Mehr Beteiligungskapital für das Handwerk

Mehr Beteiligungskapital für das Handwerk
Gipfeltreffen des NRW-Tischlerhandwerks in Brilon/Meschede

Mit wichtigen berufspolitischen Fragen sowie der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Tischlerhandwerks befassen sich rund 140 Tischlermeisterinnen und -meister aus ganz Nordrhein-Westfalen am Samstag in der Stadthalle in Meschede. Als Gäste der Tischler-Innung Brilon/Meschede werden die Delegierten aus insgesamt 58 Innungen zusammengekommen zur Frühjahrs-Mitgliederversammlung des Fachverbandes Holz und Kunststoff NRW. Die Mitglieder-Versammlung ist das höchste beschlussfassende Organ des nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerks, das rund 8.400 Unternehmen zählt und mit 52.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 9,7 Milliarden Mark erwirtschaftet. Unter dem Vorsitz von Landesinnungsmeister Alfred Jacobi (Bochum) werden unter anderem die Kapitalversorgung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie die aktuelle wirtschaftliche Situation des NRW-Tischlerhandwerks Gegenstand der Beratungen sein.
Zum Thema Kapitalversorgung wird der Geschäftsführer Dr. Thomas Köster vom Nordrhein-Westfälischen Handwerkstag (NWHT), der Dachorganisation des Handwerks im größten deutschen Bundesland, Stellung beziehen. Unzufrieden ist man im handwerklichen Mittelstand insbesondere bei der Versorgung mit Beteiligungskapital.
Dass die Beteiligungsfinanzierung im Handwerk eine wichtige Rolle spielt, zeigen die Ergebnisse einer NWHT-Umfrage, wonach für nahezu jedes fünfte Unternehmen Finanzierungsform in Frage kommt. 3,4 Prozent der Handwerksunternehmen in Nordrhein-Westfalen haben bereits einen Teilhaber, der auch Einfluss auf die Unternehmenspolitik nimmt. Drei Prozent der Befragten konnten einen privaten Investor gewinnen, der sich ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik an den betreffenden Handwerksunternehmen beteiligt.
Im Handwerk herrscht aber Mangel an Beteiligungskapital. 11,5 Prozent der befragten Unternehmer suchten bisher erfolglos einen Beteiligungspartner für ihr Unternehmen. Vielfältige Gründe sprächen für die Hereinnahme eines Beteiligungspartners in das Unternehmen. So kann beispielsweise zusätzlicher unternehmerischer Sachverstand für das Unternehmen gewonnen, eine breitere Eigenkapitalbasis oder die Kreditwürdigkeit durch die Hereinnahme eines Partners erhöht werden.
Deshalb braucht der Mittelstand in Deutschland im Bereich der Außenfinanzierung eine neue Kultur des Beteiligungskapitals. "Wir benötigen einen ‚take off’ für mittelständisches Beteiligungskapital über regionale „business angels“ und mittelstandsbezogene Kapitalbeteiligungsgesellschaften mit Kapitalbeteiligungen auch in der Größenordnung zwischen 50.000 und 150.000 DM", fordert der NWHT-Geschäftsführer. Er wird diese Forderung mit dem hochrangigen Bankenvertreter Norbert Mauerer, Leiter des Bereichs Investitionsförderung der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank eG, und den Delegierten diskutieren.
Ungeachtet dieser wichtigen Diskussion setzt das nordrhein-westfälische Tischlerhandwerk in diesem Jahr auf die Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs. Seit Herbst 1999 mehren sich die Zeichen, die für eine anhaltende Belebung der Geschäftslage sprechen. Zwar endete das vergangene Jahr nach Angaben des NRW-Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) noch einmal mit einen Umsatzverlust von nominal 3,1 Prozent. Doch in den letzten drei Monaten konnte erstmals seit vielen Jahren wieder ein positives Quartalsergebnis (1,6 %) erzielt werden. Anlass zu Optimismus geben auch die jüngsten Zahlen der repräsentativen Konjunkturumfrage des Fachverbandes. Danach schätzen 84 Prozent der befragten Tischlerbetriebe die gegenwärtige Geschäftslage als gut (28,9 %) oder befriedigend (55,1 %) ein.
Die insgesamt noch negative Bilanz des vorigen Jahres hat sich natürlich auf die Arbeitsplatzsituation ausgewirkt. Die Beschäftigtenzahl im NRW-Tischlerhandwerk ist laut LDS 1999 um 6 Prozent gesunken. Dies entspricht einem Verlust von rund 3.300 Arbeitsplätzen. Ende 1993 beschäftigten die Tischlerbetriebe in Nordrhein-Westfalen, nachdem zuvor in sechs aufeinanderfolgenden Jahren zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden waren, noch knapp über 70.000 Beschäftigte.