Unter Lehmziegel kann man zweierlei Varianten finden:
Die erste ist die reine, getrocknete Variante. Bei der zweiten findet man den leichteren und stabileren luftgetrockneten Ziegel mit Füllstoffen aus Stroh, Sand und Tierkot. Die Geschichte der ungebrannten Lehmziegel führt uns weit zurück und hat auch nicht nur einen bekannten Ursprungsort, da zur gleichen Zeit in verschiedenen Teilen der Erde diese Ziegel als Baustoff verwendet wurden. Schon im alten Ägypten wurden Lehmsteine für den Häuserbau gebraucht. Die perfekte Mischung war früher eine hohe Kunst, denn zu viel Beigabe von Sand lässt die Ziegel zerfallen, zu viel Lehm lässt sie brüchig werden. Die richtige Menge an Stroh ist wichtig, damit eine dauerhafte Festigkeit erzielt wird. Der antike Baustoff Lehm wurde lange Zeit vernachlässigt und findet erst seit einigen Jahren in der ökologischen Bauweise wieder neue Verwendung und 1999 wurde in Berlin erstmals seit 150 Jahren wieder ein öffentliches Gebäude aus Lehmstein errichtet: die Kapelle der Versöhnung.
Lehmwände regulieren die Luftfeuchtigkeit und sind atmungsaktiv. Neue Lehmhäuser baut man aus fein gemahlenem Lehm, der im Mischer wie Zement verarbeitet wird. Da Lehm schadstofffrei ist und Holz konserviert und zudem vollständig recycelbar ist, schafft er ein gesundes Raumklima und ist zudem ökologisch wertvoll. Im Sommer sind Lehmwände angenehm kühl, im Winter reguliert der Lehm die Luftfeuchte und schützt vor zu trockener Heizungsluft. In Fachwerkhäusern wird Lehm mit gehäckseltem Stroh gemischt, auch Weller genannt, um die Masse dann auf ein Weidengeflecht aufzutragen. Es gibt auch die Bauweise des Stampfens. Dabei wird feuchter Lehm in eine meist hölzerne Form gebracht und verdichtet. Lehmhäuser werden meist außen mit Holz verschalt, weil das Ausdehnungsverhältnis bei Zement ungeeignet ist. Seit einiger Zeit gibt es Lehmbausteine, die industriell gefertigt werden, die mit Nut und Feder zusammengesetzt werden und Lehmputze für den Innenausbau. Das größte Gebäude aus Lehm war die iranische Zitadelle in Bam, die bei einem Erdbeben 2003 fast vollständig zerstört wurde. Die Lehmbauweise erfreut sich überall auf der Welt über wachsende Beliebtheit und in trockenen Gebieten sind diese Gebäude sehr dauerhaft. Das größte deutsche Lehmgebäude der Neuzeit ist ein sechsstöckiges Wohnhaus und wird sicherlich noch Nachahmer finden, da es immer wichtiger wird, ökologisch und vor allem gesund zu bauen. Trockener Lehm wirkt Schadstoff abweisend und ist gerade für Allergiker gut geeignet.
Wieder einmal zeigt sich, dass antike Baustoffe durchaus auch in der heutigen Zeit ihre Berechtigung haben, denn der immer notwendigere Klimaschutz ist durchaus auch mit der Lehmbauweise vereinbar und muss keinesfalls antiquiert aussehen.


