Innovative Logistik: Das Litzenhubsystem von Streif Baulogistik

Innovative Logistik: Das Litzenhubsystem von Streif Baulogistik
Voerde. Auf den Millimeter kommt es an, wenn Streif Baulogistik in den kommenden Wochen die Kamine in den neu errichteten Schornstein des Kraftwerks Voerde einzieht. Die Stahlbühnen, Röhren und Kanäle werden mit einem hydraulischen Litzenhubsystem in Position gebracht. Im Ergebnis hängen 400 Tonnen an einer Stahlkonstruktion im Schornstein herab.

Aufgrund sehr hoher Bewegungsvorgaben für den Kamin hat sich der Betreiber entschieden, die Röhren an Festpunkten im obersten Bereich des Kamins aufzuhängen. Für den Hebevorgang bleiben Kran und Gleitschalung zunächst in abgespeckter Version auf dem Schornstein. Die Gleitschalung wird um eine Stahlkonstruktion verstärkt. Nur so können die hohen Lasten getragen werden. Allein die Kopfbühne wiegt bei einem Durchmesser von 22 m 100 Tonnen, so viel wie 13 kleine LKWs. Eine weitere Stahlbühne, die später in 85 Metern Höhe der Führung der Rohre dient, hat ein Gewicht von 80 Tonnen.

Die Stahlbühnen werden am Schornsteinfuß vormontiert und dann mit dem Hebesystem auf Endposition gehoben. Das Litzenhubsystem ist eine Speziallösung von Streif Baulogistik für diese technisch interessante Aufgabe. Vier Litzen, gradlinig zu einem Strang ausgelegt, werden dabei durch Hydraulikzylinder und verschiedene Bühnen nach unten geführt. Die vier Zylinder sind auf der Gleitschalung verankert. Jeder Litzenstrang ist für eine Traglast von 40 Tonnen ausgelegt. Insgesamt kommen 4 Stränge zum Einsatz.

Spannend wird es am heutigen Tag für die Maschineningenieure von Streif Baulogistik, wenn im ersten Hub die tonnenschwere Kopfbühne im Schornstein auf 218 Meter Höhe gezogen wird. Hier ist Millimeterarbeit gefragt. Der Hubvorgang wird bei einer geschätzten Geschwindigkeit der Zylinder von ca. 20 Metern pro Stunde ungefähr 10 Stunden benötigen. Die Bühne wird mit 4 Litzensträngen nach oben gezogen. Nach dem Hub werden die Ecken an die Bühne montiert und die Bühne auf die vormontierten Betonkonsolen aufgesetzt. Anschließend wird die Decke betoniert und die Gleitschalung und der Turmdrehkran demontiert. Im nächsten Schritt werden die Ringbühnen auf 175 und 135 Metern Höhe montiert. Anschließend folgen weitere Stahlbühnen in 85, 45, 70, 34, 20 und 30 Metern Höhe.

Danach beginnt die Montage der Rauchgasröhren aus mit Glasfaser verstärktem Kunststoff (GFK-Röhren). Die einzelnen Rohrschüsse werden dabei von unten in den Kamin eingehoben und dann hydraulisch nach oben gezogen. Anschließend wird das nächste Rohrsegment eingeschoben, anlamelliert und wieder angehoben. Im ersten Stoß werden die Litzenstränge am Rohr befestigt. Die Rohrsegmente wiegen ca. 7 Tonnen, haben eine Länge von 7 Metern und einen Durchmesser von 8 Metern. Eine kleine doppelstöckige Containeranlage würde hier bequem Platz finden.

Sobald die Röhre bei 85 Metern von der unteren Stahlbühne geführt ist, wird das Litzenhubsystem umgehängt und an einem der unteren Segmente angeschlagen. Dann werden die weiteren Rohrschüsse montiert. Die Führung der Röhren durch die Kopfbühne ist Präzisionsarbeit. Die inzwischen auf 166 Meter (Röhre A) und 177 Meter (Röhre B) angewachsenen Röhren haben ein Gewicht von jeweils ca. 200 Tonnen und müssen durch eine enge Öffnung in der Kopfbühne geführt werden. Den Spezialisten von Streif Baulogistik stehen nur 3 cm Spielraum zur Verfügung, um den Auflagering zu montieren.

Lastet das Gewicht der Röhren nun auf der Kopfbühne, hat sich das innovative Litzenhubsystem bewährt. Streif Baulogistik hat ein weiteres Mal seine Kompetenz für technisch anspruchsvolle Logistiklösungen unter Beweis gestellt.