Lage und Tendenzen in der deutschen Torbranche im Vorfeld der Weltleitmesse R + T 2006 - Zahlreiche Produktneuheiten u. -verbess

Lage und Tendenzen in der deutschen Torbranche im Vorfeld der Weltleitmesse R + T 2006 - Zahlreiche Produktneuheiten u. -verbesserungen sind zu erwarten

(Statement von Dr. Claus Schwenzer, Vorsitzender BVT Verband Tore, anlässlich der Interna-tionalen Pressekonferenz ‚R + T 2006’ am 19.10.2005 in Stuttgart)

Stuttgart, 19. Oktober 2005.
Die deutsche Torindustrie hat ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2005 um drei Prozent gesteigert. Damit ist erstmals seit 2000 der von der Baukrise ausgelöste Abwärtstrend gestoppt worden. Die Lage ist nach wie vor schwierig, aber es mehren sich die positiven Signale aus der deutschen Wirtschaft, den Tor-Exportmärkten und dem Markt für Gebäudemodernisierung und instandhaltung. Deshalb zeigen sich Torhersteller und ihre Zulieferer zuversichtlich bezüglich der eigenen Marktentwicklung in den nächsten sechs Monaten. Sie nutzen die Weltleitmesse R+T als Schaufenster für Neuheiten und Technologietrends.Die sich abzeichnenden diesjährigen Geschäftsergebnisse der deutschen Torbranche werden wahrscheinlich den negativen Trendverlauf der letzten Jahre stoppen können. Dieser Trend wird von der seit mehr als einem Jahrzehnt anhaltenden Baukrise bestimmt. Im ersten Halbjahr 2005 erzielten die Hersteller von Toren und Schranken aller Art für Industrie, Handel, Gewerbe und Privatsektor einen Umsatz von fast 700 Mill. EUR. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum von drei Prozent. Teilweise ist das Umsatzplus das Resultat von Kostensteigerungen im Vormaterial- und Energiebereich, die in die Verkaufspreise für Branchenerzeugnisse eingeflossen sind. Während der Inlandsumsatz nur leicht über dem Vorjahresergebnis liegt (Anstieg um 1,8 Prozent auf 576 Mill. EUR), hat die Ausfuhrleistung um gut neun Prozent auf 120 Mill. EUR zulegen können. Der gesamte Inlandsabsatz also Inlandsumsatz einschließlich der leicht rückläufigen Tor-Importe bewegt sich mit rd. 600 Mill. EUR ebenfalls leicht über Vorjahresniveau (+ 1,4 Prozent).

Die Erzeugnispreise für Tore aus Stahl oder Aluminium sind in den ersten sechs Monaten um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angehoben worden. Die Torhersteller haben damit die extrem hohen Preisausschläge für Stähle und NE-Metalle (zeitweilig 40-prozentige Preissteigerung bei Flach- und Stabstahl gegenüber der Ausgangssituation zum Jahresbeginn 2004) nur teilweise an die Kunden im In- und Ausland weitergeben können. Auch das Produktionsergebnis für Tore schneidet im gleichen Jahreszeitraumvergleich vergleichsweise positiv ab, insbesondere wegen einer starken Produktionssteigerung im zweiten Quartal: Um 2,8 Prozent steigt der Produktionswert, Garagentore etwas stärker als gewerbliche und Industrietore. Die Baukrise bestimmt dagegen bisher die Entwicklung der Beschäftigtenzahl und die Anzahl der Branchenbetriebe. Zur Jahresmitte waren weniger als 11.500 Beschäftigte (-6,3 Prozent) in 143 Betrieben mit mehr als 10 Mitarbeitern (- 5,3 Prozent) tätig.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 erzielte die deutsche Torindustrie einen Umsatz von 1,545 Mrd. EUR. Dies bedeutete einen Rückgang gegenüber 2003 von drei Prozent. Gleichzeitig entsprach dieses Ergebnis schätzungsweise einem Anteil von vierzig Prozent am Umsatz mit Toren und Schranken in allen europäischen (EWR-)Staaten (~ 3,75 Mrd. EUR). Im Vergleich dazu lag im Jahre 2004 der Umsatz mit gewerblichen und Garagentoren in den USA bei ca. 2,2 Mrd. US-Dollar. Aufgrund großer statistischer Lücken liegen vergleichbare Marktdaten für den asiatischen, südamerikanischen und afrikanischen Raum nicht vor, so dass auf eine Schätzziffer für den Weltmarkt für kraft- und handbetätigte Tore verzichtet werden muss.

Knapp vier Monate vor Eröffnung der Weltleitmesse R + T bewegen sich die deutsche bzw. europäische Torbranche sowie deren breit gefächerte Zulieferindustrie Hersteller von Torantrieben, -steuerungen und schutzeinrichtungen, von Torpaneelen und profilen aus Stahl und Aluminium sowie von Torbeschlägen und verschlüssen derzeit in einem unter konjunkturellen und strukturellen Gesichtspunkten schwierigen Gesamtmarkt. Allerdings sind Anzeichen für eine allmähliche Besserung in Sicht. So prognostiziert der Internationale Wäh-rungsfonds IWF für die Weltwirtschaft trotz hoher Öl- und Rohstoffpreise für dieses Jahr ein Wachstum von über vier Prozent. Dank eines erwarteten Anstiegs bei der Industrieproduktion, den Auftragseingängen und dem Konsumentenvertrauen im dritten und vierten Quartal 2005 kann auch die Euro-Zone mit einem Wachstum von 1,2 bis 1,4 Prozent rechnen. Im Inland signalisieren die zuletzt etwas günstigeren Resultate des ifo-Geschäftklima-Index, des Handelsblatt-Konjunkturbarometers sowie die zunehmende Investitionsbereitschaft der deutschen Industrie laut jüngstem ifo-Investitionsbericht erfreuliche Perspektiven.

Bauleistungen in Europa werden nach Aussage von EUROCONSTRUCT im laufenden Jahr um zwei Prozent zulegen, wobei insbesondere die Baumärkte in Großbritannien, Spanien und allen neuen EU-Mitgliedstaaten derzeit stark reüssieren. Für die Jahre 2006/2007 sagen die Wirtschaftsforschungsinstitute in Europa einen Anstieg der Bauleistungen für den Hochbau von jeweils 1,5 % voraus. Gleichzeitig ist jedoch nach wie vor Fakt, dass sich in Deutschland, dem mit Abstand größten europäischen Baumarkt, die Investitionslust im Wohn- und Nichtwohnneubau in Grenzen hält. Muss im laufenden Jahr die Baubranche noch mit einem weiteren Umsatzrückgang von circa fünf Prozent rechnen, hofft sie für 2006 auf eine Trendwende und hält bei stimmigen politischen Rahmenbedingungen sogar ein Umsatzplus von bis zu einem Prozent für möglich. Realistischer dürfte aber eine Seitwärtsbewegung der Baukonjunktur sein. Die meisten der mittelständisch geprägten Torhersteller in Deutschland sind vom nationalen oder gar regionalen (Hoch-)Baugeschehen abhängig, obwohl sie in den letzten Jahren verstärkt Exportanstrengungen unternehmen und die Branche mittlerweile eine Exportquote von 17 Prozent vom Umsatz erzielt. Erfreulicherweise entwickelt sich seit einigen Jahren mit der Gebäudemodernisierung und der Instandsetzung des Bestandes ein überaus interessantes Geschäftsfeld. Bereits heute hat der Modernisierungsmarkt im Wohn- und Nichtwohnbau mit einem Anteil von knapp sechzig Prozent am gesamten Hochbaumarkt den Neubausektor deutlich abgehängt.

Nicht zuletzt wegen dieser Rahmenbedingungen zeichnen die Teilnehmer am jüngsten BVT-Lage- und Tendenzbericht (September 2005) hinsichtlich der aktuellen Geschäftslage mehrheitlich ein positives Bild. Jeweils 36 % aller Befragten berichten von gestiegenen Auftragseingängen bzw. Umsätzen, während 40 % bzw. 36 % eine gleich bleibende Entwicklung bei diesen beiden Indikatoren konstatieren; 24 % bzw. 28 % klagen über gesunkene Auftragseingänge bzw. Umsätze. Die Erwartungen der befragten Unternehmen für die nächsten sechs Monate fallen noch zuversichtlicher aus, darunter bei den Zulieferern mehr als bei den Torherstellern selbst. 40 % aller Teilnehmer rechnen bis zum Frühjahr 2006 mit einer steigenden Auftragsentwicklung und immerhin noch 36 % mit höheren Umsätzen, wohingegen nur 8 % bei den Auftragseingängen und 12 % bei den Umsätzen weitere Einbußen befürchten. Die Beschäftigten- und Verkaufspreisentwicklung wird in den nächsten Monaten weitestgehend als stabil eingeschätzt. Angesichts dieser Erwartungshaltung kann die R + T 2006 im kommenden Frühjahr mit einer positiven Grundstimmung rechnen, die sich hoffentlich auch auf die Besucher und Facheinkäufer aus dem In- und Ausland überträgt.

Die gesamte Torbranche wird ihre Weltleitmesse als Schaufenster für Neuheiten nutzen. Die R + T 2006 wird ein Spiegelbild für hohe technische und praxisbezogene Produkt- und Dienstleistungskompetenz und überzeugende Designlösungen sein. Recherchen des BVT-Verband Tore haben vorläufig folgende fünf Produkttrends im Messevorfeld ausgemacht:

(1)
Steigerung der Nutzungssicherheit von kraftbetätigten Toren für sämtliche Einsatzbereiche durch verbesserte und verfeinerte Schutzeinrichtungen mechanischer, elektrischer und elektronischer Art (Beispiele: fehlersichere Kontaktleisten, vorlaufende Lichtschranken, schwellenlose Schlupftüren in Torflügeln, Vermeidung von Quetsch- und Scherstellen durch verschiedene Fingerklemmschutztechniken im Torflügelbereich).

(2)
Intelligente, komfortable und effiziente Antriebs-/Steuerungstechniken, die - abgestimmt auf den jeweiligen Tortyp - schnellere Öffnungs-/Schließgeschwindigkeiten bei gleichzeitiger Schonung der Tormechanik und Einhaltung normgerechter Kraftbegrenzung erlauben.

(3)
Torlösungen im Fassadenbereich und im Gebäudeinneren für weiter verbesserte Energieeinsparung, z. B. bei beheizten oder gekühlten Lager- und Gewerbehallen/-Räumen, vor allem durch fortentwickelte Schnelllauf-Tortechniken oder durch optimierte Wärmedämmtechniken am Torflügel/-panzer.

(4)
Verbesserte bzw. erweiterte Sicherheitstechniken für Tore, Schranken und Zutrittskontrollanlagen im Rahmen der Objekt- und Geländesicherung gegen unbefugtes Eindringen (z. B. Einbruch hemmende Tore, Detektionssysteme für Außentore und Zäune, biometrische Zugangskontrolle für private (Garagen-)Tore und gewerbliche Toranlagen anstelle von Codier- oder Schlüsselschalter).

(5)
Arbeitszeit und Kosten sparende Montagelösungen (z. B. durch Modulbauweise) und Einstellmöglichkeiten (z. B. digitale Endschalter) für Fassaden- und Arealtore, die gleichzeitig die Einhaltung des geforderten Sicherheitsniveaus verbessern helfen.

Sehr wahrscheinlich wird es noch weitere neue Design- und Funktionslösungen geben, denn der Einsatz von Elektronik und Elektromechanik in der Gebäudefassade bringt durch die zunehmende Intelligenz der Produkte mehr Sicherheit und Komfort sowie eine Entlastung für den Nutzer. Die Kommunikation aller Bauteile untereinander - also nicht nur der Tore ist noch in der Entwicklung und wird in Pilotprojekten erprobt. In absehbarer Zukunft können komplette Gebäudekomplexe kostengünstig, zentral, ortsunabhängig und ohne große Investition überwacht und gesteuert werden.

Während der R + T präsentiert der BVT Verband Tore das bewährte TORFORUM. An zwei Messetagen (08./09 Februar 2006) jeweils vor- und nachmittags greifen Branchenexperten aktuelle Themen auf, geben dem interessierten Besucher alle notwendigen Informationen und Tipps und beziehen Stellung. Vorgesehene Themen sind u. a.:

• Grundlagen der Tornormung und Ausblick auf deren Weiterentwicklung,
• Auswirkungen des Gesetzes über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die um-weltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten auf die Torbranche,
• Schutzausrüstungen an Toren und deren Integration in Wohn- und Gewerbebauten,
• Komfort und Sicherheit bei Toren, Schranken und Zutrittskontrollanlagen,
• Weiterentwicklungen bei Torsteuerungen.

Für den von allen Messepartnern gemeinsam veranstalteten Architektentag steuert die Tor-branche einige Vortragsthemen bei, die sich mit Nutzenüberlegungen hinsichtlich der Tore und ihre Übertragung in Architektenausschreibungen befassen. Der BVT Verband Tore präsen-tiert sich mit einem eigenen attraktiven Messestand auf der R+T 2006 (Standort: Lobby, Stand 006 in der Gemeinschaftspräsentation der Fachwelt R+T). Neben der kompetenten und geziel-ten Besucherinformation durch Computer gestützte Hinweise, Direktauskünfte über Branchen-produkte und firmen und durch Mitgliederprospekte stehen vor allem die Betreuung der Mit-glieder/Aussteller, die Akquisition neuer Mitglieder sowie die Öffentlichkeitsarbeit im Mittelpunkt aller Aktivitäten.

Kontakt:
Dr. Claus Schwenzer, Vorsitzender BVT
Dipl.-Ökonom Friedrich Klopotek, Geschäftsführer BVT
BVT Verband Tore im IVEST e.V.
An der Pönt 48 D-40885 Ratingen
Fon +49 (0)2102.18 62 00
Fax +49 (0)2102.18