Leserbrief zu: „Sonniger Profit“, DER SPIEGEL vom 21.02.2004

Leserbrief zu: „Sonniger Profit“, DER SPIEGEL vom 21.02.2004

UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig schreibt an Artikel-Autor Henning Hinze

Guten Tag Herr Hinze,
Energie zum Nulltarif gibt es nirgends auf der Welt. Die Frage ist doch, ob wir uns in Zukunft an einem Solarpark auf der grünen Wiese mehr stören, als an einem riskanten Atomkraftwerk oder einer durch den Kohle- bzw. Uranabbau erzeugten Mondlandschaft. Und mal ganz ehrlich - auch dem Autor ist klar, dass großflächige Anlagen in unberührter Natur nicht errichtet werden dürfen. Selbst auf vorbelasteten ebenerdigen Standorten werden sie eine Ausnahme bleiben, da der Netzbetreiber Solaranlagen auf dem Gebäude deutlich höher vergütet. Die zitierten Beispiele in Hessen, Sachsen-Anhalt und Sachsen bei Nutzung von Industriebrachen zeugen von einem ernsthaften Bemühen der Solarbranche möglichst wenig Freifläche zu beanspruchen.
Abgesehen davon schädigen Solarparks keineswegs die Umwelt. Sie erzeugen weder Emissionen an Lärm und Schadstoffen noch versiegeln sie den Boden. Der Gesetzgeber hat zudem zur Auflage gemacht, dass landwirtschaftliche Flächen nur genutzt werden dürfen, wenn dabei zumeist intensiv genutztes - Ackerland in Grünland umgewandelt wird. Dadurch werden die Freiflächen zumeist ökologisch aufgewertet. Da die Solaranlagen kaum gewartet werden müssen, können sich Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere entwickeln.
Großflächige Solaranlagen werden dringend gebraucht, um die Kosten für die saubere Schlüsseltechnologie der Zukunft zu senken und ihren Aufbau mittels Beteiligungskapital zu finanzieren. Allein der Geldbeutel des Eigenheimbesitzers kann diese Herausforderung nicht stemmen, durch Solarfonds finanzierte Großanlagen müssen helfen.
Mit wachsender Produktionskapazität sinken die Kosten von Solarmodulen und damit wird ihr Einsatz auch in der Gebäudehülle deutlich attraktiver.
Das Ganze ist ein Wettrennen mit der Zeit wie die aktuelle Pentagon-Studie deutlich macht. Der Klimawandel ist in vollem Gange jetzt ist es an uns etwas entgegen zu setzen und die bereits sichtbaren verheerenden Folgen einzudämmen.
Mit der Förderung von Solarenenergie gehen wir endlich einen Schritt in die richtige Richtung. Es wäre der blanke Hohn, jetzt Angst vor der eigenen Courage zu haben und dem eingesetzten Boom erneut Steine in den Weg zu legen.
Zudem sind die Zuwendungen für Erneuerbaren Energien im Vergleich zu fossilen Brennstoffen nach wie vor marginal. Nach den Ergebnissen einer Anfrage im Europäischen Parlament erhalten Produktion und Erforschung fossil-/nuklearer Brennstoffe jährlich nach wie vor die 20fache Höhe an Zuwendungen von Erneuerbaren Energien.
Solarenergie ist nicht nur eine lohnende Investition in die Zukunft unserer Kinder, da die endlichen Energiequellen schon bald erschöpft sein werden, sondern auch in den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Solarmarkt wächst rasant und über 70 Prozent der Wertschöpfung bleiben dabei im Inland. Wenn wir jetzt dranbleiben, schaffen wir den Sprung in die technologische Führungsspitze und können uns auf dem hart umkämpften Exportmarkt erfolgreich positionieren und in den nächsten Jahren bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk schaffen. In vielen anderen Technologiefeldern, in denen wir bei der Entwicklung Spitze waren, ist der Zug inzwischen abgefahren. Das darf sich bei der Solartechnik keinesfalls wiederholen.
Allein aus ästhetischen Gründen auf Solarenergie zu verzichten, wäre etwas zu kurz gedacht, oder?
Mit freundlichen Grüßen
Carsten Körnig
Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V., Geschäftsführer