Kleine Lehre vom Tapezieren Wand tapezieren Decke tapezieren

Tapezieren kann jeder, denken Sie? Nun, grundsätzlich haben Sie recht. Knapp 75% aller Hobbyheimwerker haben es schon einmal getan. Tapezieren ist kein Hexenwerk und erfordert keinen Meisterbrief. Und eine schöne Tapete an einer sonst kahlen Wand verändert die Atmosphäre eines ganzen Raumes.

ein-tapeziertisch-mit-einer-rolle-tapete-und-kleister.jpgVom Greenhorn zum Tapeziermeister - Einleitung
Dennoch sollten Sie sich nicht gleich in die Arbeit stürzen, denn es kann immer noch so einiges schiefgehen.  Mit der richtigen Vorbereitung, den richtigen Utensilien und der Berücksichtigung einiger Grundtechniken können aber auch Neulinge im hausgebräuchlichen Handwerk zu Tapezierprofis werden.
Bevor Sie sich ans (Hand-)Werk machen, sind zuvor ein paar grundlegende Aufgaben zu erfüllen. Diese ersten Schritte können Sie vor so mancher böser Überraschung während des Tapezierens bewahren und versprechen eine lange Freude an dem dann vollbrachten Werk.

Maßarbeit – genau gemessen ist schon halb tapeziert
 Zu allererst sollten Sie den genauen Tapetenverbrauch ermitteln. Hierzu müssen die Wände sehr exakt vermessen werden. Wenn Sie ganz genau sein wollen, fertigen Sie eine kleine Skizze des zu tapezierenden Raumes an. Berücksichtigen müssen Sie die Raumhöhen im ganzen Raum, wobei Sie schräge Wände und Decken nicht vergessen dürfen. Dann ermitteln Sie die Breite und Höhe jeder einzelnen Wand. Auch Fenstereinkerbungen und Türen müssen mit einkalkuliert werden, wobei die Fenster- und Türöffnungen den Tapetenbedarf zwar verringern, Fenster- und Türwangen diesen aber wieder erhöhen. Notieren Sie alles sorgfältig auf einem Blatt Papier oder auf Ihrer Skizze, sollten Sie eine angefertigt haben. Keine Sorge wegen des Zahlenwusts, glauben Sie mir, am Ende hat er sich bezahlt gemacht.
Bei der Berechnung des Tapetenbedarfs müssen Sie auch darauf achten, dass nicht jede Tapete das gleiche Rollenlängenmaß hat. So bringt man mit einer Rauhfasertapete zum Beispiel viel mehr Bahnen an die Wand (Standardlänge einer Rolle 33m), wohingegen eine Struktur- oder Mustertapete meist nur knapp 10 m Länge aufweist. Da die Rollenbreite jedoch meist standardisiert ist, nämlich 0,53 Meter breit, ist dies wieder eine Erleichterung bei der Berechnung des Bedarfs.
In seltenen Fällen weicht die Rollenbreite jedoch vom Standardmaß ab, wie z.B. bei Gras- oder Korktapeten, die eine Breite von 0,92m haben. In solchen Fällen lohnt es sich, bei der Berechnung der Bahnen ganz exakt vorzugehen, um die höchstmögliche Anzahl Bahnen aus einer Rolle zu gewinnen und den Verschnitt so gering wie möglich zu halten. Gerade bei hochwertigen und damit meist teuren Tapeten kann man somit auch Geld sparen.
Beim Ausmessen sollten Sie überdies Überlappungen mit berücksichtigen. Überlappungen entstehen vor allem an  Ecken und Übergängen von Wand zu Decke. Am besten Sie rechnen grundsätzlich pro Bahn ein Zumaß von 5 cm auf die Raumhöhe gegeben werden.

Auch der Bedarf an Kleister sollte vorab schon geklärt werden, denn nichts ist ärgerlicher, als während die erste Hälfte des Raumes fertig tapeziert ist, unterbrechen zu müssen, weil der Klebstoff ausgegangen ist. Für die Berechnung des Kleisterbedarfes ist die Wahl der Tapete von Bedeutung, denn je nach Material und Stärke des Materials benötigt man mehr oder weniger. Meistens reicht der handelsübliche Tapetenkleister bzw. Spezialkleister völlig aus, nur manchmal muss doch auf besonders geeignete Kleber zurückgegriffen werden. Wenn Sie zum Beispiel Gewebetapeten, Vinyltapeten oder Dekorprofiltapeten verarbeiten wollen, müssen Sie dem Spezialkleber in einem bestimmten Verhältnis Dispersionskleber zufügen, da die Tapete aufgrund ihres Gewichtes sonst nicht an den Wänden haften bleiben würde.
Tapete ist nicht gleich Tapete – von Rauhfaser bis Strukturtapete
Als nächstes sollten Sie sich ein paar Gedanken über das Grundmaterial, die Tapete, machen. Hierbei ist nicht nur die Muster- oder Farbauswahl gemeint. Allerdings können selbst hier die Probleme schon auftreten. Soll es einfach zum Beispiel nur die von Allerwelt geliebt-verpönte Rauhfasertapete sein oder eine dem Trend entsprechende Mustertapete in den angesagten Modefarben? Gerade bei Mustertapete ist zu berücksichtigen, dass es hier verschiedene Möglichkeiten hinsichtlich des Rapports geben kann. Der Rapport bedeutet den Verschnitt der Tapete, der durch die Fortführung des Musters auf der nächsten Tapetenbahn entsteht. Bei manchen Mustern muss man die Bahnen entsprechend zuschneiden – also nicht einfach munter drauflos schneiden, Bahn für Bahn – dies könnte beim Kleben zu einem völlig neuen und vor allem unerwünschten Muster führen. Halten Sie sich bei Mustertapeten am besten genau an die Angaben zum Zuschnitt, die Sie auf der Verpackung der Tapete finden, dann sind Sie auf der sicheren Seite.
Ein wichtiger Punkt bei der Entscheidungsfindung, welche Tapete es sein soll, ist die Frage, wo das Wandkleid zum Tragen kommen soll. Soll die Tapete eine Wand in einem Wohnzimmer schmücken oder etwas mehr Farbe ins Kinderzimmer bringen? Ganz klar, solche Aspekte beeinflussen die Tapetenwahl. Gerade an Wänden, die eine hohe Beanspruchung erwarten, z.B. durch erkundende Kinderhände, sollte man ein besonders robustes Material zum Einsatz bringen. Von Vorteil wäre in diesem Fall zum Beispiel auch, eine abwaschbare Tapete zu wählen. Doch Vorsicht: wasserbeständig ist nicht gleich wasserbeständig und daher sollte man die Angaben auf der Produktverpackung genau lesen – und im Ernstfall interpretieren können. Die Eigenschaftsliste reicht hier von “Wasserbeständig zur Zeit der Verarbeitung”, was so viel bedeutet, dass frische Kleisterflecken mit einem feuchten Tuch entfernt werden können, über waschbeständig (=die Reinigung mit einem feuchten Schwamm ist möglich), bis hin zu hochwaschbeständigen Tapeten, die sogar sanfte Reinigungsmittel verkraften.

Gerade wenn Haustiere und Kleinkinder in der Wohnung unterwegs sind, bieten sich in deren Laufhöhe Tapeten mit dem Prädikat scheuerbeständig an. So lassen sich auch grobe Verschmutzungen wieder entfernen. Auch hier gibt es zwei Varianten, normal scheuerbeständig und hoch scheuerbeständig.
Die Vinyltapete erfüllt diese Anforderung von allen am besten. Ein zusätzlich extrem stoßfester Vertreter unter den Tapeten ist die Struktur-Vinyltapete. Die Eigenschaft “stoßfest” erhält sie durch ihre aufgeschäumte Reliefoberfläche. Ein großer Vorteil der Rauhfaser ist es, dass sie vielseitig einsetzbar und kostengünstig ist und gestalterische Freiheit lässt. Haben Sie sich für diesen alteingesessenen Kandidaten entschieden, können Sie die fehlende Eigenschaft “wasserbeständig” einfach durch einen abschließenden Anstrich mit einer geeigneten klaren Latexfarbe (Stichwort Elefantenhaut) ausgleichen.
Vor allem bei farbintensiven Tapeten ist es wichtig, dass die Tapete eine hohe Farbechtheit und Lichtbeständigkeit aufweist, gerade wenn sie auf Wänden zur Anwendung kommt, die häufiger Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Die Farbe einer Tapete mit geringem Lichtbeständigkeit wird sonst sehr schnell verblassen.

Die Qual der Wahl – bunt, uni, gestreift oder gepunktet? – Farbe, Muster und Wirkung
Egal ob Rauhfaser, Prägetapete, Gewebetapete oder Vinyltapete - Tapeten verleihen einem Raum ein komplett neues Gesicht. Allerdings kann die falsche Wahl von Farbe oder Muster aber auch in einem optischen Desaster enden. Aus diesem Grund kommen bei der Wahl der Tapete die gleichen Grundsätze zum Einsatz wie beim Streichen von Räumen.
Kleine Räume sollten nach Möglichkeit in hellen Farben gehalten werden. Soll eine Mustertapete angebracht werden, empfiehlt es sich, auf eine klein gemusterte zurückzugreifen. Wollen Sie nicht auf großflächige Muster verzichten, ist es ratsam, diese Tapete nur auf einer einzigen Wand anzubringen, nicht aber im gesamten Raum. Ein niedriger Raum gewinnt durch senkrechte Streifen an Höhe, aber auch hier sollten Sie in kleinen Räumen darauf verzichten, alle Wände in dieser Art zu tapezieren. Einem engen oder kurzen Raum geben Sie mit der Auswahl einer mittelblauen bis blaugrünen Tapetewand, die an 2 Seiten von hellen Wänden eingerahmt ist, mehr Tiefe. Das gleiche erreichen Sie durch waagerechte Streifen oder durch das Anbringen einer waagerechten Bordüre. Außerdem nehmen waagerechte Streifen einem hohen Raum optisch an Höhe.

Mehrere Farben und Muster an einer Wand oder in einem Raum zu kombinieren, ist zwar trendy, es macht einen Raum aber auch sehr unruhig. Bedenken Sie außerdem, dass Trends vorbeigehen und Sie vielleicht schon in kurzer Zeit von neuem beginnen können, Ihre Wände zu tapezieren.
Sehr wichtig beim Kauf von Farb- und Mustertapeten sind einheitliche Fertigungsnummern der Rollen. Achten Sie darauf, dass Sie in einem Raum nur Rollen der gleichen Nummernfolge verarbeiten. So vermeiden Sie Farbabweichungen. Fragen Sie beim Kauf zur Sicherheit, ob es möglich ist, die gleiche Fertigungsnummer nachträglich zu beziehen. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich fragen, ob zu viel gekaufte Tapetenrollen, die natürlich ungeöffnet und unbeschädigt sind, zurückgegeben werden können.
Ein kleiner Tipp für kleine Räume: Tapezieren Sie nicht eine komplette Wand oder den ganzen Raum mit einer Mustertapete, sondern kombinieren Sie einfache Rauhfaser mit nur ein paar Bahnen Mustertapete – setzen Sie also Akzente. So haben Sie zwar Ihre Mustertapete, ohne aber eine zu erdrückende Atmosphäre zu schaffen. Übrigens sieht das auch in großen Räumen klasse aus.
Apropos erdrückende Atmosphäre, hier noch ein gestalterischer Hinweis: Räume, die komplett oder überwiegend mit Mustertapete ausgestattet sind, sollten nach Möglichkeit nicht auch noch mit Möbeln “bis obenhin” zugestellt werden. Zum einen kommt dann die Wirkung der Tapete gar nicht zur Geltung, zum anderen wirkt der Raum überladen. Soll also der gesamte Raum gemustert werden, seien Sie kleinlich beim Hineinstellen von Möbeln und achten Sie auf passende Farben und Accessoires. Übrigens bieten viele Tapetenhersteller zu den gängigen Tapetenmodellen auch passende Stoffe an – so lässt sich die Einrichtung zum Beispiel mit Gardinen, Kissenbezügen und/oder Tischwäsche optimal ergänzen.

Was wär der Schneider ohne Schere? – das Handwerkszeug
Haben Sie nun die gewünschte Tapete käuflich erstanden, überprüfen Sie, ob Sie alle benötigten Utensilien und Tapezierwerkzeuge zur Hand haben. Dies sind unter anderem eine Tapeziertisch (kleiner Tipp: falls keiner vorhanden, lässt er sich ganz einfach aus 2 Böcken und einer OSB-Platte herstellen), eine scharfe Schere oder ein Tapeziermesser, eine Bürste zum Glattstreichen der Tapete, eine Spachtel, ein Bleistift, ein Zollstock, Eimer und Pinsel für den Kleister, Klebeband und Abdeckfolie. Außerdem sollte eine Leiter vorhanden sein. Eine tolle Erfindung ist auch das Cutter-Kant, welches das gerade Abschneiden (“Ablängen”) der Tapete an den Endstücken (oben und unten) erleichtert. Weitere Dinge, die einem die Arbeit erleichtern können, sind z.B. eine Kleistermaschine und ein Zuschneider  mit Rollenhalter. Aber auch ohne diese Geräte lässt sich die Aufgabe des Tapezierens meistern.

Eine schöne Wand kann nichts entstellen – der Untergrund
Als nächstes sollten Sie sich den Untergrund auf den Sie die Tapete anbringen wollen, genauestens ansehen. Eine gute Vorbereitung der Wände ist beim Tapezieren schon die halbe Miete und man kann eine Menge Zeit und Nerven sparen. Und auch wenn die Bearbeitung des Untergrundes sogar mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte, als der eigentliche Tapeziervorgang, so garantieren Sie sich dadurch selber eine lange Freude an Ihrer neuen Wandbekleidung.
Ziel ist es, vor dem Tapezieren eine Oberfläche zu erhalten, die sauber, trocken, glatt und vor allem trag- und saugfähig ist.

Noch ein paar Tipps: die Saugfähigkeit eines Untergrundes können Sie einfach testen, in dem Sie zum Beispiel mit einem Pinsel etwas Wasser auf die Wand streichen. Zieht es nicht ein, sondern perlt von der Wand ab, dann ist die Saugfähigkeit der Wand nicht hoch genug. Was dazu führt, dass der Kleister nicht an der Wand abbinden kann und die Tapete somit nicht hält. In diesem Fall sollten Sie über das vorherige Anbringen einer Rollenmakulatur nachdenken.
Der andere nicht erwünschte Fall ist, dass das Wasser sehr schnell einzieht und eine besonders starke Dunkelfärbung der nassen Stelle entsteht. Dann ist der Untergrund zu saugfähig, was ebenfalls dazu führt, dass die Tapete nicht an der Wand haften bleibt, da der Kleister keine Zeit hat abzubinden, weil die Wand ihm das Wasser zu schnell entzieht.
Hier eine kleine Aufstellung, wie Sie den jeweiligen Untergrund am besten vorbereiten:
Alte Tapeten: weichen Sie die alte Tapete mit Wasser oder Tapetenlöser ein und lösen Sie sie dann ab. Handelt es sich um eine sehr dicke Tapete oder mehrere Lagen, rauen Sie die Schicht am besten erst auf und weichen Sie dann auf. So kann das Wasser einfacher bis an die unterste Tapetenschicht heranreichen. Ist der Putz restlos von Tapetenrückständen befreit, kleistern Sie ihn am besten vor (Mischverhältnis 1 Packung normales Kleisterpulver in 10 Liter Wasser anrühren)
Tipp: ein prima Tapetenlöser lässt sich ganz einfach selber herstellen, in dem Sie handwarmes Wasser mit einem Schuss Spülmittel anmischen.

Wände, die mit Leimfarbe gestrichen wurden, waschen Sie mit Wasser und Tapetenlöser gründlich ab und streichen die Wand  im Anschluss mit lösefreiem Tiefgrund.
Dispersionsfarbe die ausreichend fest am Untergrund haftet, können Sie einfach übertapezieren. Ist die Farbe nicht mehr fest, weichen Sie sie mit Wasser ein, warten bis sie aufgequollen ist und entfernen sie dann mit einem Spachtel. Auch hier bringen Sie im Anschluss lösemittelfreien Tiefgrund auf.
Öl- oder Lackfarben schleifen Sie entweder an oder Sie waschen Sie mit einem wasserverdünnten Lackanlauger ab. Hier sollten Sie im Anschluss eine Rollenmakulatur anbringen.
Tipp: Ob alte Anstriche noch tragfähig und damit übertapezierbar sind, können Sie ganz leicht mit diesem Test herausfinden: Ritzen Sie die Farbe mit einem Messer mehrfach ein und kleben Sie dann ein Stück Klebeband fest über diesen Bereich. Reißen Sie das Klebeband dann ruckartig wieder ab. Löst sich hierbei Farbreste, so muss der Anstrich auf jeden Fall entfernt werden, da die Tapete sich sonst früher oder später wieder von der Wand lösen wird.
Weist der Untergrund Löcher oder Risse auf, müssen Sie unbedingt lose Teile entfernen, bevor Sie diese Flächen mit Füllspachtel ausfüllen und glätten. Ist die Fläche sehr groß oder die Übergänge zur intakten Fläche zu sensibel, putzen Sie am besten ein Gewebeband mit ein, dies fördert die Festigkeit des Spachtels. Nach dem Trocknen der Spachtelmasse muss der Bereich noch einmal glatt geschliffen werden.

Bei Putzen mit einem hohen Anteil an Sand festigen Sie die Struktur mit einem Tiefgrund-Anstrich.
Rauhe Putze sollten Sie mit Streichmakulatur behandeln, um die Poren im Putz zu füllen. Wollen Sie eine Vinyl- oder Strukturvinyltapete anbringen, eignet sich diese Maßnahme jedoch nicht und Sie kleben am besten zuerst eine Untertapete.
Wenn Sie auf eine Wand aus Gipskarton tapezieren wollen, streichen Sie diese vorher mit einem lösemittelfreien Tiefgrund.
Tipp: Hinterlässt Ihr Daumennagel starke Abdrücke im Putz, sollten Sie die Wand auf jeden Fall mit Tiefgrund streichen, um die Tragbarkeit des Putzes zu verbessern.

Besonders gründlich entfernt werden müssen Schimmel, Rost- oder Wasserflecken. Bereiche, in denen Rost- oder Wasserflecken entstanden sind, streichen Sie am besten mit einem Sperrgrund vor. Außerdem sollten Sie vorab vielleicht klären, ob eventuelle Schäden an in der Wand verlaufenden Rohren bestehen. Schimmelstellen können Sie mit einem Anti-Schimmel-Spray bekämpfen, allerdings sollten Sie zur Sicherheit genau untersuchen, warum der Schimmel entstanden ist. Eventuell ist es mit einem einmaligen Entfernen nicht getan, da Schimmel oft sehr tief im Putz sitzt und ggf. wieder zum Vorschein kommt. Je nachdem muss der Putz an dieser Stelle entfernt und neu angebracht werden. Zur Vorsorge kleben Sie an kritischen Stellen am besten eine Wärme dämmende Untertapete mit Styropor- oder Kartonoberfläche. Diese streichen Sie dann mit Rollenmakulatur, bevor Sie die endgültige Tapete aufkleben.

Jetzt geht’s los -  das eigentliche Tapezieren
Haben Sie all diese Punkte berücksichtigt und befolgt, können Sie sich nun an die eigentliche Arbeit, das Tapezieren, begeben. Achten Sie darauf, dass in dem Raum in den Sie tapezieren wollen, nach Möglichkeit eine konstante Temperatur von 18 bis 20 Grad Celsius herrscht. Außerdem sollten Sie Zugluft vermeiden. Rollen Sie die Tapete auf dem Tapeziertisch aus (haben Sie keinen solchen, können Sie sich ganz einfach einen selber bauen zum Beispiel aus 2 oder entsprechend mehr Holzböcken und einer OSB Platte oder einer anderen stabilen und ausreichend großen / langen Platte). Dann messen Sie dann die erste Bahn entsprechend Ihren vorherigen Berechnungen ab und schneiden Sie sie zu.
Ein kleiner Tipp: Wenn Sie ganz akkurat vorgehen wollen, markieren Sie sich den Verlauf der einzelnen Bahnen mit Hilfe einer Wasserwaage mit einem Bleistift vor. Da eine Wand nie 100 Prozent gerade ist, egal wie viel Mühe sich der Pützer gegeben hat, vermeiden Sie so, dass Sie die Bahnen schief aufkleben. Dies kann vor allem bei Mustertapeten einen unangenehmen optische Effekt haben. Außerdem können Sie so die Stellen, an denen die Tapetenbahnen sich unter Umständen aufgrund des Winkels der Wand überlappen, von vorneherein analysieren und die Bahnen nach dem Ankleben entsprechend zurechtschneiden (= die Überlappungen abschneiden). Natürlich kann man die gerade angeklebte Bahn die ersten Minuten auch noch ein wenig “zurechtrücken” – die Vorarbeit des Anzeichnens vermeidet aber das Risiko, das die Tapete durch das Zurechtrücken in Mitleidenschaft gezogen wird, zum Beispiel kann sie durch das Geschiebe reißen. Die nächste Bahn zeichnen Sie dann an, sobald die vorherige angebracht ist.

Kleistern Sie die erste Bahn nun entsprechend den Angaben auf der Produktverpackung des Kleisters und ebenfalls entsprechend der Hinweise auf der Produktverpackung der Tapete ein. Je nach Tapetenart oder der Saugfähigkeit des Untergrundes kann es erforderlich sein, auch die Wand vorzukleistern, ganz selten wird sogar nur die Wand eingekleistert. Wichtig bei der Herstellung des Kleisters ist, dass keine Klumpen zurückbleiben. Nach etwa 30 Minuten Quellzeit ist der Kleister gebrauchsfertig. Bestreichen Sie die Bahn satt mit Kleister, aber achten Sie darauf, dass er gleichmäßig verteilt ist. Auch die Ränder müssen ausreichend mit Kleister bestrichen werden. Falten Sie die Tapete nun ähnlich eines Fächers bzw. einer Ziehharmonika zusammen (/3 zu 1/3) und lassen Sie sie einen Moment einweichen. Die Einweichzeit sollte mindestens 10 Minuten jedoch nicht mehr als 15 Minuten betragen. Wird diese Zeit überschritten, wird das Material zu weich und kann dann sehr leicht einreißen. Ist die Zeit zu kurz, wird sich die Tapete nicht richtig an den Untergrund anbinden. Kleistern Sie immer nur so viele Bahnen ein, wie Sie mit Sicherheit innerhalb von 15 Minuten verarbeiten können!
Nach der Einweichzeit klappen Sie nun die obere Hälfte der Tapete auf und kleben Sie sie an die Wand. Lassen Sie die Bahn etwa 2 bis 3 cm über die Wandkante zur Decke überlappen. Kontrollieren Sie den Sitz der Tapete und streichen Sie sie dann mit einer Bürste von oben nach unten und von der Mitte zu den äußeren Rändern. So verteilen Sie überschüssigen Kleber und vermeiden, dass Blasen entstehen. Ist die obere Hälfte der Tapetenbahn gut positioniert, klappen Sie den unteren Teil auf und kleben Sie ihn in der gleichen Weise wie den oberen Teil. Markieren Sie dann die Position für die nächste Bahn und kleben Sie sie entsprechend an. Wie bereits erwähnt, kann es bei schiefen Wänden dazu kommen, dass die beiden Bahnen an manchen Stellen überlappen. Bei dünnen Tapeten stellt dies meistens kein Problem dar, bei dickeren Modellen sieht das aber unschön aus. In diesem Fall passen Sie die Überlappung mit einem sehr scharfen Cuttermesser an, d.h. schneiden Sie von der oberen Tapete den entsprechend überstehenden Teil ab (Stoß auf Stoß). Auf das gleiche Problem werden Sie wahrscheinlich auch bei Kanten und sonstigen Übergängen stoßen. Hier gilt das gleiche, bei dünnerem Tapetenpapier können Sie die Überlappung bis zu 1 cm belassen (in manchen Fällen ist dies sogar von Vorteil, da je nach Unebenheit der Übergänge ein sauberes Anpassen der Bahnen gar nicht möglich ist, vor allem zum Beispiel im Übergang von Wand zu Decke), bei dickerem Papier setzen Sie die Bahnen am besten Stoß auf Stoß.
Beginnen Sie mit der ersten Bahn in einer Innenecke und arbeiten Sie sich zur nächsten vor! Achten Sie darauf, dass Sie immer vom Licht weg tapezieren, also mit dem Lichteinfall, da Überlappungen so im Nachhinein weniger auffällig sind.
Bitte entfernen Sie überschüssigen oder an den Rändern herausquellenden Kleister sofort. Wenn er auf der Tapete trocknet, kann man ihn unter Umständen im Nachhinein nicht mehr rückstandslos entfernen. Außerdem bildet er auf den Folgebahnen Unebenheiten, die Sie im Anschluss immer sehen werden.

Problemzonen -  Fitnesstraining für eine schöne Wand
An besonders heiklen Stellen, wie zum Beispiel hinter Heizkörper, gehen Sie am besten “gestückelt” vor. Die Bahnen links und rechts vom Heizkörper tapezieren Sie ganz normal und kleben die Tapete so weit wie möglich hinter den Heizkörper. Eventuell müssen Sie die Tapetenbahn ein wenig zurecht schneiden. Die Bereiche hinter dem Heizkörper schneiden Sie dann ebenfalls zurecht, notfalls in Streifen bis zu 10 cm Breite. Achten Sie hierbei darauf, dass Sie ein gleichmäßiges Bahnenbild erstellen. Am besten messen Sie vorher genau aus, wo sich die Halterungen der Heizkörper in der Wand befinden, das erleichtert das exakte Zuschneiden der Bahnen.

Steckdosen und Lichtschalter überkleben Sie zuerst komplett mit der Bahn. Wenn die Tapete getrocknet ist, schneiden Sie die Öffnungen zuerst mit in Kreuzform ein und legen die Überstände dann nach innen. Eventuell müssen Sie die Überstände noch ein wenig einschneiden, damit keine Falten entstehen.
Sollen Stromkabel nach außen auf die Wand gelegt werden, schneiden Sie ebenfalls einen kleinen Kreuzschlitz an der Stelle wo das Kabel aus der Wand kommt und ziehen Sie das Kabel dann vorsichtig heraus.

Wollen Sie auch die Decke mit Tapete versehen, sollten Sie hiermit anfangen. Dazu nehmen Sie sich am besten noch eine zweite Person zur Hilfe, denn sonst kann diese Unterfangen ganz schnell dazu führen, dass die Tapete nicht an die Decke gerät, sondern nur Sie selber beklebt. Um die Decke besser zu erreichen, können Sie ein stabiles Brett zwischen 2 Leitern stellen. Die Tapetenbahnen sollten so bemessen sein, dass sie an beiden Enden 1 bis 2 cm auf die Wand geklebt werden kann.
Eine Person hält nun die noch nicht tapezierte Bahn hoch, während die andere Person das erste Drittel an die Decke anbringt.

Übrigens: keine Sorge, wenn nach dem Tapezieren erst noch Blasen in der Tapete vorhanden sind. Das ist ganz normal. An diesen Stellen ist die Tapete noch nicht ganz mit der Wand verbunden. Mit dem Trocknungsvorgang zieht sich die Tapete aber ein wenig zusammen und die Blasen verschwinden. Bleiben Sie aber auch nachdem die übrige Tapete getrocknet ist, bestehen, scheint doch eine andere Ursache vorzuliegen. Es kann zum Beispiel sein, dass sich in den Blasen eine Ansammlung von Kleister befindet. In diesem Fall können Sie Abhilfe schaffen, indem Sie mit einer Nadel ein kleines Loch in die Blase stechen und den Kleister herausdrücken. Oder aber es befindet sich gar kein Kleister an dieser Stelle. Dann können Sie entweder mit einer Einwegspritze durch einen kleinen Einschnitt Kleister anbringen oder mit Hilfe eines sehr feinen Pinsels. Eventuell entstehende Risse vorsichtig mit Kleister reparieren.