Konjunkturerholung liegt auf Eis

Konjunkturerholung liegt auf Eis

München, 14.10.2002 (BIHK) Die bayerische Wirtschaft steht vor einem harten Winter. Der zaghafte Optimismus vom Sommer diesen Jahres ist verschwunden und die Stimmung der Unternehmen liegt am Boden. Der Abwärtstrend betrifft nicht nur die binnenwirtschaftlich orientierten Branchen, sondern auch die Industrie. Denn jetzt lassen auch noch die Impulse aus dem Ausland nach. Zu diesem Ergebnis kam die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter 2900 Unternehmen.Zum zweiten Mal in Folge beurteilt die bayerische Wirtschaft ihre derzeitige Lage noch schlechter als in der schweren Rezession 1993. Auch die Geschäftserwartungen gehen nach unten: Nur noch 18 % (Juni 2002: 21 %) der Unternehmen glauben an einen Aufwärtstrend in den kommenden Monaten. Dagegen ist der Anteil der Pessimisten von 15 % auf 21 % gestiegen. „Eine konjunkturelle Erholung rückt damit immer weiter aus dem Blickfeld“, so BIHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler. Selbst das Abgleiten in eine neuerliche Rezession könne nicht mehr ausgeschlossen werden.

Vor allem die Industrieunternehmen – im Sommer noch Hoffnungsträger einer konjunkturellen Erholung - haben die Zukunftsprognosen deutlich nach unten revidiert. Nur noch 22 % (Sommer 2002: 24 %) hoffen in den kommenden Monaten auf bessere Geschäfte. Dagegen befürchten nach 12 % im Sommer jetzt 18 % einen weiteren Abwärtstrend. Der Export kann die schwache Binnenkonjunktur jetzt nicht mehr kompensieren, denn auch die Exporterwartungen wurden leicht nach unten korrigiert.

In der Bauwirtschaft haben sich die Hoffnungen einmal mehr zerschlagen, dass der Tiefpunkt der Baukonjunktur bereits erreicht sei. Mehr als doppelt so viele Unternehmen (39 %) wie noch im Sommer (17 %) befürchten, dass sich die ohnehin desolate Geschäftslage künftig noch verschärft. Inzwischen erwarten 65% (57%) der Bauunternehmen, dass die Aufträge zurückgehen. Damit beschleunigt sich der Personalabbau deutlich. Nach 30% im Sommer wollen jetzt 50% die Mitarbeiterzahl verringern.

Im bayerischen Handel wird die Abwärtskurve immer steiler. Denn die Vertrauenskrise bei den Verbrauchern würgt die Kauflust ab. „Das ist allerdings“, so Dörfler, „bei steigender Arbeitslosigkeit und bei der vorhandenen Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung kaum verwunderlich“. Die Umsatzprognosen, die bereits im Sommer regelrecht abgestürzt sind, finden keinen Halt. Künftig kalkulieren 59 % (56 %) der befragten Einzelhändler mit einem Umsatzminus, nur noch 8 % (10 %) mit einem Umsatzplus. Im Großhandel geht jedes zweite Unternehmen von sinkenden Inlandsbestellungen aus.

Auch die unternehmensnahen Dienstleister können sich diesem Abwärtstrend nun endgültig nicht mehr entziehen. Sie haben ihre Geschäfts- und Umsatzprognosen zurückgenommen. Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind absehbar: In den kommenden Monaten planen 29 % (17 %) weitere Entlassungen.

Neben der lahmenden Binnenkonjunktur ist die abnehmende Investitionsbereitschaft der Unternehmen der ernsteste Schwachpunkt der Konjunkturentwicklung. Nicht nur überwiegend kleine und mittlere Unternehmen, wie bisher, haben ihre Investitionspläne zusammengestrichen, sondern auch Großbetriebe mit mehr als 500 Arbeitskräften.

Die schwache Binnennachfrage trifft nach wie vor den Mittelstand am härtesten. Jedes zweite Unternehmen beurteilt die aktuelle Geschäftslage schlecht. Zwei Drittel der Mittelständler glauben, dass sich die Situation in den kommenden 12 Monaten nicht verbessert, knapp ein Viertel befürchtet gar ein weiteres Absacken. „Die Konsequenz daraus ist“, so Dörfler, „dass nun auch die kleinen und mittleren Unternehmen ihren Personalstand nicht mehr halten können.“ Gerade angesichts der welt- und außenpolitischen Risiken, sei es jetzt um so wichtiger, dass die nationale Politik endlich mit Strukturreformen das dringend nötige Vertrauen in die Zukunft schaffe und nicht mit skurrilen Vorschlägen über Steuererhöhungen noch mehr Unsicherheit heraufbeschwöre

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