Ministerin Höhn: Überhöhte Benzol-Werte in Duisburg gemessen

Ministerin Höhn: Überhöhte Benzol-Werte in Duisburg gemessen

Das Ministerium fur Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft teilt mit:

Im Duisburger Stadtteil Bruckhausen sind deutlich überhöhte Konzentrationen des Luftschadstoffes Benzol festgestellt worden. Eine mobile Meßeinrichtung war vom Landesumweltamt direkt gegenüber der Kokerei der Thyssen Stahl AG am Rande eines Wohngebietes aufgebaut worden. Diese Meßstation gehört zum Sonderluftreinhalteplan, den Umweltministerin Bärbel Höhn im vergangenen Herbst für die Stadt Duisburg aufgestellt hatte. Für den Monat September hatte die Station einen Mittelwert von 22 Mikrogramm Benzol pro Kubikmeter Luft gemessen. Der Länderausschuß für Immissionsschutz sieht den Zielwert für regionale Luftreinhaltung von 2,5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vor, der möglichst nicht überschritten werden soll. Im Bundesrat wird zur Zeit darüber entschieden, ob bei einer Konzentration von 15 Mikrogramm Benzol pro Kubikmeter Luft Sofortmaßnahmen in mit Straßenverkehr hoch belasteten Straßenschluchten möglich werden sollen. Geplant ist unter anderem die Möglichkeit von Verkehrsbeschränkungen bis hin zur Stillegung. Ab 1998 sollen für solche Interventionen sogar schon 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ausreichen."Deshalb halte ich diese hohen Benzolwerte für ausgesprochen alarmierend", sagte Bärbel Höhn heute in Düsseldorf. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hat gemeinsam mit dem Landesumweltamt gestern eine erste Risikoabschätzung erarbeitet. Benzol ist ein gefährlicher Stoff, der hauptsächlich über die Atemwege aufgenommen wird. Benzol wird zu den 7 wichtigsten krebserregenden Luftschadstoffen gezahlt. Sollte sich der bisher vorliegende Monatsmittelwert von 22 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft als Jahresmittelwert bestätigen, bedeutete dies ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, zum Beispiel an Leukämie zu erkranken. Die Erkenntnisse über Duisburg-Bruckhausen sind bislang aber Stichproben. Vergleichbare Studien in anderen Städten haben allerdings gezeigt, daß Benzol im Körper nachweisbar war, obwohl die Benzolkonzentrationen in der Luft dort wesentlich niedriger gelegen haben. Körperliche Anstrengung im Freien sollte vermieden werden."Die hohen Benzolwerte in Bruckhausen bestätigen die Befürchtungen, die sowohl die Duisburger Stadtverwaltung als auch der Rat der Stadt im Hinblick auf die Kokerei seit langem gehabt haben", sagte Ministerin Bärbel Höhn heute. "Aber alle Maßnahmen, die Firma Thyssen zum Einbau von technischen Verbesserungen zu bewegen, wurden bisher nicht befolgt. Stattdessen wurde gegen die Behorden geklagt." Bereits im März dieses Jahres hatte eine Ordnungsverfügung mit der Androhung von Zwangsgeld zum Ziel gehabt, daß die Firma an den zahlreichen diffusen Quellen der Kokerei technische Verbesserungen einführt. Dagegen klagt die Thyssen-Stahl AG vor dem Verwaltungsgericht. Die Ministerin hat am Freitag ein Gespräch mit der Stadt Duisburg und der Geschaftsführung der Thyssen-Stahl AG geführt, um die sofortige Umsetzung dieser Maßnahmen anzumahnen. Die Behörden erwarten, daß Thyssen durch technische Einrichtungen und durch den Einsatz von mehr Personal kurzfristig den Schadstoffausstoß der Anlage verringert. "Nach den Gesprächen mit der Firma ThyssenStahl AG hatte ich den Eindruck, daß diese Fragen auch ernsthaft geprüft werden sollen", sagte Ministerin Bärbel Höhn.

Bärbel Höhn hat angekündigt, daß die MILIS-Station gegenüber der Kokerei stehenbleiben und mindestens ein halbes Jahr weitermessen soll. Außerdem hat die Ministerin das Meßprogramm erweitert. Dafür werden sogenannte "Passivsammler" an 25 Stellen des Stadtteiles aufgestellt, die weitere Benzolmessungen vornehmen werden, um die räumliche Verteilung rund um das Firmengelände festzustellen.

Nach Angaben der Firma Thyssen-Stahl AG ist seit Jahren der Bau einer neuen Kokerei geplant. Bis zum Ende des Jahres soll ein Genehmigungsantrag dafür bei der Bezirksregierung eingereicht werden. Bereits im Jahr 1995 hatte die Firma von der Bezirksregierung in einem Vorbescheid die Bestätigung erhalten, daß der Bau einer neuen Kokerei an dem geplanten Standort grundsätzlich genehmigungsfähig sei. Die Auswertung aller Analyseergebnisse, die von der MILIS-Station ermittelt wurden, werden in Kürze vorgelegt, erklärte die Ministerin."Kurzfristig muß nun bei der Kokerei in Bruckhausen durch das Abdichten der Ofentüren und der diffusen Quellen für Abhilfe gesorgt werden", sagte Bärbel Höhn in Düsseldorf. "Ich werde es nicht hinnehmen, daß die Bevölkerung dort solchen Konzentrationen ausgesetzt bleibt. Es geht aber auch darum, den Stahlstandort zu sichern. Das ist nur möglich, wenn Thyssen mittelfristig durch den Bau einer neuen Kokerei die notwendigen umweltschutztechnischen Bedingungen erfüllt."

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft Tel. 0211/4566 294 oder 295.