Milliardenschäden durch Pfusch am Bau

Milliardenschäden durch Pfusch am Bau

# Pro Haus durchschnittlich 21 Mängel
# Schadenshöhe 1,4 Milliarden Euro jährlich
# Bauherren müssen bis zu 27.000 Euro Folgekosten tragen
# Mängelzahl steigt innerhalb von zwei Jahren um fast 50 Prozent

Beim Bau von Wohnhäusern in Deutschland entstehen jährlich Mängel im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro. Durchschnittlich enthält jedes neue Wohngebäude 21 Mängel in Höhe von 9.000 Euro, deren Folgekosten sich im Nachhinein auf bis zu 27.000 Euro summieren können, so das Ergebnis der ersten Studie der DEKRA Real Estate Expertise GmbH zu Baumängeln an Neubauten. „Die Qualität der Leistungen auf deutschen Baustellen ist in den vergangenen Jahren keineswegs besser, sondern noch schlechter geworden“, sagt Dr. Bernd Steisslinger, Geschäftsführer der DEKRA Real Estate Expertise GmbH. „In der Regel werden nur jene Arbeiten zu 100 Prozent ausgeführt, die äußerst streng kontrolliert werden.“Die DEKRA Real Estate Expertise GmbH hat in den Jahren 2003 bis 2005 insgesamt 1.025 Wohnhäuser während der Bauphase zertifiziert. Für die Studie wurden 90 Neu­bauten (knapp neun Prozent) aus den Jahren 2003 bis 2005 repräsentativ nach regionaler Verteilung, Art und Wert sowie Baujahr ausgesucht. DEKRA Sachver­ständige haben während ihrer Zertifizierungen die 90 Häuser bei insgesamt 330 Besuchen begutachtet.

Hatten die DEKRA-Gutachter 2003 noch durchschnittlich 16 Mängel pro Wohngebäude festgestellt, waren es 2005 schon 23 Mängel an jedem Haus. Damit erhöhte sich die Anzahl der Mängel innerhalb von nur zwei Jahren um fast 50 Prozent. Die DEKRA erfasste für ihre Studie Mängel in den Fällen, wenn das Bauwerk oder ein Teil davon nicht die vereinbarte Beschaffenheit hatte oder nicht den anerkannten Regeln der Technik entsprach. „Um die Bauqualität zu steigern, empfehlen wir, die Bauüber­wachung sowie die Planungs- und Ausschreibungsleistungen zu verbessern“, sagt
Dr. Steisslinger. „Wenn Handwerksunternehmen verstärkt qualifizierte Mitarbeiter einsetzten, erhöhte sich die Qualität von handwerklichen Leistungen entscheidend.“

Zusätzliche Kosten durch Mietausfälle und Prozessrisiken

In den durchschnittlichen Kosten für die Mängelbeseitigung von 9.000 Euro pro Haus sind zahlreiche Zusatzkosten noch nicht enthalten. „Den Eigentümern können Folgekosten entstehen, wenn Mängel nicht erkannt und nicht beseitigt werden“, sagt Geschäftsführer Dr. Steisslinger. „Hinzu kommen außerdem eventuell noch Kosten für Mietausfälle, Rechtsberatungen und Gerichtsprozesse sowie Aufschläge für den Fall, dass Drittunternehmer die Mängel beseitigen.“ Nach üblichen Schätzungen steigen die Kosten dann auf das Dreifache des eigentlichen Mängelumfangs. Das Risiko von Mängeln bei neu gebauten Wohngebäuden lag in den Jahren 2003 bis 2005 also bei bis zu 27.000 Euro.

Um die Kosten für die unmittelbare Mängelbeseitigung an neu gebauten Wohnhäusern in Deutschland zu berechnen, ermittelte die DEKRA Real Estate Expertise GmbH aus Statistiken des Statistischen Bundesamts die Zahl der Wohngebäude, die in den Jahren von 2003 bis 2005 gebaut wurden. Werden die durchschnittlichen Kosten von 9.000 Euro für die Mängelbeseitigung auf die Gesamtzahl von rund 461.000 neuen Häusern innerhalb von drei Jahren hochgerechnet, ergeben sich Gesamtkosten von jährlich rund 1,4 Milliarden Euro.

Schadenshöhe durch Pfusch am Bau seit 1995 um mehr als ein Viertel gestiegen

Als letzte umfassende Untersuchung zu Schäden an Gebäuden in Deutschland gilt der dritte Bericht des Bundesbauministeriums von 1995. Um die Ergebnisse der aktuellen DEKRA-Studie mit den Daten dieses Berichts von 1995 vergleichen zu können, berücksichtigte die DEKRA Real Estate Expertise GmbH die geänderte Preisbasis, die neue Höhe der Mehrwertsteuer und die unterschiedlichen Datenstrukturen. Gegenüber dem Bericht des Bundesbauministeriums stieg die Schadenshöhe durch Pfuscharbeiten bei Neubauten mit rund 27 Prozent um mehr als ein Viertel. „Wir werden weiterhin umfassend die Kosten für die Mängelbeseitigung an Neubauten ermitteln und die nächsten Ergebnisse schon im Januar 2008 in einem zweiten Bericht zu Baumängeln an Wohngebäuden vorstellen“, sagt Geschäftsführer Dr. Steisslinger.

Quelle: Dekra

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