Heidelberger Beton: Biogasanlagen - Strom aus dem Betonbehälter

Heidelberger Beton: Biogasanlagen - Strom aus dem Betonbehälter
In ländlichen Gebieten entscheiden sich immer mehr Landwirte für ein zusätzliches Standbein: Sie investieren in eine Biogasanlage zur Energiegewinnung und erschließen sich damit durch den Verkauf von elektrischer und/oder thermischer Energie eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit. Auch Landwirt Guido Mayer aus dem bayerischen Oberleiten hat sich für den Bau einer Biogasanlage entschlossen. Seine 6 m tief in den Boden eingelassene Anlage hat einen Durchmesser von 22 m und wurde in nur zwei Wochen vom Bauunternehmen Johann Stadler, Engelsberg-Offenham erstellt. Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung solcher Stahlbetonrundbehälter aus Fertigteildoppelwand-Elementen spezialisiert.

Biogas bildet sich immer dann, wenn sich organische Verbindungen unter Luftabschluss zersetzen. Dafür sind anaerobe Bakterien, die ohne Sauerstoff leben können, verantwortlich. Das dabei entstehende Gasgemisch besteht zu 50 bis 70 Prozent aus dem hochwertigen Energieträger Methan.

Das Funktionsprinzip einer Biogasanlage ist einfach: Die Gülle bzw. der Mist gelangt zusammen mit den eventuell zusätzlich eingesetzten Co-Substraten zum Vergären in einen Gärbehälter (Fermenter). Hier verweilt das Substrat mehrere Tage, wobei durch die Aktivität der Mikroorganismen Biogas gebildet wird. Um die Bildung von Schwimmdecken und Sinkschichten zu verhindern, muss das Substrat ständig gerührt werden. Dadurch wird zusätzlich das Entweichen der entstandenen Gase erleichtert.

Von der zumeist in Blockheizkraftwerken aus dem Biogas erzeugten Energie lassen sich rund 30 Prozent als Strom und 60 Prozent als nutzbare Abwärme gewinnen. Der durchschnittliche Heizwert eines Kubikmeters Biogas entspricht etwa 0,6 Liter Heizöl. So ersetzt das Biogas aus einer Tonne organischer Reststoffe oder drei Tonnen Gülle/Festmist etwa 60 Liter Heizöl oder 120 kWh Strom.

Das Kernstück der Biogasanlage in Oberleiten ist der Gärbehälter mit einem Nutzinhalt von 2.280 m3. Die Anlage besteht aus insgesamt 54 je 30 cm dicken Stahlbetonfertigteil-Doppelwand-Elementen aus Beton B 45 (nach neuer Norm C 35/45). Ausgegossen wurden die Fertigteilelemente mit insgesamt 432 m3 Frischbeton Easycrete, einem besonders fließfähigen Beton, der von TBG Transportbeton Inn-Beton aus Altötting geliefert wurde. Eine besondere Herausforderung für die TBG Inn-Beton war hierbei, dass die Betonage der Doppelwände sehr genau disponiert und mit dem Baustellenpersonal abgesprochen werden musste, denn der Statiker gab zur Sicherung der Standfestigkeit der Fertigteile nur eine maximale Betonierhöhe von 80 cm/h vor.

Den Abschluss des Behälters bildet eine befahrbare Fertigteildecke in B 35, die mit Ortbeton vergossen wurde. Mit seiner neuen Biogasanlage kann Guido Mayer jetzt Strom produzieren, der 560 Haushalte versorgt.