lagerung, einfache Montage und Demontage sowie einen unproble­matischen Transport ermöglichen. Sechs Entwürfe wurden innerhalb des Projektes gemeinsam von Studierenden der Architektur und des Bauingenieurwesens an der Bauhaus-Universität angefertigt. Darunter außergewöhnliche Kon­struktionsvorschläge wie beispielsweise Verschnürungen, Reißverschlüsse oder Klettverbindungen, um die Beton­bauteile zusammen zu fügen.

Als Sieger kürte die Jury den Entwurf von Stephanie Hirth, Catherine Lourme und Davide Tocco. Die drei Studieren­den zeigten in ihrem Modell ein leichtes, mobiles Faltwerk mit freiem Tribünendach. Der Idee des Entwurfs liegt der Verzicht auf konstruktiv verbindende Elemente zugrunde: Die Besonderheit des Konzeptes ist, dass der Dachüber­hang und die gesamte Konstruktion lediglich mit sandge­füllten Holzkanistern ausbalanciert werden. Die acht Bau­teile wurden im Betonlabor der Bauhaus-Universität Wei­mar produziert. Der milimetergenaue Schalungsbau für die nur eineinhalb, beziehungsweise zwei Zentimeter starken Faltenelemente stellte das Team vor große Herausforderungen. Innovative Detaillösungen mussten gefunden und umgesetzt werden. So konnten die Falten wegen ihrer empfindlichen Form beispielsweise nicht seit­wärts aus der Schalung gestürzt werden, sondern mussten zunächst mitsamt der Form mit einem Gabel­stapler senkrecht aufgerichtet und anschließend rund­herum entschalt werden. Trotz ihrer geringen Wandstärke erweisen sich die Elemente als erstaunlich stabil, sodass die 2,80 Meter hohen und 80 Zentimeter breiten Beton­bauteile problemlos gestapelt befördert werden können. Im Juli wurde das Gesamtwerk im Hof der Universität Weimar ausgestellt. Weitere Informationen unter www.heidelberger-bauforum.de
Bildunterschrift
„Beton in Falten“: Die außergewöhnliche Betonkonstruktion war der Sieger des Studentenwettbewerbs „Die Kunst der Falte“, der im vergangenen Jahr im Rahmen des Heidelberger Bauforums ausgeschrieben wurde.